17.09.2019 06:00 |

Studie bestätigt:

Weiterhin große Sorge wegen Migration

Drei Viertel der Österreicher befürworten die weitere Aufnahme von Flüchtlingen in die EU nur dann, wenn die Verteilung geklärt ist. Auch in Sachen Integration sehen viele Befragte grundsätzlich Nachholbedarf. Das ergab die aktuelle „Krone“-Studie. Teil zwei unserer großen Serie.

„Ich habe immer gesagt, unsere Migrationspolitik ist auch human. Wir werden niemanden ertrinken lassen.“ Mit diesem Satz und einer neuen Zahl ließ der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) am vergangenen Freitagabend aufhorchen. 25 Prozent - so viele Flüchtlinge will Deutschland von Italien aufnehmen. Konkret geht es um jene Migranten, die nach einer Seenotrettung anlanden. Noch am 23. September wollen sich Frankreich, Deutschland, Italien und Malta auf eine vorläufige Quotenregelung zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa einigen. Im Oktober soll der Vorschlag dem Europäischen Rat vorgelegt werden.

Bei Flüchtlingsaufnahme bremsen
Damit wäre nicht nur eines der größten Sprengstoffthemen in der Union vom Tisch - sondern auch eine der wichtigsten Forderungen der Österreicher. Das bestätigt unsere aktuelle „Krone“-Umfrage: Drei Viertel der Österreicher sagen, dass erst dann weitere Flüchtlinge in der EU aufgenommen werden sollen, wenn die Verteilung auf die 28 Mitgliedsstaaten geklärt ist. Allerdings überwiegt hier nach wie vor die Skepsis. 86 Prozent der krone.at-User (Stand 16.9., 19 Uhr; 47.450 Teilnehmer) gaben bei unserer Frage des Tages am vergangenen Sonntag an, dass sie trotz deutschem Vorstoß nicht an eine bessere Migranten-Verteilung in Europa glauben.

Zu wenig Kontrolle über Migration
Auch das Thema Grenzschutz ist hierzulande noch immer ein heißes Eisen. Nur vier von zehn Befragten sind der Meinung, Österreich habe die Kontrolle darüber, wer zu uns ins Land kommt. Besonderes Vertrauen in die Grenzkontrollen hat übrigens die Generation 70+: Hier gaben 57 Prozent an, die Lage sei gut im Griff. Anders als die Österreicher unter 49 Jahren - hier stimmt nur ein Drittel auf die Frage zu, ob unser Land seine Grenzen schützen kann.

In Sachen Integration sehen viele Österreicher Nachholbedarf: Nur 40 Prozent meinen, dass bisher und aktuell ausreichend für die Integration von Flüchtlingen getan wurde. Vor allem Akademiker und Menschen in Ballungsräumen wie Wien und Linz fordern Investitionen und mehr Maßnahmen für Integrationsaktivitäten ein.

Faktencheck:

  • Fast ein Viertel der Österreicher hat Migrationshintergrund? Im Vorjahr lebten 2,02 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich. Das sind 23,3 Prozent der Gesamtbevölkerung und um 400.000 mehr als 2013. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde in Österreich oder einem EU-Land geboren. Gerechnet werden von der Statistik Austria Zuwanderer der ersten und zweiten Generation.
  • Zwei Drittel der Migranten haben einen Arbeitsplatz? Etwas mehr als eine Million Erwerbstätige haben Migrationshintergrund. 85 Prozent von ihnen gehören der ersten Zuwanderergeneration an, 15 Prozent der zweiten. Die Erwerbstätigenquote ist bei Menschen mit Migrationshintergrund mit 66 Prozent niedriger als die von Menschen ohne (75 Prozent).
  • Bunter Mix aus den Nachbarstaaten? Mit 281.700 Erwerbstätigen stellten Zugewanderte aus den außerhalb der EU liegenden Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens die größte Gruppe unter den Beschäftigten mit Migrationshintergrund dar. Die nächstkleinere Gruppe bildeten 149.200 Personen aus den EU-Beitrittsstaaten 2004 (z.B. Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn). Aus Rumänien und Bulgarien (EU-Beitrittsstaaten 2007) stammen 126.300, weitere 127.200 haben einen türkischen Migrationshintergrund. 2018 gab es zudem etwa 26.300 Erwerbstätige aus Afghanistan, Syrien und dem Irak.

Krone-Serie zur Wahl - Teil 2 von 12: Welche Sorgen haben die Österreicher? Was bewegt unser Land wirklich?, hat die Krone gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Integral gefragt. 1500 Menschen über 14 Jahre aus allen Bundesländern haben in der repräsentativen Studie geantwortet. In den Tagen bis zur Wahl präsentieren und analysieren wir täglich die Themen, die Österreich bewegen. Von sozialer Gerechtigkeit über Sicherheit und Migration bis hin zu Arbeitswelt und Klimawandel ist von allem etwas dabei. Außerdem konfrontieren wir die Spitzenkandidaten der Parteien mit den Ergebnissen und fragen sie nach ihren Lösungen. In Teil zwei behandeln wir diesmal die Migration.

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Alexandra Halouska und Teresa Spari, Kronen Zeitung, und krone.at

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