25.09.2019 06:00 |

Gerechtes Österreich?

Faire Chancen braucht das Land

Für unsere Politiker ist es mehrheitlich klar: Österreich ist gerecht. Weiter weg von der Volksmeinung könnten unsere Vertreter fast nicht sein: Nur ein Drittel findet, dass die Chancen in unserem Land auf alle gleich verteilt sind.

Jeder von uns hat sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt: von Eltern oder Lehrern, vom Arbeitgeber oder von Kollegen, vom eigenen Partner. Im Gegensatz zu diesen kleinen Ärgernissen steht aber die soziale Ungerechtigkeit, die ganzen Bevölkerungsgruppen Chancen nimmt, sich zu entwickeln und etwas zu erreichen. Und die ist in Österreich - zumindest gefühlt - weit verbreitet: Nur ein Drittel der 1500 Befragten unserer großen „Krone“- Umfrage hält unsere Heimat für gerecht.

Im Umkehrschluss sagen knapp zwei Drittel, dass nicht jeder die Mittel hat, um sich und seiner Familie ein halbwegs normales Leben bieten zu können. Besonders dramatisch: Je jünger die Befragten sind, umso pessimistischer sind sie. Während fast die Hälfte der Über-70-Jährigen Österreich für gerecht hält, sind es bei den Unter-50-Jährigen nur mehr 30 Prozent. Dasselbe Gefälle gibt es zwischen hohen (49 Prozent) und mittleren (30 Prozent) Einkommen. Bei Menschen mit Matura oder Uni-Abschluss glaubt nur ein Viertel, dass jeder Österreicher dieselben Chancen hat.

Mit Studien lässt sich Sorge nur bedingt belegen
Im europäischen Index für Soziale Gerechtigkeit lag Österreich zuletzt auf Platz acht, einen Platz hinter Deutschland und weit über dem europäischen Durchschnitt. Pessimistisch sind die Österreicher auch, wenn es um die Pensionen geht. Gerade einmal ein Viertel glaubt, dass das staatliche System für die heute Unter-30-Jährigen eine ausreichende Altersvorsorge bereitstellen wird.

Verheerend die Werte bei Jungen und Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen: Nur 17 bzw. 18 Prozent halten unsere Pensionen für sicher. Wer schon in der Pension ist, sieht das Thema naturgemäß entspannter: Zwei Drittel der Über-70-Jährigen machen sich keine Sorgen um die Altersvorsorge der Zukunft. Geteilt sind die Meinungen zur Mindestsicherung. Etwa die Hälfte der Befragten sagt, dass sie zu hoch ist und es keinen Anreiz mehr für Arbeitslose gibt, wieder arbeiten zu gehen. Über-50- Jährige und hohe Einkommensschichten stimmen dem mehr zu (jeweils 60 Prozent), junge Menschen (42 Prozent) und Großstädter (47 Prozent) weniger.

Faktencheck:

  • Antrittsalter und Höhe der Pension steigen stetig
    Männer gingen 2018 im Schnitt mit 61,3 Jahren in Pension, Frauen mit 59,0 Jahren. Das ist ein Anstieg um 2,6 bzw. 2,3 Jahre innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Wer im Vorjahr seine Altersruhe antrat, bekam im Schnitt 2268,40 Euro (Männer) bzw. 1292,05 Euro (Frauen) monatliche Rente - ein Plus von 42,81 bzw. 72,63 Euro im Vergleich zu 2017.
  • Interviews mit den Kandidaten zur Serie
    krone.tv-Moderatorin Damita Pressl trifft alle Spitzenkandidaten und konfrontiert sie in der Serie „Wir wollen’s wissen“ mit den Anliegen der Österreicher. Die Gespräche mit Peter Pilz, Sebastian Kurz und Pamela Rendi-Wagner gibt es HIER zu sehen.
  • In Dänemark geht es besonders gerecht zu
    Dänemark, Schweden und Finnland sind die gerechtesten Länder Europas, so der Index zur sozialen Gerechtigkeit. Darin werden 35 Kriterien bewertet - von Armut über Bildung, Arbeit, Gesundheit und Generationen. Österreich liegt auf Platz 8.
  • Eine Milliarde für die Mindestsicherung
    308.000 Bezieher der Mindestsicherung gab es im Jahresdurchschnitt 2017. 35 Prozent davon waren Kinder, 31 Prozent Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigte. Insgesamt kostete die Sozialleistung dem Staat knapp eine Milliarde Euro.

„Krone“-Serie zur Wahl - Teil 10 von 12: „Was bewegt unser Land wirklich?, hat die „Krone“ gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Integral gefragt. 1500 Menschen über 14 Jahre aus allen Bundesländern haben in der repräsentativen Studie geantwortet. In den Tagen bis zur Wahl präsentieren und analysieren wir täglich die Themen, die Österreich bewegen. Von sozialer Gerechtigkeit über Sicherheit und Migration bis hin zu Arbeitswelt und Klimawandel ist von allem etwas dabei. Außerdem konfrontieren wir die Spitzenkandidaten der Parteien mit den Ergebnissen und fragen sie nach ihren Lösungen. Im zehnten Teil geht es um die Themen Soziales und Pension.

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Alexandra Halouska, Theresa Spari, Kronen Zeitung/krone.at

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