Nach einem verbalen Schlagabtausch mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz prüft US-Präsident Donald Trump offenbar eine Reduzierung der US-Truppen in Deutschland. Merz hatte sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert.
„Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“. Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.
Tausende Arbeitsplätze hängen an US-Stützpunkten
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Die US-Truppen sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt. Allein der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. .
Dutzende große US-Militärstützpunkte in Europa
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt. In Deutschland gibt es neben dem Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart.
Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen darf. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustrengen.
Merz berichtete über angebliche Zusage Trumps
Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe“, sagte der CDU-Vorsitzende in Washington nach einem Treffen mit Trump.
Im Sommer vergangenen Jahres – bei einem früheren Besuch des Kanzlers in Washington – machte Trump Deutschland Hoffnung, die Zahl der dort stationierten US-Soldaten nicht zu reduzieren. Wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. „Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.“
Merz kritisierte fehlende Strategie im Iran-Konflikt
Doch nach kritischen Tönen von Merz hat sich das Blatt offenbar gewendet: Der deutsche Kanzler warf den USA vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. „Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“, sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland. Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. „Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“, sagte Merz. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“
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