Von Flaute kann auf Europas Elektroautomarkt 2026 keine Rede sein. In den ersten acht Monaten wurden in der EU 45 Prozent mehr reine Stromer verkauft als vor einem Jahr. In Österreich ist ihr Marktanteil sogar höher als im EU-Schnitt – und erstmals liegen reine Elektroautos bei den Neuzulassungen vor klassischen Benzinern. Einer der wichtigsten Gründe: Endlich kommen mehr bezahlbare Modelle.
Die jahrelang angekündigte zweite Welle der Elektromobilität scheint tatsächlich anzulaufen – nur anders als in der ersten Phase. Nicht teure Limousinen und große SUV treiben den Markt, sondern zunehmend kleinere und günstigere Autos.
Von Jänner bis August wurden in der Europäischen Union 1,64 Millionen reine Elektroautos verkauft, 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Marktanteil stieg von 16 auf 22 Prozent. Im August waren bereits 28 Prozent aller neuen Pkw rein elektrisch. Im zweiten Quartal überholten Stromer in der EU erstmals über ein komplettes Quartal hinweg reine Benziner. Das geht aus einer neuen Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) hervor.
Österreich schon bei 25 Prozent
Österreich liegt bei der Elektrifizierung sogar über dem EU-Durchschnitt. Nach den aktuellsten Zahlen von Statistik Austria wurden von Jänner bis August 53.449 reine Elektroautos neu zugelassen. Das waren 31,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und entspricht einem Marktanteil von 25,2 Prozent.
Noch bemerkenswerter: Klassische Benziner kamen im selben Zeitraum nur auf 51.007 Neuzulassungen beziehungsweise 24 Prozent. Damit wurden in Österreich in den ersten acht Monaten 2026 bereits mehr reine Elektroautos als reine Benziner zugelassen. Diesel liegen mit 20.340 Autos und 9,6 Prozent ohnehin weit dahinter.
Im August wurde der Abstand noch deutlicher. Elektroautos erreichten mit 6316 Stück 29 Prozent Marktanteil, ein Plus von 46,4 Prozent gegenüber August 2025. Benziner kamen nur noch auf 22,4 Prozent, Diesel auf acht Prozent.
Dabei darf man die Hybridautos nicht vergessen: Mit 37,1 Prozent stellen Benzin-Hybride derzeit die größte einzelne Antriebsgruppe in Österreich. Insgesamt besitzen bereits zwei Drittel aller heuer neu zugelassenen Pkw einen von Statistik Austria als alternativ eingestuften Antrieb.
Endlich kommen billigere Stromer
Warum zieht der Markt gerade jetzt so stark an? Ein wichtiger Grund dürfte das Angebot sein. T&E spricht von einem „entscheidenden Jahr“ für bezahlbare Elektroautos. Bis Jahresende werden in Europa rund 60 neue BEV-Modelle erwartet – fast viermal so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025. Insgesamt ist die Zahl verfügbarer Elektromodelle binnen eines Jahres um rund 50 Prozent gestiegen.
Vor allem unten in der Preisliste tut sich etwas. Ende 2026 sollen europaweit 16 Elektromodelle unter 25.000 Euro verfügbar sein, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Vier davon liegen laut T&E sogar unter 20.000 Euro. Die Verkäufe von Elektroautos mit einem Einstiegspreis unter 25.000 Euro könnten deshalb 2026 rund siebenmal so hoch ausfallen wie noch 2024.
Auch in Österreich lässt sich der Trend längst im Schauraum sehen. Der neue Dacia Spring steht aktuell ab 17.990 Euro in der Liste, Renault verlangt für den neuen Twingo E-Tech Electric 19.990 Euro. Der elektrische Fiat Grande Panda wird derzeit ab 20.990 Euro angeboten. Damit landet das Elektroauto erstmals in Preisregionen, in denen auch klassische Kleinwagen gekauft werden.
Europa hält China bislang auf Abstand
Entgegen der häufigen Wahrnehmung wird das europäische Elektroangebot bislang nicht von chinesischen Herstellern dominiert. Knapp 60 Prozent der verfügbaren Modelle stammen laut T&E von europäischen Marken, chinesische Hersteller kommen auf 21 Prozent. Sieben der zehn meistverkauften Elektroautos sind derzeit Modelle europäischer Hersteller.
In Österreich sieht die Markenverteilung ebenfalls bunt aus. Bei reinen Elektroautos lag BMW von Jänner bis August mit 10,7 Prozent vorne, gefolgt von Skoda mit 9,9 Prozent, BYD mit 9,5 Prozent, Volkswagen mit 8,4 Prozent und Tesla mit 8,2 Prozent. BYD bleibt allerdings der auffälligste Aufsteiger: Über alle Antriebsarten hinweg legten die Neuzulassungen der chinesischen Marke um 68,4 Prozent zu.
Auch der Spritpreis hilft
Einen zusätzlichen Schub liefert ausgerechnet der Verbrenner selbst. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Treibstoffpreise stark gestiegen. Diesel verteuerte sich nach Berechnungen von T&E europaweit um 38 Prozent; eine 50-Liter-Füllung kostet demnach rund 30 Euro mehr als zuvor.
Wie groß der Effekt hoher Spritpreise gegenüber günstigeren Autos, Förderungen und CO₂-Vorgaben tatsächlich ist, lässt sich aus den Verkaufszahlen allein nicht herausrechnen. T&E führt den aktuellen Schub vor allem auf die strengeren EU-Flottenziele zurück, die Hersteller zu einem größeren Elektroangebot bewegen. Als Umweltorganisation ist sie dabei allerdings selbst klarer Befürworter dieser Regulierung. An der Entwicklung der Verkaufszahlen ändert das nichts.
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