Es hat erstaunlich lange gedauert. BMW verkauft den X7 seit 2018, Mercedes den GLS sogar noch länger. Jetzt zieht auch Audi nach – und zwar mit einem Auto, das größer ist als alles, was die Ingolstädter bisher gebaut haben.
Der neue Q9 markiert den Einstieg Audis in die Klasse der Full-Size-SUVs und soll die Lücke zu Mercedes-Maybach, BMW X7 und Range Rover schließen. Technisch basiert er auf der PPC-Plattform (Premium Platform Combustion), einer Weiterentwicklung der unter anderem beim aktuellen Q7 genutzten MLB-Architektur.
Mit 5,31 Metern Länge, 2,21 Metern Breite und einem Radstand von 3,14 Metern ist der Q9 tatsächlich ein Gigant. Die Räder messen bis zu 23 Zoll. Erstmals kommen gebogene digitale OLED-Heckleuchten zum Einsatz, die nicht nur schicker aussehen sollen, sondern durch ihre dreidimensionale Form auch aus flacheren Winkeln besser sichtbar sind. Ergänzt wird das Lichtpaket durch Projektionen auf die Fahrbahn – etwa beim Blinken oder als Warnung für andere Verkehrsteilnehmer.
Der Q9 ist in den Ausführungen advanced line und S line erhältlich (nicht SQ9!), die sich optisch deutlich voneinander unterscheiden. Die advanced line setzt auf Flächen mit zurückhaltenden Details und vertikale Streben im Singleframe-Grill. Die S line-Ausführung trägt dicker auf, mit einem markanteren Grill, einer stärker hervorgehobenen unteren Frontpartie und einem akzentuierten Heckspoiler.
Platz für sechs bis sieben
Serienmäßig bietet er Platz für sieben Personen, alternativ gibt es sechs Einzelsitze – inklusive Business-Class-Ambiente in der zweiten Reihe. Elektrisch verstellbare Einzelsitze, automatische Türen und das größte Panorama-Glasdach, das Audi je verbaut hat, sollen den Unterschied zum kleineren Q7 deutlich machen.
Überhaupt scheint Audi den Innenraum zur neuen Königsdisziplin erklärt zu haben. Autos werden zunehmend zu „mobilen Lebensräumen“, sagen die Ingolstädter – und verpassen dem Q9 Noise Cancelling und ein 4D-Soundsystem von Bang & Olufsen mit 22 Lautsprechern und Aktuatoren in den Sitzen, dazu aufwendige Ambientebeleuchtung und natürlich Sitze mit Massage-, Heiz- und Lüftungsfunktion.
Verbrenner sorgt für Vortrieb
Unter der Haube startet zunächst ein 299 PS und 630 Nm starker Dreiliter-V6-TDI mit Mildhybridtechnik. In ausgewählten europäischen Märkten bietet Audi zusätzlich eine Variante mit 245 PS und 500 Nm an.
Trotz seiner Größe soll der Q9 dank elektrifiziertem Verdichter, Luftfederung, Allradlenkung und permanentem Allradantrieb erstaunlich agil unterwegs sein. Weitere Motorisierungen dürften folgen.
Mit einem Einstiegspreis von rund 139.000 Euro macht Audi kein Hehl daraus, wen man im Visier hat. Der Q9 ist kein Familien-SUV, sondern ein Luxusmodell für Kunden, denen ein Q7 bislang zu klein oder zu gewöhnlich war.

Interessant ist aber vor allem die strategische Bedeutung des Q9. Während Audi in den vergangenen Jahren vor allem über Elektromobilität sprach, erweitert die Marke ihr klassisches SUV-Angebot nach oben. Dass ausgerechnet jetzt ein Full-Size-SUV erscheint, zeigt: In diesem margenstarken Segment sieht Audi nach wie vor großes Potenzial – insbesondere in Nordamerika, China und den Märkten des Nahen Ostens. Gebaut wird der Q9 in Bratislava.
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