Das On-Board-Video

Diesmal kein Crash: BYD-Bolide knackt 500 km/h!

Motor
06.11.2026 18:00

Gerade noch gingen die Bilder eines spektakulär zerlegten Yangwang U9 Xtreme durchs Netz, da meldet BYD Vollzug: Der chinesische Elektro-Supersportwagen hat als erstes Serienauto die 500-km/h-Marke durchbrochen. Der neue Rekord liegt bei exakt 503,17 km/h.

Vor wenigen Tagen sah man einen Yangwang U9 Xtreme noch in Trümmern liegen, nachdem er an einer Leitplanke zerschellt war. Bei dem Hochgeschwindigkeitsunfall auf einer chinesischen Teststrecke war die Hinterachse abgerissen, der Drei-Millionen-Dollar-Bolide war geradezu zerfetzt. Nur die Fahrgastzelle hielt den Belastungen stand – der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Die Bilder gingen um die Welt.

Der Yangwang U9 Xtreme kommt auf eine Motorleistung von über 3000 PS.
Der Yangwang U9 Xtreme kommt auf eine Motorleistung von über 3000 PS.(Bild: BYD)
(Bild: BYD)
(Bild: BYD)

Und jetzt das: BYD hat mit dem gleichen Modell tatsächlich die magischen 500 km/h geknackt. 503,17 km/h. Offiziell bestätigt vom Automobil-Weltverband FIA.

Am Steuer saß der deutsche Rennfahrer Marc Basseng, der bereits im September 2025 auf dem Prüfgelände in Papenburg mit 496,22 km/h einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt hatte. Diesmal ging es allerdings auf eine öffentliche Straße, bei Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

So sah der Testwagen nach dem großen Crash aus.
So sah der Testwagen nach dem großen Crash aus.(Bild: BYD)
(Bild: BYD)
(Bild: BYD)
(Bild: BYD)
(Bild: BYD)

Sieben Kilometer Vollgas
Für den Rekordversuch wurde ein zehn Kilometer langer Abschnitt der Sheikh Khalifa Bin Zayed International Road (E11) gesperrt. Die längste nutzbare Gerade misst sieben Kilometer. Bevor der 3019 PS starke Elektro-Renner losgelassen wurde, musste die Fahrbahn sorgfältig gereinigt werden. Selbst winzige Fremdkörper oder Drahtreste von den Reinigungsmaschinen hätten bei diesem Tempo fatale Folgen haben können.

Eine Armada von Kehrmaschinen reinigte die Strecke.
Eine Armada von Kehrmaschinen reinigte die Strecke.(Bild: BYD)
(Bild: BYD)

Am 31. Oktober fanden die ersten beiden Versuche statt. Mehr als 490 km/h waren zunächst nicht drin. Anschließend machten sich die Ingenieure über das Auto her. Sie vergrößerten den Anstellwinkel des Heckflügels, um mehr Abtrieb an der Hinterachse zu erzeugen, veränderten die Dämpferabstimmung und optimierten die Reifendrücke. Auch die Temperaturen von Batterie und Elektromotoren mussten vor jedem Anlauf exakt passen.

Am 1. November folgten zwei weitere Fahrten. Und beim letzten Versuch stand schließlich die ersehnte Fünf ganz vorne auf der Messanzeige: 503,17 km/h.

Das sind 6,95 km/h mehr als beim bisherigen Rekord. Klingt nach wenig, ist aber in diesem Geschwindigkeitsbereich eine gewaltige Herausforderung. Bei Tempo 503 legt ein Auto fast 140 Meter pro Sekunde zurück. Für einen Kilometer braucht es gut sieben Sekunden.

Kurios ist dabei die zeitliche Abfolge: Der Rekord war bereits am 1. November gefahren worden. Erst tags darauf wurden die Bilder des Unfalls in China veröffentlicht, dessen genauer Zeitpunkt zunächst unbekannt blieb. Die offizielle Erfolgsmeldung folgte am 6. November. Nennen wir es geschicktes Marketing.

Zwei Weltrekorde – mit einer Einschränkung
Für den neuen Bestwert hat der Yangwang U9 Xtreme gleich zwei Einträge bei Guinness World Records erhalten: als schnellstes Serienauto und als schnellstes elektrisches Serienauto bei einer Fahrt in nur einer Richtung.

Das ist eine wichtige Einschränkung. Bei klassischen Geschwindigkeitsrekorden werden häufig zwei Fahrten in entgegengesetzter Richtung durchgeführt und die Geschwindigkeiten gemittelt, um etwa Wind- und Steigungseinflüsse auszugleichen. Einen solchen Durchschnitt hat BYD in Abu Dhabi nicht ermittelt. Der entsprechende Rekord des SSC Tuatara mit rund 455 km/h aus dem Jahr 2021 bleibt daher bestehen.

Die erreichten 503,17 km/h sind dennoch eine bemerkenswerte technische Leistung. Und sie wurden unabhängig überprüft.

Mehr als 3000 PS aus vier Elektromotoren
Der Yangwang U9 Xtreme ist eine radikal weiterentwickelte Version des chinesischen Elektro-Supersportwagens U9. Vier Elektromotoren mit jeweils bis zu 555 kW entwickeln zusammen 2220 kW, also rund 3019 PS. Die Motoren drehen bis zu 30.000 Touren, das elektrische System arbeitet mit einer Spannung von 1200 Volt.

Die eigens entwickelte 80-kWh-Batterie muss enorme Ströme liefern können. Eine aufwendige Kühlung soll verhindern, dass die Leistung wegen zu hoher Temperaturen gedrosselt werden muss. Dazu kommen ein aktives Fahrwerk und speziell entwickelte Hochgeschwindigkeitsreifen von Giti.

Die ganze Technik gibt es übrigens auch zu kaufen, sofern man das nötige Kleingeld mitbringt und überhaupt eines der weltweit nur 30 geplanten Exemplare ergattert. Rund drei Millionen Dollar werden für den U9 Xtreme verlangt.

Damit hat BYD jetzt einen Rekord, auf den auch die etablierten Supersportwagenhersteller nicht so schnell eine Antwort haben dürften. Bugatti, Koenigsegg und Co. müssen sich jedenfalls an einer neuen Zahl orientieren.

Und ausgerechnet ein Elektroauto hat sie aufgestellt. Ganz ohne Verbrennerlärm, dafür mit einem ziemlich lauten Ausrufezeichen.

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