Da ist ein Trick dabei

Serie: Ferrari bringt 12Cilindri als Handschalter

Motor
05.07.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wer angesichts des Ferrari Luce gedacht hat, in Maranello hätte die Götterdämmerung stattgefunden, wird jetzt vielleicht erleichtert aufatmen: Sie bringen den 12Cilindri als Handschalter! Da ist allerdings ein Trick dabei: Es handelt sich nicht um ein manuelles Schaltgetriebe im engeren Sinn.

Tatsächlich bleibt der V12-Saugmotor an sein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe gebunden. Dieses wird allerdings ergänzt durch das das neue, von Ferrari entwickelte „Manuale by-Wire“-System: Auftritt: Schalthebel mit offener Chrom-Kulisse und Kupplungspedal mit Clutch-by-Wire-Technologie.

Das Wort Schaltkulisse passt hervorragend zum inszenierten Getriebetheater.
Das Wort Schaltkulisse passt hervorragend zum inszenierten Getriebetheater.(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)

Damit kann man den Ferrari 12Cilindri Manuale in den ersten sechs Gängen manuell fahren wie einen echten Handschalter (sogar im Rückwärtsgang). Es stirbt also auch der Motor ab, wenn man fährt wie ein Fahrschüler in der ersten Fahrstunde, man kann aber auch jederzeit auf Automatik umschalten.

Das manuelle Schaltsystem besteht aus einer mechanischen Einheit, die mit Sensoren und einer ausgeklügelten Kinematik ausgestattet ist. Diese soll die für manuelle Ferrari-Getriebe typischen mechanischen Lastzustände während der Phasen der Synchronisierung sowie des Ein- und Auskuppelns nachbilden. Die Kinematik erzeugt spürbare Rastpunkte und Lastwechsel, wodurch der Fahrer eine klare Rückmeldung über die Gangwechsel erhält, verspricht der Hersteller. Wird die Kupplung nicht betätigt oder ein unzulässiger Gang gewählt, kann das System den Schaltvorgang mechanisch blockieren und so dessen Ausführung verhindern. 

Ergänzt wird das System durch zwei Winkelsensoren zur Erfassung der Hebelstellung, einen Schaltknauf sowie ein hintergrundbeleuchtetes Tastenfeld, das für gute Ablesbarkeit und eine nahtlose Integration in die Benutzeroberfläche sorgt. Der kompakte, modulare Mechanismus wird aus massiven Blöcken gefertigt und wiegt dennoch weniger als 3,5 Kilogramm. Auch die akustische Untermalung der Schaltvorgänge wurde ausgeklügelt konzipiert, um die Wahrnehmung der zugrundeliegenden Mechanik zu intensivieren.

Die Stellung des Kupplungspedals wird von einem Sensor an erfasst und in eine hydraulische Betätigung der DCT-Kupplung umgesetzt, wodurch Getriebe und Motor bei Gangwechseln exakt aufeinander abgestimmt werden. Dank eines innovativen passiven mechanischen Systems kann die typische Kennlinie mechanisch gekoppelter Schaltgetriebe nachgebildet werden. Ein Winkelsensor erfasst kontinuierlich die Intentionen des Fahrers über den gesamten Pedalweg hinweg. Daraus resultiert ein Verhalten, das der Logik herkömmlicher Schaltgetriebe entspricht: Eine korrekte Synchronisation führt zu einem sanften, präzisen Gangwechsel; andernfalls würde der Vorgang erschwert, was zu einem Ruckeln oder Abwürgen des Motors führen könnte. 

(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)
(Bild: Kai Grossmann)

Zudem verfügt das System über speziell entwickelte Übergangslogiken zwischen manuellem und automatischem Modus sowie ein „Coasting-Management“. Darunter versteht man eine „Segelfunktion“, die einen absolut fließenden Übergang bis hinunter zum Leerlauf gewährleistet und sich beim Verzögern wie eine herkömmliche Kupplung verhält.

Die Schaltkulisse greift das Sechsgang-Schaltschema auf - mit dem Rückwärtsgang oben links -, während der runde Aluminium-Schaltknauf durch ein Display mit Hintergrundbeleuchtung veredelt ist, das die sechs Gänge sowie den aktuell aktiven Fahrmodus (Automatik/Manuell) anzeigt. Der Bereich der Mittelkonsole wurde überarbeitet, um die Ergonomie sowohl bei manuellen Gangwechseln als auch im Automatikbetrieb zu optimieren. 

Der Ferrari 12Cilindri Manuale wird – basierend auf dem auf dem „Tailor Made“-Individualisierungsprogramm – als limitierte Serie von 1499 Exemplaren angeboten – eine Zahl, die an den Hubraum des ersten, 1947 gefertigten Ferrari-Zwölfzylindermotors erinnert und die zu einem festen Bestandteil der Identität dieses Modells wurde. 

(Bild: Kai Grossmann)

Der Ferrari 12Cilindri hat heute 6,5 Liter Hubraum, aus denen er 830 PS und ein maximales Drehmoment von 678 Nm bei 7250/min. schöpft. Das ermöglicht 0 bis 100 in 2,9 Sekunden, 0 bis 200 in unter 7,9 Sekunden. Vmax 340 km/h.

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