23.09.2019 06:00 |

Große „Krone“-Umfrage

Warum das Vertrauen in die Politiker fehlt

Ibiza, Einzelfälle, Schredder-Gate, davor Buwog, Hypo, der Fall Strasser: Immer wieder erschüttern Skandale unsere Republik. Kein Wunder, dass sieben von zehn Österreichern sagen: „Man kann Politikern immer weniger vertrauen.“

Politische Erdbeben gab es in Österreich schon immer. Kreisky, Waldheim, Haider – jeder sorgte ein- oder mehrmals für Skandale. Und dennoch: Nach Ibiza scheint kein Tag mehr zu vergehen ohne neue Negativ-Schlagzeilen. Sie drücken das Vertrauen in die Politik, das wird in unserer großen „Krone“-Umfrage unter 1500 Österreichern deutlich.

Sieben von zehn Österreichern finden nämlich, dass man den Politikern immer weniger vertrauen kann. Im Hypo-geschädigten Bundesland Kärnten stimmen – wenig überraschend - acht von zehn der Aussage zu. In Niederösterreich – dem Land der ewigen ÖVP-Absoluten – sind es hingegen nur sechs von zehn. Frauen (76 Prozent) sind Politikern deutlich skeptischer gegenüber eingestellt als Männer (67 Prozent).

Nicht der einzige Punkt, der den Österreichern in Sachen Politik am Herzen liegt – mit vier Plätzen ist kein anderes Thema so häufig in den Top 10 der Umfrage vertreten. Ganz weit oben steht die Forderung, dass Politik darauf achten muss, dass sich ehrliche Leistung lohnt. 86 Prozent stimmen dieser Aussage zu, bei den Über-70-Jährigen sind es 92 Prozent.

Worüber wir uns als „Krone“ besonders freuen: 85 Prozent der Befragten halten unabhängige, objektive Medien heute für wichtiger als je zuvor. In einigen Gruppen, wie Großstädtern und Über-30-Jährigen, beweist eine Zustimmung um die 90 Prozent, dass für die Österreicher die Kontrollfunktion der Medien ein Grundstein der Gesellschaft ist. Bei den Unter-30-Jährigen stimmen mit 73 Prozent zwar deutlich weniger zu. Das liegt aber daran, dass junge Menschen Informationen seltener aus klassischen Medien wie Zeitungen beziehen.

Ähnlich hoch sind die Werte, wenn es um Transparenz und Sanktionen bei den Parteifinanzen geht. Drei Viertel wollen, dass die in Zukunft vom Rechnungshof überprüft und Verstöße mit hohen Strafen geahndet werden.

Herrscht bei der Inlandspolitik Einigkeit, so gehen die Meinungen in Sachen EU auseinander: Sieben von zehn Österreichern fordern, dass wir unsere Interessen in Europa stärker vertreten. Eine ähnlich hohe Zahl will aber auch, dass die EU stärker auf die Einhaltung der Regeln in den Mitgliedsstaaten achtet. Vereinfacht: eine starke europäische Gemeinschaft – ja bitte, so lange Österreich seine eigenen Regeln hat.

Faktencheck:

  • Im Korruptionsranking sind wir weltweit auf Platz 14
    Österreich lag 2018 auf Platz 14 im Korruptionsranking von Transparency International, 2017 war es noch Platz 16. Die beste Platzierung schafften wir 2005 mit Platz 10. Die Top 3 sind Dänemark, Finnland und Neuseeland, die letzten Ränge belegen der Südsudan, Syrien und Somalia. Fehlende Transparenz ist der größte Kritikpunkt.
  • Pressefreiheit in Österreich nur mehr „ausreichend“
    In der Rangliste für Pressefreiheit rutscht Österreich ab. Zurzeit liegen wir auf Platz 16, die Situation wird von Reporter ohne Grenzen zum ersten Mal nicht mehr als „gut“, sondern als „ausreichend“ eingestuft. Grund sind persönliche Angriffe von Politikern auf Journalisten. Vor uns liegen z.B. Jamaika oder Costa Rica.
  • Rechnungshof hätte gerne mehr Rechte
    Alle Parteienmüssen dem Rechnungshof einen jährlichen Rechenschaftsbericht vorlegen, seit Juli müssen Spenden über 2500 Euro transparent gemacht werden. Kritisiert wird aber, dass der Rechnungshof keinen Einblick in die Parteibücher hat.
  • Immer weniger Vertrauen in Politik
    63 Prozent der Österreicher vertrauen laut OGM-Umfrage den politischen Parteien (eher) nicht (Frühjahr 2019). Dieser Wert lag zwar 2016 schon einmal bei 68 Prozent (Herbst 2016), sank aber zwischenzeitlich sogar auf unter 60 Prozent (Frühjahr 2018).

„Krone“-Serie zur Wahl - Teil 8 von 12: „Was bewegt unser Land wirklich?, hat die „Krone“ gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Integral gefragt. 1500 Menschen über 14 Jahre aus allen Bundesländern haben in der repräsentativen Studie geantwortet. In den Tagen bis zur Wahl präsentieren und analysieren wir täglich die Themen, die Österreich bewegen. Von sozialer Gerechtigkeit über Sicherheit und Migration bis hin zu Arbeitswelt und Klimawandel ist von allem etwas dabei. Außerdem konfrontieren wir die Spitzenkandidaten der Parteien mit den Ergebnissen und fragen sie nach ihren Lösungen. In Teil acht geht es um Politik und Gesellschaft.

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Alexandra Halouska und Theresa Spari, Kronen Zeitung/krone.at

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