Mehr als 200.000 Besucher strömen diese Woche nach Goodwood, beim „Festival of Speed“ wird dem Sportwagen gehuldigt. Und wohl kein Sportwagen ist britischer als Morgan. Seit 1909 werden in Malvern Autos ins Handarbeit hergestellt, es ist die älteste in Familienbesitz befindliche Automobil-Manufaktur – ihr neuester Wurf: der Supersport.
Auch wenn die Optik nach Klassiker aussieht: Den berühmten Eschenholz-Rahmen hat Morgan hinter sich gelassen, der Supersport baut auf ein Alu-Chassis auf. Die CXV-Plattform wiegt inklusive vorderem und hinterem Rahmen gerade einmal 102 kg, verspricht aber um 10 Prozent mehr Steifigkeit als jene des Vorgängers Plus Six.
Volle Kante Holz
Holz findet sich nur noch im Innenraum sowie an der Kofferraum-Kante. Und das ist etwas Besonderes: Nein, nicht das Holz, sondern der Kofferraum – erstmals nach über zehn Jahren hat ein Morgan wieder einen. Auch wenn in das 125 l kleine Staufach kaum mehr als die Seitenscheiben und die dazugehörige Tasche passen.
Die Seitenscheiben kann man nämlich tatsächlich abnehmen, was das Schließen des Stoffverdecks auch erleichtert. Ein Hardtop kann man für 6320 Euro übrigens auch dazu bestellen, das ist aus Carbon gefertigt und daher gerade einmal 29 kg leicht. Die Tasche für dessen Aufbewahrung schlägt übrigens mit weiteren 2350 Euro zu Buche.
Giftig, giftiger, Sport Plus
Aber offen macht der Supersport sowieso mehr Freude: Da hört man den wunderbaren BMW-Reihensechszylinder mit seiner ZF-Achtgang-Automatik. Den B58-Motor kennnen wir zum Beispiel noch aus dem 7er-BMW von 2016. Dessen 340 PS haben mit den 1170 kg des Morgan leichtes Spiel. In 3,8 Sekunden ist der Hunderter erreicht, bei 267 km/h Spitze ist man hinter der steil stehenden Windschutzscheibe einem Orkan ausgesetzt. Und geht man zu früh aufs Gas, wird das Heck schnell giftig. Trotz 19 Zoll großer Michelin Pilot Sport 5 Hinterreifen im Format 255 – und einer Stabilitätskontrolle.
Und man kann die Eskalationsstufe noch erhöhen: Legt man den Ganghebel nach links, hat man den Sportmodus aktiviert. Hier muss man selbst mit den Wippen hinter dem Lenkrad schalten. Wer noch eine große Schaufel nachlegen will, drückt die S-Plus-Taste vor der Handbremse. Dann vergisst der Morgan jede britische Noblesse, sprotzt unverhohlen aus seinen zwei Endrohren – in unserem Fall dem optionalen Klappenauspuff. Das flößt einem schon Respekt ein.
Klassische Handarbeit
Aber der 4,1-m-Exot lässt sich gut kontrollieren. Weil man fast direkt über der Hinterachse sitzt, spürt man jede Zuckung des Autos. Das Sperrdifferential ist optional, die Lenkung kaum unterstützt, gleichzeitig wunderbar direkt. Die Bremsen erfordert Nachdruck. Das alles ist noch klassischer Sport. Was zum Ambiente passt: Feines Leder, analoge Instrumente, mit der Hand einstellbare Spiegel, drei (!) Mini-Scheibenwischer, eine echte Handbremse.
Über den Gangwahlstock aus älteren BMW-Generationen, die Plastik-Schaltwippen und die Renault-Hebel für Blinker und Scheibenwischer muss man da genauso hinwegsehen wie über das Mini-Display. Das Gute an dem bisschen Moderne: Der Supersport besitzt schon eine induktive Handy-Ladeschale, auf die Freisprecheinrichtung wurde auch extra hingewiesen.
Ein paar Tropfen gespürt
Knapp zehn Stück hat Frey Luxury Cars in Österreich seit letztem Jahr verkauft, bei 157.410 Euro geht’s los. Unser Testwagen schraubte sich auf 215.000 Euro hoch. Ein exklusives Vergnügen. Auch wenn sich bei Regenwetter noch der eine oder andere Tropfen ins Innere verirrt. Der Morgan Supersport ist britisch, schrullig, aber den Elementen näher als in den meisten Autos. Und wer noch eins drauflegen will, kann zum Supersport 400 mit 400 PS greifen.
Warum?
Purisitischer Leichtgewicht-Sportwagen
Sympathischer Exot
Wunderbarer Reihen-Sechszylinder von BMW
Warum nicht?
Schwächen in der Verarbeitung
Plastik-Hebel von BMW und Renault stören Ambiente
Hoher Preis aufgrund von Steuern.
Oder vielleicht…
Lotus Emira
McLaren Artura
Caterham Seven
Morgan Plus Four mit Handschalter
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