18.09.2019 06:00 |

Gebühren erhöhen?

Bei der Transitflut ist Belastungsgrenze erreicht

Stundenlange Staus an den Landesgrenzen, schlechte Luftwerte in den Städten und Blechlawinen, die Tirol und Salzburg überrollen: Sechs von zehn Österreichern halten den Lkw-Verkehr für belastend. Teil drei unserer großen Serie.

Alle zehn Sekunden brettert auf der Autobahn bei Wörgl ein Lkw vorbei. Oder anders: Auf einer der am stärksten betroffenen Transitstrecken in Tirol registriert die Asfinag 9000 Lkw pro Tag. In Salzburg ist die Situation mit 6500 Schwerfahrzeugen auf der Westautobahn bei Wals kaum besser. Den Salzburgern und Tirolern reichte es heuer im Sommer: Kurzerhand schlossen die beiden zuständigen Landesräte einzelne Autobahnabfahrten, um Gemeinden vor ausweichenden Lkw zu schützen.

Unsere aktuelle „Krone“-Umfrage zeigt: Die Transport-Lawinen stinken nicht nur den betroffenen Bundesländern, auch österreichweit finden zwei Drittel, dass unser Land sich stärker gegen die Zunahme des Transitverkehrs zur Wehr setzen muss. Damit zählt die Lösung des Transitproblems zu den zehn größten Sorgen der Österreicher. Naturgemäß höher ist die Zahl in Tirol (85 Prozent) und Kärnten (79 Prozent), wo über den Brenner und die Karawanken die Blechlawine rollt. Besonders störend empfinden Menschen über 50 Jahre den Schwerverkehr (80 Prozent), bei den Unter-50-Jährigen sind es hingegen „nur“ 57 Prozent.

Doch was tun gegen die zunehmende Transitflut? Für sechs von zehn Österreichern ist klar: Nur höhere Kosten können den Lkw-Verkehr eindämmen. In Tirol und Kärnten fordern sogar sieben von zehn Befragten die Politik auf nationaler und EU-Ebene dazu auf, mit einer Maut oder eigenen Lkw-Steuern das Problem zu lösen. Jüngere stehen Verteuerungen skeptischer gegenüber als Ältere.

Große regionale Unterschiede
Der Verkehr beschäftigt die Österreicher auch abseits der Transitrouten: „Es wird zu viel Geld für den Straßenbau ausgegeben und zu wenig für den Öffi-Ausbau“, sagt die Hälfte. Spannend sind hier die regionalen Unterschiede: Während die Oberösterreicher mit 57 Prozent überdurchschnittlich viel Bedarf an mehr öffentlichen Verkehrsmitteln haben, sind die Vorarlberger mit 25 Prozent mit ihrem Netz offenbar zufriedener. Ähnlich wie die Steirer. Sie sehen mit 41 Prozent Zustimmung weniger Notwendigkeit, Gelder von den Straßen auf die Öffis umzuschichten. Auch bei den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Frauen legen mehr Wert darauf, stärker in Bus und Bahn zu investieren (53 Prozent), als Männer (42 Prozent).

Faktencheck

  • In Wien parkt man im internationalen Vergleich günstig? Österreichweit hat Wien in Sachen Parkgebühren mit 2,10 Euro pro Stunde die Nase vorne, dicht gefolgt von Graz mit zwei Euro. Im internationalen Vergleich ist das günstig: In London greift man mit acht Euro viermal so tief in die Tasche, Paris und München sind doppelt so teuer wie die Wiener Innenstadt. Und der New Yorker Stadtteil Manhattan hängt mit 24 Euro alle ab.
  • Kostenlose Öffis in Europa? Während man bei uns darüber diskutiert, was öffentliche Verkehrsmittel kosten dürfen, fährt man in ganz Luxemburg ab 2020 gratis mit Bus und Bahn. Auch die Öffis in der estnischen Hauptstadt Tallinn sind gratis, in Krakau und Warschau (Polen) fährt man an Tagen mit hoher Luftverschmutzung kostenlos. Im belgischen Hasselt gab es 16 Jahre lang ein Öffi-Ticket für null Euro - 2013 wurde es aufgrund der hohen Kosten für die Stadt eingestellt.
  • 218 Euro pro Österreicher für den Schienenausbau? Eine Milliarde Euro pro Jahr investiert der Straßenerhalter Asfinag in das heimische Verkehrsnetz - macht fünf Milliarden Euro auf fünf Jahre. Im selben Zeitraum bauen die ÖBB das Schienennetz um 13,9 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr flossen 218 Euro pro Österreicher in die Bahn - nur die Schweiz investiert mehr (365 Euro).

Krone-Serie zur Wahl - Teil 3 von 12: Welche Sorgen haben die Österreicher? Was bewegt unser Land wirklich?, hat die „Krone“ gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Integral gefragt. 1500 Menschen über 14 Jahre aus allen Bundesländern haben in der repräsentativen Studie geantwortet. In den Tagen bis zur Wahl präsentieren und analysieren wir täglich die Themen, die Österreich bewegen. Von sozialer Gerechtigkeit über Sicherheit und Migration bis hin zu Arbeitswelt und Klimawandel ist von allem etwas dabei. Außerdem konfrontieren wir die Spitzenkandidaten der Parteien mit den Ergebnissen und fragen sie nach ihren Lösungen. Im dritten Teil beschäftigen wir uns mit dem Verkehr.

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Teresa Spari und Alexandra Halouska, Kronen Zeitung, und krone.at

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