Zulieferer warnt

Elektroautos könnten zum Wegwerfprodukt werden

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28.09.2026 09:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Elektroautos brauchen weniger Wartung als Verbrenner – für Besitzer klingt das zunächst gut. Doch mit zunehmendem Alter könnte ausgerechnet die Batterie zum Problem werden – und den Fahrzeugen ein frühzeitiges Ende bescheren.

Ein sechs oder acht Jahre altes Auto mit Motorschaden muss nicht automatisch auf den Schrott. Ein sechs oder acht Jahre altes Elektroauto mit schwerem Batterieschaden dagegen womöglich schon.

Bosch-Aftermarket-Chef Rupert Hoellbacher warnt im Branchenblatt Automobilwoche: Bleiben Reparatur und Austausch von Hochvoltbatterien zu teuer, könnten viele E-Autos deutlich früher aus dem Verkehr verschwinden als heutige Verbrenner. Ein defekter Akku komme bei einem älteren Elektroauto heute häufig einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich.

Autos könnten früher verschrottet werden
Elektroautos gelten mechanisch als vergleichsweise verschleißarm. Ölwechsel, Abgasanlage, Kupplung oder viele klassische Motorkomponenten entfallen. Trotzdem könnte ihre tatsächliche Lebensdauer sinken, wenn ein großer Batterieschaden nach Ablauf der Garantie nicht bezahlbar repariert werden kann.

Hoellbacher formuliert es ziemlich klar: Wenn es der Branche nicht gelingt, Batteriereparaturen oder einen Austausch finanziell attraktiver zu machen, werde die Lebenserwartung von Autos sinken. Das wäre aus seiner Sicht nicht nur schlecht fürs Werkstattgeschäft, sondern auch ökologisch problematisch, weil zahlreiche andere Fahrzeugkomponenten eigentlich für einen deutlich längeren Einsatz ausgelegt sind. 

Das Problem dürfte sich je nach Markt unterschiedlich auswirken. In Ländern mit niedrigen Neuwagenpreisen könnte es wirtschaftlich schnell attraktiver werden, ein acht oder neun Jahre altes E-Auto durch ein neues zu ersetzen. In Europa sieht Bosch größere Chancen für Reparatur und Werterhalt – vorausgesetzt, die Kosten stimmen. 

Bosch setzt auf Reparieren statt Tauschen
Die naheliegende Lösung wäre, nicht immer die komplette Hochvoltbatterie auszutauschen. Bosch setzt deshalb auf Reparaturkonzepte, bei denen einzelne defekte Komponenten oder Zellen ersetzt werden können. Für bestimmte Hybridmodelle existieren laut Hoellbacher bereits Verfahren, mit denen sich Batteriezellen vergleichsweise günstig tauschen lassen. Die eigentliche Herausforderung sei nun, solche Lösungen technisch breit verfügbar, wirtschaftlich interessant und für Werkstätten planbar zu machen. 

Hinzu kommt die Frage, was ein gebrauchter Akku überhaupt noch wert ist. Mehrere Anbieter können mittlerweile den Batteriezustand prüfen, um gebrauchte Elektroautos realistischer bewerten zu können. Gerade nach Ablauf der Herstellergarantie dürfte ein nachvollziehbarer Batterie-Gesundheitszustand künftig zu einem ähnlich wichtigen Wertfaktor werden wie heute Kilometerstand und Servicehistorie. 

Für Werkstätten ändert sich das Geschäft grundlegend
Hinter der Warnung steckt allerdings auch ein handfestes wirtschaftliches Eigeninteresse. Boschs Aftermarket-Geschäft lebt von Ersatzteilen, Diagnose und Werkstattausrüstung. Hoellbacher räumt ein, dass sich durch geringeren Wartungsbedarf entstehende Umsatzverluste nicht vollständig kompensieren lassen. Neue Geschäftsfelder sollen deshalb Batteriediagnose, Hochvolt-Service, Thermomanagement sowie Schulungen und Diagnosesysteme werden. 

Gleichzeitig drängen chinesische Fahrzeug- und Teilehersteller nach Europa. Bosch will sich auf die großen chinesischen Marken vorbereiten und sein Teileprogramm entsprechend ausbauen. Hoellbacher rechnet damit, dass dieses Geschäft in zwei bis drei Jahren spürbar anzieht – nämlich dann, wenn die heute noch jungen chinesischen Fahrzeuge aus der Herstellergarantie fallen und häufiger in freie Werkstätten wechseln.

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