Renault fährt voraus

So einfach hat die Alpine A110 Porsche abgehängt

Motor
18.07.2026 13:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Er ist eine der Baustellen, die Porsche gerade beschäftigen: der elektrische 718, auf den wir warten und warten und warten. In Goodwood fuhr den Deutschen nun ein Franzose vor die Nase: die Alpine A110.

Beim Festival of Speed in Goodwood zeigte die Renault-Tochter erstmals den Prototypen der kommenden A110 Future. Noch ist das Auto getarnt, doch die Technik dahinter verrät, warum Alpine davon überzeugt ist, den ersten wirklich kompromisslosen Elektro-Sportwagen auf die Räder zu stellen. Der Knackpunkt ist die Batterie.

In den meisten Elektroautos liegt sie flach im Fahrzeugboden. Das ist ideal für Limousinen oder SUVs, funktioniert bei einem flachen Sportwagen aber nur bedingt. Die Sitzposition wird höher, die Karosserie dicker – und genau die klassischen Proportionen, die einen Sportwagen ausmachen, gehen verloren.

Alpine geht deshalb einen völlig anderen Weg. Statt eines großen Akkupakets im Unterboden wird die Batterie aufgeteilt. Rund ein Viertel sitzt vor dem Fahrer über der Vorderachse, der größere Teil direkt vor der Hinterachse. Das Ergebnis: Die neue A110 bleibt flach, der Fahrer sitzt tief und die Gewichtsverteilung entspricht mit 40 zu 60 Prozent jener klassischer Mittelmotor-Sportwagen.

(Bild: Toby Cornelius)

Natürlich hat dieses Konzept auch Nachteile. Der Schwerpunkt liegt etwas höher als bei einer Bodenbatterie. Alpine will das mit einem speziell abgestimmten Fahrwerk und zwei Elektromotoren an der Hinterachse kompensieren.

Warum der Aufwand?
Weil Alpine einen Elektro-Sportwagen bauen will, der auch auf der Rennstrecke überzeugt. Das Entwicklungsziel lautet: rund 20 Minuten Volllast ohne Leistungsverlust durch überhitzte Batterie oder Antrieb, genug für drei schnelle Runden auf der Nürburgring-Nordschleife.

Dafür braucht das Auto rund 70 Kilowattstunden Batteriekapazität. Eine klassische T-förmige Batterie, wie sie manche Sportwagenhersteller in Betracht ziehen, reicht laut Alpine dafür nicht aus.

Interessant ist eine Aussage von Alpine-Chef Philippe Krief. Große Hersteller könnten sich ein derart spezielles Batteriekonzept kaum leisten, weil jede zusätzliche Plattform Geld kostet. Alpine könne diesen Weg gerade deshalb gehen, weil die Marke klein sei und konsequent auf Sportwagen fokussiert arbeite.

Die neue Plattform ist dabei erst der Anfang. Auf ihr entstehen nicht nur die elektrische A110, sondern später auch ein Roadster sowie ein größerer 2+2-Sitzer. Anders als der Zweisitzer wird dieser allerdings wieder eine klassische Batterie im Fahrzeugboden erhalten. Was wiederum der Aussage widerspricht, dass eine spezielle Batteriekonstruktion in einem Konzern nicht geht – schließlich wird die klassische Batterie von Renault kommen.

Für Alpine steht viel auf dem Spiel. Die Marke wächst derzeit vom Nischenhersteller zur eigenständigen Performance-Marke des Renault-Konzerns. Bis 2030 sollen insgesamt sieben Modelle im Programm stehen.

Ob das Batteriekonzept tatsächlich hält, was Alpine verspricht, wird sich erst zeigen, wenn die neue A110 in einigen Jahren auf die Straße kommt. Fest steht: Die A110 wird zusätzlich mit Verbrenner kommen. Das Gleiche hat Porsche mittlerweile auch für den 718 angekündigt.

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