Es sind keine leichten Zeiten für Porsche. Und doch gibt es etwas zu feiern in Zuffenhausen: Vor 50 Jahren debütierte das erste Transaxle-Modell – also mit Motor an der Front, Getriebe und Antrieb im Heck. Der 924 begründete eine ganze Ära, die bis 1995 die legendären 944, 928 und 968 hervorbrachte. Dabei war er eigentlich aus der Not geboren. Es könnte beispielhaft für Porsches aktuelle Situation sein…
Denn in der Ölpreiskrise der 1970 brauchte es ein günstigeres Modell als den 911, außerdem fehlte nach dem Auslaufen des 914 eine Basis. Ein Glück, dass VW ein gemeinsames Projekt mit Transaxle-Bauweise 1974 einstellte und Porsche die Rechte daran übernehmen konnte.
Da war das Auto fast schon serienreif – und konnte bereits 1976 auf den Markt gebracht werden. Mit jeder Menge VW-Teilen, bei Audi in Neckarsulm gefertigt, es klang nach verkehrter Welt für eingefleischte Porsche-Fans.
Doch die Argumente der Transaxle-Bauweise sprechen für sich: Der 911 mit Heckmotor war damals selbst für Könner nicht ungiftig. „Beim 911er musstest du die Kurve exakt fahren, hier kannst du nachbessern, die Gewichtsverteilung ist vorne und hinten fast gleich“, erklärt uns Roland Kussmaul, während er den Porsche 968 im Rahmen einer Ausfahrt rund um das Museum Stuttgart um die Ecken scheucht.
Kussmaul nahm einst u.a. an der Rallye Monte Carlo und Paris-Dakar teil, leitete später als Ingenieur die Entwicklung des Porsche Carrera GT. Sogar mit 82 Jahren setzt er sich noch auf seine Enduro-Maschine. Und erzählt uns Anekdoten über Porsche und seinen Kumpel Walter Röhrl. Echte Legenden. Wie mittlerweile jedes der Transaxle-Modelle...
Klappscheinwerfer für 200 km/h
Wir steigen um in den 924, schlichten unsere Beine unter das tief sitzende Lenkrad, dürfen die Dinge selbst in die Hand nehmen: Der 2-l-Vierzylinder mit seinen 125 PS will bei Laune gehalten werden, vier Gänge müssen dafür reichen, bei der Kurvenneigung könnten Zartbesaitete heutzutage Seekrank werden. Aber: Mit seinen gerade einmal 1080 kg macht der 924 noch immer Spaß. Und das aerodynamische Design mit den Klappscheinwerfern machte 200 km/h Spitze möglich! Vor 50 Jahren noch eine echte Ansage.
Psychodelische Zielflagge
Als die Ölpreiskrise ausgestanden war, präsentierte Porsche 1981 den 944, der oberhalb des 924 angesiedelt war. Muskulöser, mit fünf Gängen und 163 PS aus einem neu entwickelten Porsche Motor. Das spüren wir auch, als wir 45 Jahre nach dessen Präsentation hinter dem Steuer Platz nehmen, in den Sitzen mit dem psychodelisch wirkenden „Pascha“-Bezügen.
Das schwarz-weiße Muster sollte eine wehende Zielflagge darstellen. Der 944 ist laut, rau, das schlanke Lenkrad will optisch nicht zum dicken Pralltopf passen. Allerdings bietet der Traum vieler Kinder der 1980 schon ein bisschen Komfort wie elektrische Fensterheber.
911-Nachfolger aus der Zukunft
Wirklich komfortabel fühlt sich bis heute der 928 an, der 1977 wie aus der Zukunft zu kommen schien. Die runden Scheinwerfer klappen aus der langen Motorhaube, die Porsche-Leute tauften sie einst liebevoll „Ritterhelme“. Dazwischen sitzt ein 5,4-l-V8-Motor mit 240 PS.
Das Topmodell GTS mit 350 PS ist mit 275 km/h Spitze bis heute auf der deutschen Autobahn ernst zu nehmen. Im kurvigen Geläuf der Schwäbischen Hall fühlt sich der 2+2-Sitzer mit dem langen Radstand und schwerem Motor nicht besonders wohl. Er ist eher ein Gran Turismo als Sportwagen. So wurde es nichts mit der geplanten Ablöse des 911…
Abschied nach 400.000 Autos
Stattdessen folgte 1995 der Abschied von der Transaxle-Bauweise. Nach 400.000 verkauften Autos. Eine Erfolgsgeschichte, sogar heute gibt es in Österreich noch 1806 Stück. Der 968 war das vierte und letzte Modell dieser Ära. Er übernahm die „Ritterhelme“ des 928, durfte ab 1991 den 944 ersetzen, mit seinem 3-l-Vierzylinder mit 240 PS bildete er damals den Einstieg in die Porsche-Welt unterhalb des 911.
Ein solcher fehlt Porsche nach Auslaufen des 718. Ein Nachfolger könnte vielleicht so revolutionär wie der aus der Not geborene 924 sein: Eigentlich sollte der nächste Einsteiger-Porsche rein elektrisch sein, nun dürfte doch noch ein Verbrennungsmotor einziehen.
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