Die erste Fahrt des neuen vollautomatischen ÖBB-Busses am Gelände des Wiener Westbahnhofs war in Wahrheit der verdeckte Startschuss für den Weg zu „Roboter-Öffis“ in ganz Österreich. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) und die ÖBB sind sich einig: Schon in zwei Jahren sollen sie zum Straßenbild gehören.
Die erste Fahrt des neuen vollautomatischen ÖBB-Busses der türkischen Firma Otokar am Gelände des Westbahnhofs wird zugleich für einige Zeit die letzte in Wien gewesen sein, denn zum Einsatz kommen soll er zuerst beim Tiroler Forum Alpbach und im Vorarlberger Industriegebiet Wolfurt, wo die ÖBB Hausrecht haben. Fahrten in diesem „geschützten Bereich“ sollen aber nur der Startschuss für österreichweite „Roboter-Öffis“ sein.
Fahrer nur noch Aufpasser – und auch das nicht mehr lange
Der Fahrer saß bei der Premiere nur als Aufpasser hinter dem Lenkrad und berührte es nicht, während der Bus – unter anderem mit Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ), ÖBB-Chef Andreas Matthä, Otokar-Verantwortlichem Kerem Erman und dem türkischen Botschafter Gürsel Dönmez an Bord – zeigte, dass er eine geplante Route abfahren, an den richtigen Stellen halten und ungeplanten Hindernissen wie am Straßenrand geparkten Autos und Fußgängern ausweichen kann.


Hanke will auf die Busse dort setzen, „wo keine U-Bahn mehr hinkommt, wo der Bus nicht mehr so groß sein muss“. Dabei will er aber Tempo machen: Eine neue Verordnung soll es schon ab September rechtlich möglich machen, dass Fahrer nur noch in Notfällen in die Fahrt eingreift, und in rund zwei Jahren soll die Zeit für komplett fahrerlose Öffis reif sein. Das sei „eine gute Nachricht für alle, die in entlegeneren Gegenden wohnen“, so Hanke.
Roboter-Öffis „werden wichtiger als herkömmliche Autos“
Die Technik halten alle Beteiligten inzwischen für ausgereift. Das langsame Einschleifen der Roboter-Öffis ist laut Matthä vor allem nötig, „weil es Schritt für Schritt auch Gewöhnung der Passagiere braucht“. Autonomes Fahren sei „die Zukunft, aber sie ist schon da“. Otokar-Manager Erman glaubt, selbstfahrende Öffis „werden wichtiger als herkömmliche Autos. Sie haben spürbare Vorteile für Bürger, denn sie sind klein, leise, verfügbar und sicher.“
Es wird dauern, bis die Bevölkerung diesen Fahrzeugen vertraut. Aber wir wollen zum Regelbetrieb, und nicht nur mit einem Bus, sondern mit einer Flotte.

Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ)
Bild: Zwefo
Betont wurde etwa, dass man keine Angst vor Hackern haben müsse: Alle sicherheitsrelevanten Fahrentscheidungen trifft der Computer an Bord des Busses ohne Anbindung an externe Rechnernetze. Die Software der Fahrzeuge wiederum wird vom Hersteller für die jeweiligen Einsatzgebiete und die geltenden Verkehrsregeln adaptiert, oder wie Erman es formulierte: „Man kann in Wien ein Auto nicht so fahren wie in Istanbul.“
Postbus-Vorstand Alfred Loidl hat die selbstfahrenden Minibusse schon fix in sein Konzept eingetaktet. In zwei Jahren könnten 100 autonom fahrende ÖBB-Busse etwa im Rheintal in Vorarlberg oder im oberösterreichischen Zentralraum unterwegs sein. In einem zweiten, ferner liegenden Schritt sollen – die nötigen Budgetmittel vorausgesetzt – die Busse die Unterversorgung beim öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum lindern. Allein der Wiener Verkehr stellt indes sicher: Hier werden die Öffis am längsten menscheln.
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