Aus dem Nichts

So bringt Newcomer Cupra den VW-Konzern vorwärts

Motor
13.06.2026 05:00

Cupra schafft, woran andere gnadenlos scheitern: Erfolg mit einer aus dem Nichts erschaffenen Marke, die eigentlich „niemand gebraucht hat“ - wie sogar Vorstand Sven Schuberth im „Krone“-Interview (siehe Video oben) zugibt. Dabei ist das alles erst der Anfang. Zurück zum Start geht’s nur auf der Rennstrecke …

… und zwar Runde für Runde bei Kundenevents wie den Cupra Performance Days, welche Cupra mit dem Kooperationspartner Red Bull Ring veranstaltet und wo auch gerne ein echter Rennwagen, der Cupra Leon VZ TCR für Taxifahrten eingesetzt wird.

Cupra Leon VZ TCR
Cupra Leon VZ TCR(Bild: Cupra)

Das alles schafft Glaubwürdigkeit für eine Marke, die sich als wild und rebellisch inszeniert. Vor acht Jahren als Ableger von Seat gestartet rangiert sie mittlerweile oberhalb von VW – mit deutlichem Zug Richtung Audi. Derzeit herrscht noch jugendlicher Respektsabstand zu den Ingolstädtern, schließlich liegt der Altersschnitt der Cupra-Kunden bei nur gut 40 Jahren. Als sie geboren wurden, hatten die meisten Audi-Kunden wohl bereits einen Führerschein.

Der Cupra Formentor VZ5 auf dem Red Bull Ring – Abt Sportsline bietet sogar ein Tuning auf 450 ...
Der Cupra Formentor VZ5 auf dem Red Bull Ring – Abt Sportsline bietet sogar ein Tuning auf 450 PS an.(Bild: Cupra)

Doch die glühendsten Fans der Marke sind derzeit noch zu jung für ein eigenes Auto, sagt Timo Sommerauer, Brand Direktor von Cupra und Seat in Österreich. Sie kriegt Cupra über Gaming und andere Aktivitäten, die eine „Cupra Tribe“ erzeugen. Wenn sie erst entsprechenden beruflichen Erfolg haben, könnte es sogar für Audi eng werden.

Das Cupra-Logo hat nicht zufällig „Tribal Style“.
Das Cupra-Logo hat nicht zufällig „Tribal Style“.(Bild: Cupra)

Vergangenheit als Klotz am Bein
Die etablierten Marken haben es nicht immer und nicht überall leicht. Audi hat in China einen Ableger mit dem Namen A U D I eingeführt, der auf die berühmten vier Ringe verzichtet, um junge Chinesen nicht mit Heritage abzuschrecken. Seat als traditionelle Automarke und Cupra-Mutter muss auf lange Sicht sogar ums Überleben bangen. Aber Totgesagte leben manchmal länger, in diesem Fall als Einstiegsmarke mit günstigen Fahrzeugen, quasi als Dacia-Pendant im Volkswagen-Konzern – was Schuberth im Gespräch (siehe oben) zwar so nicht bestätigt, aber doch mit einem verschmitzten Lächeln quittiert.

Vorstand Sven Schuwirth: „Ohne Cupra hätte der ganze Konzern nicht so viele Kunden.“
Vorstand Sven Schuwirth: „Ohne Cupra hätte der ganze Konzern nicht so viele Kunden.“(Bild: Cupra)

Die fehlende Heritage, also Geschichte, der Marke Cupra sieht er als Vorteil. Wer keine Vergangenheit hat, kann seine Zukunft unvorbelastet und frei gestalten. Vielleicht ist das das Problem der Marke DS Automobiles, die so gar nicht im Markt einschlagen will. Vielleicht fehlt auch nur ein schlüssiges Konzept.

Ein solches hat Cupra. Sie machen Eroberung zum Sport – und erobern neue Kunden mit ihrem sportlichen Auftritt: „Ohne Cupra hätte der ganze VW-Konzern nicht so viele Kunden. Zwei Drittel der Cupra-Kunden kommen von außerhalb. Wir sind eine Eroberungsmarke“, erklärt Schuwirth. „Wir schauen uns die Alternativerwägungen genau an: Wenn es Cupra nicht gäbe, würden sie zu einem Wettbewerber gehen.“

Der Cupra Raval Vz: Fahrspaß mit Style und Elektroantrieb
Der Cupra Raval Vz: Fahrspaß mit Style und Elektroantrieb(Bild: Cupra)

Fahrspaß und Style – Cupra ist Charaktersache
Auch das ist ein Erfolgsgeheimnis: Cupra nimmt den anderen Konzernmarken kaum Kunden weg, die Autos sind in ihrem Auftritt sehr eigen. Cupra-Fahrzeuge sind schon mal prinzipiell tiefergelegt. „10 Millimeter. Was bei den anderen Konzernmarken das Sportfahrwerk ist, ist bei uns Standard. Sogar Modelle wie Cupra Raval VZ und VW ID.Polo GTI, die als direkte Konkurrenten aufeinandertreffen, sind in ihrem Charakter so unterschiedlich, dass sie einander nicht wehtun. 

Auch die Fahrwerksabstimmung soll unterschiedlich sein. Bisher konnten wir die beiden noch nicht vergleichen, der Raval VZ machte auf dem Handling-Kurs des Red Bull Rings bei strömendem Regen jedoch eine ausgesprochen gute Figur. Gefühlvolle, direkte Lenkung, Bremsen mit den gleichen Eigenschaften und Systeme, die angenehm unaufdringlich regeln. Das ESC ist abschaltbar, doch im Regen ist für sportliche Fahrer ESC Sport die beste Option, weil die angetriebenen Vorderräder mit 226 PS bzw. 290 Nm sonst schwer zu bändigen sind. Für den vollen Fahrspaß fehlt nur ein klassischer Handbremshebel.

Fünfzylinder für große Emotionen
Einerseits ist Cupra unter den beiden spanischen VW-Marken die einzige, die reine Elektroautos hat. Andererseits spricht sie echte Petrolheads an: Gerade ist eine weitere Serie des Cupra Formentor VZ5 angelaufen. 4000 Stück mit Audis legendärem Fünzfzylindermotor unter der Haube, der mit jedem Gasstoß Gänsehaut produziert. Bis Anfang 2027 werden sie gebaut, dann ist Schluss. Dass er mit 390 PS deren zehn weniger hat als der Audi RS3 – geschenkt. Schade nur, dass beide Marken den Motor einstellen.

Fünf Zylinder, 390 PS: der Cupra Formentor VZ5
Fünf Zylinder, 390 PS: der Cupra Formentor VZ5(Bild: Cupra)

Mit dem VZ5 waren wir wieder mal auf dem Red Bull Ring unterwegs, im strömenden Regen. Schnell, denn Fahrwerk und Lenkung sind angenehm transparent. Das ESC ist abschaltbar, jedoch spricht nichts dagegen, für sicheren Fahrspaß das ESC auf Sport zu lassen und den Drift-Modus zu aktivieren. So findet der Allradantrieb seine Bestimmung. Als beinahe noch spaßiger erwies sich der Cupra Leon Kombi – nur leider ohne den Ohrenschmaus.

Neue Batteriefabrik und Recycling
Doch bei den Spaniern geht es nicht nur um Fahrspaß, sondern auch um ganz vernünftige Dinge. Gerade wurde am Standort Martorell eine Batteriemontagefabrik eröffnet, das Recycling von Altautos (im Circular Economy Hub in Zona Franca) läuft bereits und in absehbarer (wenn auch noch nicht festgelegter) Zeit soll in Spanien auch eine Fabrik zum Reycling von Antriebsbatterien entstehen. Große Pläne, die für den ganzen Konzern relevant sind.

Wie geht es mit Seat weiter?
Anfang des Jahres wurden die überarbeiteten Ibiza und Arona eingeführt. 2028 bekommt der Leon einen Vollhybridantrieb. Mit Elektroantrieb wird es vorerst keinen Seat geben. Immerhin Plug-in-Hybride, damit Seat zumindest einigermaßen in die Zeit passt. Auf lange Sicht – über das Jahr 2030 hinaus – will sich Schuwirth nicht auf einen Plan für Seat festlegen lassen.

Und die Chinesen?
Cupra macht im Prinzip das Gegenteil der vielen chinesischen Marken, die zumeist kein geschärftes Markenbild haben, aber viel Auto für günstiges Geld anbieten. Auch das ist ein Trend am Automarkt: Bei vielen Kunden verlieren traditionelle Marken an Bedeutung. Das ermöglicht den derzeitigen Erfolg vieler Marken aus dem Reich der Mitte.

Ein Vorbild, nicht nur im Konzern
Und doch zieht Cupra mit einer sehr geschärften (wenn auch nicht traditionellen) Marke durch. Die Bedeutung dieses Erfolgs sieht Vorstand Sven Schuwirth sogar global: „Das ein schönes Modell, nicht nur für die Automobilindustrie, dass wir es in Europa schaffen können, wenn wir die richtigen Köpfe zusammenbringen.“ Ein tragfähiges Rezept gegen die neue Konkurrenz aus Fernost: anbieten, was Kunden wirklich wollen. Dieses Jahr peilt Cupra einen Marktanteil von vier Prozent an. Der kleine Stromer Cupra Raval hat gerade die wohl erfolgreichste Markteinführung hingelegt, die es jemals im VW-Konzern gegeben hat. Offiziell wollen sie sich noch gar nicht ausmalen, wo das noch hinführen soll. Vermutung: vorwärts, nicht im Kreis.

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