27.09.2019 06:00 |

Keine Lösungen

Bei der Pflege lässt uns die Politik allein

Beim Blick in die Gesundheitszukunft sehen die Österreicher vor allem eines: Nur wer Geld hat, wird es sich leisten können, gesund und in Würde alt zu werden. Lösungen von der Politik gibt es bis jetzt nicht.

Sechs Monate warten auf einen Termin beim Augenarzt, drei Monate warten auf ein MRT (Magnetresonanztomografie): Wer keine private Krankenversicherung hat, der muss schon manchmal Geduld aufbringen, bis er sich untersuchen lassen kann. Während die Zahl der Privatärzte stetig steigt, stagniert die der Kassenärzte. Ende 2018 waren 129 Stellen unbesetzt. Besserung ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Bis in zehn Jahren erreichen 55 Prozent der 7099 österreichischen Kassenärzte das Pensionsalter.

Kein Wunder also, dass sich die 1500 Österreicher in unserer „Krone“-Umfrage Sorgen um ihre gesundheitliche Zukunft machen. 64 Prozent sind der Meinung, dass sich bald nur noch wirklich gut verdienende Menschen eine gute medizinische Versorgung werden leisten können. Je jünger die Befragten sind, umso größer ist die Angst vor einer Zweiklassenmedizin: Liegt der Wert bei den 30- bis 49-Jährigen bei 68 Prozent, sind es bei den Über 70-Jährigen nur noch 58 Prozent.

Menschen mit hohem Einkommen - also jene, die sich die private Versorgung ohnehin leisten können - sehen dem Thema entspannter entgegen (53 Prozent). Über alle Schichten und Gruppen verbindend ist die Meinung zum Rauchverbot in der Gastronomie: Sieben von zehn Österreichern wollen es dabei belassen, bei jenen mit höheren Bildungsabschlüssen sind es sogar acht von zehn.

Noch größer als um die fehlende medizinische Versorgung ist die Angst, dass wir uns die Pflege älterer Menschen in Zukunft nicht mehr werden leisten können. 77 Prozent fordern die Politik dazu auf, Maßnahmen für ein Altern in Würde zu setzen. Bei Menschen mit hohem Bildungsabschluss oder hohen Einkommen, bei Tirolern und Vorarlbergern sowie bei Großstädtern stimmen weit über 80 Prozent der Forderung zu. Auf dem Land und bei niedrigeren Einkommensschichten machen sich immer noch sieben von zehn Befragten Sorgen, dass Österreich sich die Pflege ohne zusätzliche Maßnahmen nicht mehr lange wird leisten können.

Aus unserem Umfrage- Schwerpunkt „Soziales und Gesundheit“ geht hervor, dass vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen den kommenden Jahren skeptisch entgegenblicken. Das Wissen, dass sowohl Gesundheits- als auch Pensionssystem in Österreich nicht zukunftsfit gestaltet sind, ist breit vorhanden. Beim einen oder anderen Politiker, so zeigt unser Fragebogen, fehlt hingegen das Problembewusstsein ...

Faktencheck

  • Bei den Ausgaben für Gesundheit auf Platz 3
    2017 gab Österreich 10,4 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für die Gesundheit aus. Das ist der dritthöchste Wert innerhalb der EU, nur Deutschland und Schweden übertrumpfen uns. Insgesamt sind es rund 40 Milliarden Euro pro Jahr, die in das System fließen. Der Großteil davon (38 Milliarden Euro) sind laufende Kosten, der Rest Investitionen.
  • Krone-TV konfrontiert die Kandidaten mit der Studie
    Gerade hat Krone.tv-Moderatorin Damita Pressl die SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in der Serie „Wir wollen’s wissen“ mit den Anliegen der Österreicher konfrontiert - schon folgt Grünen-Chef Werner Kogler. Die Gespräche - auch mit den anderen Kandidaten - gibt es auf HIER zu sehen.
  • Bis 2050 dreimal so hohe Pflegekosten
    4,7 Milliarden Euro kostet die Pflege Bund und Länder zurzeit. Das ist doppelt so viel wie zur Jahrtausendwende. Bis 2050 könnten es 14 Milliarden Euro - also das Dreifache - sein, so Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstitutes WIFO.
  • 85 Prozent werden zu Hause betreut
    Die Pflegegeld-Stufen reichen von 157,30 Euro pro Monat bis 1688,90 Euro. Ab 2020 wird es automatisch jährlich angehoben. Das kostet alleine im ersten Jahr 50 Millionen Euro. 461.000 Österreicher beziehen Pflegegeld, 85 Prozent werden zu Hause betreut.

„Krone“-Serie zur Wahl - Teil 12 von 12: „Was bewegt unser Land wirklich?, hat die „Krone“ gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Integral gefragt. 1500 Menschen über 14 Jahre aus allen Bundesländern haben in der repräsentativen Studie geantwortet. In den Tagen bis zur Wahl präsentieren und analysieren wir täglich die Themen, die Österreich bewegen. Von sozialer Gerechtigkeit über Sicherheit und Migration bis hin zu Arbeitswelt und Klimawandel ist von allem etwas dabei. Außerdem konfrontieren wir die Spitzenkandidaten der Parteien mit den Ergebnissen und fragen sie nach ihren Lösungen. Im zwölften Teil geht es um die Themen Pflege und Gesundheit.

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Alexandra Halouska und Theresa Spari, Kronen Zeitung, und krone.at

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