Tipps der Expertin

So wird Ihr Immunsystem fit für die kalte Zeit

Die Erkältungssaison steht vor der Tür und damit die Frage, wie man sich möglichst gut schützen und die Abwehrkräfte stärken kann. Viele setzen auf Vitamine oder pflanzliche Präparate. Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Steindl erklärt, warum sich ein aktives Immunsystem nicht einfach in der Apotheke kaufen lässt. 

Kaum werden die Tage kürzer und die Temperaturen kühler, beginnt die Suche nach dem schnellen Kick für die Abwehrkräfte. Mitunter sollen dann Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin C, Zink oder pflanzliche Präparate als „Wundermittel“ vor Erkältungen schützen. Doch so einfach ist es nicht. 

„Was kann ich tun, damit ich gesund durch den Winter komme? Diese Frage gehört jeden Herbst zum Praxisalltag“, berichtet die Wiener Ärztin im Fachmagazin „Ärzte Krone“. Die Antwort darauf hören viele allerdings nicht gerne: „Wer erst beim ersten Kratzen im Hals zu Vitamin C oder Zink greift, hat die wichtigste Phase der Vorbeugung bereits verpasst“, so Dr. Steindl.

Genau genommen ist die Bezeichnung „Immunsystem stärken“ irreführend. „Ziel ist weder eine möglichst starke noch eine überschießende Immunreaktion, sondern ein Immunsystem, das Krankheitserreger rasch erkennt, effektiv bekämpft und anschließend wieder in den Ruhezustand zurückkehrt“, erklärt Dr. Steindl. Diese Fähigkeit entsteht aber nicht innerhalb weniger Tage, sondern entwickelt sich über Monate und Jahre.

Die Abwehr beginnt im Darm
Eine zentrale Rolle für die Körperabwehr spielt der Darm. Dieser ist weit mehr als ein Verdauungsorgan, wie die Allgemeinmedizinerin berichtet, sondern „das größte Immunorgan unseres Körpers.“ Rund 70 Prozent der Immunzellen befinden sich in der Darmschleimhaut. Milliarden Darmbakterien stehen dort in ständigem Austausch mit Immunzellen.

Wichtigste Maßnahmen bei einer akuten Erkältung sind viel Flüssigkeitszufuhr und ausreichend ...
Wichtigste Maßnahmen bei einer akuten Erkältung sind viel Flüssigkeitszufuhr und ausreichend Schlaf.(Bild: stock.adobe.com/Andrey Popov)

Eine gesunde Darmflora hilft somit, Krankheitserreger abzuwehren und Entzündungen zu regulieren. Mit einer ballaststoffreichen mediterranen Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und fermentierten Lebensmitteln können wir dieses wichtige System unterstützen. Hochverarbeitete Lebensmittel, Zucker und Alkoholkonsum wirken sich hingegen negativ auf das Mikrobiom und die Darmbarriere aus. 

Unterstützung durch Mikronährstoffe
Mikronährstoffe können ebenfalls unsere Abwehrkräfte unterstützen. Hier möchte die Ärztin jedoch keine pauschale Empfehlung aussprechen. Vielmehr gehe es darum, einen bestehenden Mangel auszugleichen. Vitamin D ist ein bekanntes Beispiel und gehört zu den am besten untersuchten Mikronährstoffen im Zusammenhang mit dem Immunsystem.

In der dunklen Jahreszeit reichen die natürlichen Sonnenstrahlen in unseren Breiten meist aber nicht mehr aus, um unseren täglichen Vitamin-D-Bedarf zu decken. Eine Bestimmung des Vitamin D Spiegels schafft auch hier eine gute Grundlage, um eine Supplementierung gezielt und bedarfsgerecht einzusetzen.

Weiters spielt Zink für die Funktion von Immunzellen eine wichtige Rolle. „Eine Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden einer Erkältung kann deren Dauer geringfügig verkürzen. Für eine dauerhafte Hochdosis-Supplementierung gibt es jedoch keine Empfehlung“, betont Dr. Steindl.

Vitamin C als „Immunbooster“
Ähnlich sieht es bei Vitamin C aus. Regelmäßig aufgenommen, könne es die Dauer eines Infekts geringfügig reduzieren. Wer jedoch erst bei ersten Symptomen damit beginnt, sollte keine Wunder erwarten. Sinnvoller wäre eine kontinuierlich ausreichende Versorgung, wie die Ärztin weiter ausführt.

Auch Omega-3-Fettsäuren, Selen, Eisen und eine ausreichende Eiweißzufuhr können eine wichtige Rolle für eine ausgewogene Immunantwort spielen. Dr. Steindl: „Entscheidend ist die Korrektur eines Mangels, nicht die wahllose Supplementierung. Wer seinen Mikronährstoffstatus kennt, kann Versorgungslücken frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern. Eine individuell abgestimmte Supplementierung kann so bereits präventiv Defizite ausgleichen, bevor ein Mangel die normale Immunfunktion beeinträchtigt.“

Kontrollierter Stress durch Hitze oder Kälte
In sozialen Medien gelten Eisbäder und Kältekammern längst als Geheimwaffe für die Gesundheit. Während es für Saunieren sehr wohl Hinweise auf eine geringere Häufigkeit von Atemwegsinfektionen gibt, konnte dies bei Kälteanwendungen laut Dr. Steindl bisher jedoch nicht nachgewiesen werden.  

All diesen Methoden gemeinsam ist das Prinzip der sogenannten Hormesis. Dabei kommt es durch kurze, kontrollierte Stressreize zur Aktivierung von Anpassungsmechanismen im Körper.

Was hilft, wenn die Erkältung bereits da ist?
Ist der Infekt erst einmal ausgebrochen, treten symptomlindernde Maßnahmen in den Vordergrund. „Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Schlaf sind dann besonders wichtig“, so Dr. Steindl. Zink kann bei sehr früher Einnahme die Krankheitsdauer etwas verkürzen.  Auch pflanzliche Präparate – etwa mit Echinacea oder Pelargonium – werden häufig eingesetzt und könnten Symptome oder Krankheitsdauer positiv beeinflussen. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch je nach Pflanzenextrakt unterschiedlich, wie die Ärztin weiter ausführt.

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