Seit 1 Jahr in China

Feststoffakkus laufen längst. Warum nicht im Auto?

Motor
19.07.2026 17:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit Jahren gilt die Feststoffbatterie als Heiliger Gral der Elektromobilität. Mehr Reichweite, schnelleres Laden, höhere Sicherheit – und trotzdem fährt noch immer kein Serien-Elektroauto damit herum. Warum eigentlich?

Die Antwort ist überraschend einfach: Weil die Technik zwar funktioniert, aber noch nicht wirtschaftlich genug ist.

Genau das zeigt derzeit China. Dort laufen Feststoffbatterien bereits seit rund einem Jahr im realen Einsatz – allerdings nicht in Autos, sondern in Energiespeichern für Stromnetze. Dort sind die Rahmenbedingungen deutlich entspannter: Gewicht und Bauraum spielen kaum eine Rolle, hohe Kosten lassen sich leichter rechtfertigen und die Systeme müssen nicht Tausende Lade- und Entladezyklen unter den extremen Belastungen eines Autos überstehen.

Im Auto sieht die Sache anders aus. Eine moderne Traktionsbatterie muss nicht nur möglichst viel Energie speichern. Sie muss auch Schnellladen verkraften, bei Minusgraden funktionieren, nach Hunderttausenden Kilometern noch leistungsfähig sein und sich millionenfach fertigen lassen. Genau an dieser letzten Hürde scheitert die Feststoffbatterie derzeit.

Selbst CATL, der weltweit größte Batteriehersteller, bremst die Erwartungen. Konzernchef Robin Zeng erklärte erst kürzlich, dass die Technologie auf einer internen Reifegradskala erst bei Stufe vier von neun angekommen sei. Eine Massenproduktion für Millionen Fahrzeuge hält CATL vor 2030 für unrealistisch.

Das überrascht, denn in den vergangenen Jahren überschlugen sich die Ankündigungen. Toyota, BYD, Chery, Geely oder Mercedes-Benz stellten immer neue Zeitpläne vor, nach denen Feststoffbatterien kurz vor dem Serieneinsatz stünden.

Ganz falsch waren diese Aussagen nicht. Tatsächlich entstehen derzeit überall Pilotfertigungen. Mehrere chinesische Hersteller wollen erste Demonstrationsfahrzeuge bereits 2027 auf die Straße bringen. Doch zwischen einem Versuchsträger und einer Großserie liegen Welten.

Die größten Probleme bereiten nach wie vor die Materialien. Der feste Elektrolyt muss einen möglichst widerstandsarmen Kontakt zu den Elektroden herstellen. Gleichzeitig dürfen sich keine Lithium-Dendriten bilden - winzige metallische Strukturen, die den Akku beschädigen oder im schlimmsten Fall kurzschließen können. Hinzu kommen extrem hohe Anforderungen an die Fertigung. Teilweise sind Drücke von mehreren Tausend Bar nötig, um die Zellbestandteile dauerhaft miteinander zu verbinden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Entwicklung ins Stocken geraten ist. Im Gegenteil. China investiert derzeit massiv in die Technologie und hat bereits einen nationalen Standard für Feststoffbatterien eingeführt, um die Industrialisierung zu beschleunigen.

Für Autofahrer heißt das: Die Feststoffbatterie kommt – aber langsamer, als viele erwartet haben. Erste Premiumfahrzeuge dürften gegen Ende des Jahrzehnts damit ausgerüstet werden. Bis sie in Elektroautos der breiten Masse ankommt, werden jedoch vermutlich noch einige Jahre vergehen.

Die Feststoffbatterie ist längst aus dem Labor heraus. Nur der schwierigste Schritt steht noch bevor: Sie muss sich in Millionen Autos bewähren – und dabei bezahlbar bleiben.

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