Zu viele Vorschriften machen Essen nicht gesünder, sondern nur stressiger. Deshalb Schluss mit den strengen Regeln. Ein guter Umgang mit Nahrung bedeutet nicht perfekt zu sein, sondern Flexibilität und Balance zu finden! Wie Sie auch einmal „Unperfektsein“ zulassen können, erfahren Sie hier.
Viele Menschen meinen es ernst mit ihrer Ernährung. Sie wollen sich besser fühlen, mehr Energie haben, vielleicht ein paar Kilos verlieren. Und dann passiert etwas, das ich regelmäßig beobachte: Aus „ich möchte mich gut ernähren“ wird ein Regelwerk. Kein Zucker. Kein Alkohol. Kein Weißmehl. Kein Fett. Möglichst „clean“. Möglichst perfekt. Scheitern und Frustration sind vorprogrammiert. Wie mache ich es aber richtig?
Am Anfang fühlt sich das oft gut an. Es gibt Struktur, Kontrolle und das Gefühl, endlich „alles im Griff“ zu haben. Doch nach einer gewissen Zeit kippt es. Essen wird anstrengend, jeder Einkauf zur Entscheidungsschlacht, ein Restaurantbesuch zur Stressprobe. Und die Gedanken drehen sich ständig um die Frage: Darf ich das?
„Das Problem ist nicht der Wunsch nach Gesundheit. Das Problem ist die Idee, dass Gesundheit nur über strikte Regeln funktioniert. Viele haben gelernt, dass man nur dann erfolgreich ist, wenn man zu 100% diszipliniert ist“, betont Abnehmcoach Ursula Vybiral. „Dieses Denken passt gut in unsere Leistungsgesellschaft: Wer konsequent ist, ist stark, wer nachgibt, schwach. Nur ist Essen kein Projekt, das man mit Härte ,gewinnt´, sondern ein Grundbedürfnis. Essen nährt uns und soll Freude machen.“
Zu viele Regeln erzeugen Druck. Der Körper reagiert auf ständige Einschränkungen oft mit Heißhunger und dem Gefühl, nie wirklich zufrieden zu sein.

Ursula Vybiral, „easy eating“
Bild: Eva Manhart
Hinzu kommt der soziale Faktor. In sozialen Medien wird „gesund“ oft als Lifestyle inszeniert: perfekt angerichtete Bowls, „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel, 30-Tage-Challenges und die nächste Diät poppt auch schon wieder auf. Das klingt motivierend, erzeugt aber bei vielen das Gefühl: Ich muss mithalten. Ich darf keine Fehler machen. Dann schaffe ich es, dann bin ich genauso schön und glücklich wie diese Influencerin, bei der alles so einfach erscheint. Genau dieses Perfektionsdenken macht Ernährung schwer und der gewünschte Erfolg lässt am Ende auch auf sich warten.
Nicht zu streng sein
Gesund essen heißt, den Alltag gut zu schaffen, sich mit gutem Essen zu versorgen. Es bedeutet auch, bewusstere Entscheidungen zu treffen, die langfristig in das eigene Leben passen und nicht nur für zwei Wochen. Und dazu gehört Flexibilität. Wer ab und zu etwas isst, das nicht „ideal“ ist, scheitert deshalb noch lange nicht. Es ist menschlich.
Ursula Vybiral: „Ich erlebe es immer wieder: Sobald Menschen die strengen Regeln lockern, passiert etwas Erstaunliches. Essen wird ruhiger, Heißhunger weniger. Der Körper fühlt sich sicherer. Und dann entstehen automatisch bessere Entscheidungen, nicht aus Zwang, sondern aus Selbstfürsorge. Gesundheit beginnt nicht am Teller, sondern im Kopf: mit weniger Bewertung und mehr Balance.“
Wenn Essen wieder leichter werden soll, braucht es nicht noch mehr Regeln, sondern bessere Rahmenbedingungen.
Weniger Verbote, mehr Orientierung
Statt Lebensmittel in „gut“ und „schlecht“ einzuteilen, hilft ein einfacher Kompass: Was gibt mir Energie? Was macht mich zufrieden? Was schmeckt mir und tut mir gleichzeitig gut? Orientierung beruhigt – Verbote triggern.
„Je strenger wir essen wollen, desto größer wird der innere Druck.“
Ausreichend essen – nicht nur „leicht“
Viele essen tagsüber zu wenig, weil sie „brav“ sein wollen. Der Körper holt sich dann abends oder zwischendurch, was ihm fehlt, und meistens sogar mehr. Ausreichende, regelmäßige Mahlzeiten (am besten 3x täglich) reduzieren Heißhunger und machen Entscheidungen leichter. „Nicht mangelnde Disziplin ist das Problem, sondern dauernder Verzicht.“
Flexibilität einplanen
Balance entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Wiederholbarkeit. Wer sich bewusst Spielraum erlaubt (zum Beispiel 80/20 statt 100/0), bleibt langfristig stabil, ohne das Gefühl, ständig zu scheitern. „Gesunde Ernährung scheitert oft nicht am Wissen – sondern am Zwang.“
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