31.08.2019 06:00 |

Stabilisierung 2060

Pensionssystem: „Sicher, wenn wir bis 67 arbeiten“

Während sich alle nach der De-facto-Einigung über die Pensionen zufrieden zurücklehnen, hat der Wirtschaftsforscher Tobias Thomas (EcoAustria) nachgerechnet, wie stabil unser Pensionssystem überhaupt ist.

Zuerst die gute Nachricht: Für Panik ist kein Anlass, kleinere Reformschritte haben es zuletzt etwas stabiler gemacht. Aber, und das ist die weniger erbauliche, doch umso ehrlichere Nachricht: Wenn das Pensionssystem nachhaltig abgesichert sein soll, dann wird es nicht gehen, dass wir weiterhin so frühzeitig in Pension gehen. Tobias Thomas zur „Krone“: „Es gibt drei Möglichkeiten, wie das Pensionssystem auf den demographischen Wandel, also auf das Älterwerden der Bevölkerung, reagieren kann: Entweder die Pensionsbeiträge anheben, was sicher nicht erwünscht ist, oder die Leistungen vermindern, was ebenfalls nicht Ziel sein kann - bleibt als dritte Möglichkeit nur, dass wir alle länger arbeiten.“

Pensionsantrittsalter müsste angehoben werden
Die Prognoserechnung ist klar. Thomas: „Derzeit beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 82 Jahre, bis zum Jahr 2060 wird sie auf 88 Jahre ansteigen. Um das bei den Pensionen auszugleichen, müsste das gesetzliche Pensionsantrittsalter um zwei Jahre bis dahin angehoben werden. Also für Männer auf 67 Jahre statt wie derzeit 65 Jahre. Und zwar bis zum Jahr 2060, das ist also eine ausgesprochen milde Reform, die zumutbar erscheint.“

Auch Frühpensionierung betroffen
Aber gehen die Leute jetzt nicht schon viel früher als mit 65 Jahren in den Ruhestand? Thomas: „Auch diese Frühpensionierungen müssten um zwei Jahre verschoben werden, dann geht es sich wieder aus.“ Mehr noch, so Tobias Thomas: „Wenn das Pensionsantrittsalter noch ein bisschen mehr erhöht werden könnte, dann wären auch höhere Pensionen möglich, etwa wenn es um die Berücksichtigung der Kindererziehungszeiten geht.“

Menschen beziehen länger Pension
Es sei ein faires Ziel, dass es im Alter eine „auskömmliche finanzielle Situation“ gibt und dass auch die erbrachte Lebensleistung dabei Berücksichtigung findet. Tobias Thomas: „Weil die Menschen erfreulicherweise länger leben, beziehen sie auch länger ihre Pension, das muss finanziell abgedeckt werden - am verträglichsten durch das mäßige Hinaufsetzen des Pensionsantrittsalters.“

Sonst müsste der Staat kräftig zuschießen: Derzeit beträgt der Bundeszuschuss zu den Pensionen (ASVG, Bauern und Gewerbetreibende) knapp 9,4 Milliarden Euro, dazu kommen noch rund neun Milliarden für die Beamtenpensionen.

Offiziell lag das Pensionsantrittsalter im Vorjahr laut Pensionsversicherungsanstalt für Männer und Frauen im Schnitt bei 60,4 Jahren (damit ist es niedriger als 1970 mit 61,3 Jahren!). Ein Jahr späterer Pensionsantritt würde einen Einsparungseffekt bis zu 1,7 Milliarden Euro bewirken.

Pensionssystem „muss stabil und nachhaltig sein“
Aber schnell wieder zurück von den nüchternen Zahlen zu den Empfehlungen des Wirtschaftsforschers: „Auf ein Pensionssystem wollen sich die Menschen verlassen können, daher braucht es Stabilität und muss nachhaltig sein.“

Das könnte mit den zwei Jahren längerer Lebensarbeit (bis 2060!) erreicht werden.Tobias Thomas: „Bei dem Pensionsgipfel an diesem Mittwoch hat die Finanzierung offenbar keine entscheidende Rolle gespielt, das sollte sie aber. Noch dazu, da eine milde Anpassung in kleinen Schritten möglich wäre.“

Vielleicht ist so eine Lösung nach der Nationalratswahl leichter durchsetzbar als vorher, da es - siehe die Erhöhung nach dem jüngsten Pensionsgipfel - eher um neue „Zuckerln“ für die Bürger geht

Georg Wailand, Kronen Zeitung

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