German Speed

Porsche Cayenne Turbo: Das ist doch der Gipfel!

Motor
15.07.2026 10:03

Haters gonna hate – der Porsche Cayenne Coupé Turbo Electric wiegt nach DIN 2645 kg, hat trotz des Namens keinen Turbolader und überhaupt ist er kein Verbrenner. Außerdem ist er als Viertürer kein echtes Coupé. Mag alles sein. Aber er ist ein phantastisches Auto.

Im Rahmen des „GTEST“ des German Car Awards (GCOTY) war Gelegenheit für zwei kurze Testrunden, die einen ersten Eindruck ermöglicht haben: eine Fahrt mit dem Cayenne S Electric als SUV und eine weitere mit dem SUV-Coupé in der Topmotorisierung mit 1156 PS, 1500 Nm und 108 kWh Netto-Akkukapazität.

(Bild: crossline media)

Bis zu 1156 PS in einem Elektroauto, das hat bei uns kürzlich bei einem anderen Fabrikat ordentlich für Wirbel gesorgt. Ich bin ja bei der gleichen Veranstaltung den Denza Z9 GT gefahren und war entsetzt. Porsche hingegen zeigt beim Cayenne, wie man eine derartig brachiale, sofort verfügbare Motorleistung so zur Verfügung stellen kann, dass sie keine Gefahr darstellt (wenn man es nicht mutwillig übertreibt).

Dabei rede ich noch nicht einmal vom adaptiven Luftfahrwerk, von der Hinterradlenkung und der aktiven Wankstabilisierung, mit denen der Test-Turbo ausgestattet war. Auch ohne diese ganzen technischen Errungenschaften fährt so ein Porsche unfassbar gut, aber mit alldem ist es einfach nur unglaublich, was möglich ist.

Das adaptive Luftfahrwerk ist beim Turbo Serie, Allradlenkung kostet 1800 Euro extra, ...
Das adaptive Luftfahrwerk ist beim Turbo Serie, Allradlenkung kostet 1800 Euro extra, Carbon-Keramik-Bremsen knapp 10.000 Euro.(Bild: Stephan Schätzl)

In brutal schnellen Kurven neigt sich dieses fast fünf Meter lange Auto nicht ein Iota zur Seite, wie auf Schienen zirkelt es millimetergenau ums Eck, während der Fahrer zwar einen flauen Magen von der überirdischen Beschleunigung hat, aber einen völlig entspannten Ruhepuls.

Zweieinhalb Tonnen, zweieinhalb Sekunden
Den Sprint von Null auf 100 km/h gibt Porsche mit 2,5 Sekunden an, mit Launch Control. Also Sport- oder Sport-Plus-Modus rein, linken Fuß auf die Bremse, rechten voll aus Fahrpedal, den Kopf unbedingt an die Kopfstütze lehnen, Bremse loslassen – und in Wahrheit muss man auch schon gleich wieder bremsen. Es geht so schnell! Ein bisschen zu lang gezögert, schon ist man auf 200 km/h. Das dauert aus dem Start auch nur 7,4 Sekunden.

„Der Porsche Cayenne Coupé Turbo Electric fährt unfassbar gut“
„Der Porsche Cayenne Coupé Turbo Electric fährt unfassbar gut“(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Auch der Durchzug von 80 bis 120 ist unglaublich: 1,2 Sekunden! Und bei diesem Mordssatz bleibt der Cayenne superstabil, auch von Lenkbewegungen lässt er sich dabei nicht aus der Ruhe bringen.

Ruhe ist ein gutes Stichwort. Denn im Elektrozeitalter sind solche Beschleunigungsorgien gesellschaftsfähig. Früher brüllte bei etwa halber Leistung ein V8 oder Ähnliches, machte einen Mordsradau und ließ Passanten den Kopf schütteln. Der Rowdy von früher ist heute ein Gentleman Driver. Und bei normaler Fahrweise ist so ein Supersport-SUV noch immer ein Vernunftstromer. Zwischen 20 und 22 kWh/100 km gibt Porsche als WLTP-Verbrauch an. Und als WLTP-Reichweite wringt das Cayenne-Turbo-Coupé 628 Kilometer aus der netto 108 kWh großen Batterie, also etwas mehr als beim Steilheck-SUV. Des etwas geringeren Luftwiderstands wegen.

Die Luftfederung

Mit dem Luftfahrwerk kann man die Bodenfreiheit um 85 mm variieren. Im „Sondergeländemodus“ liegt sie bei 245 mm, das Normalniveau bei 190 mm und das tiefste mögliche Niveau bei 170 mm.

Geladen wird von 10 auf 80 Prozent in 16 Minuten, mit bis zu 400 kW Ladeleistung. Also selbst wenn man es bei freier deutscher richtig laufen lässt, kommt man schnell ans Ziel, weil Ladestopps in dem Fall zwar häufiger sind, aber nicht lang dauern. AC lädt man mit bis zu 22 kW, es ist sogar induktives Laden mit bis zu 11 kW möglich. Und beim Bremsen per Pedal wird mit bis zu 600 kW rekuperiert. Allein das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

So was wie Radau gibt es auch, und zwar einen künstlich erzeugten „Sport-Sound“, der innen und außen über die Lautsprecher ausgespielt wird. Die Intensität ändert sich mit dem Fahrmodus, abschalten kann man die Akustik auch.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Sehr gelungenes, intuitives Navitainment
Schon wieder so ein gutes Stichwort: abschalten. Das kann der Fahrer gut, weil es auf Wunsch im Porsche auch bei hohem Tempo sehr leise zugeht. Das kann aber auch der Porsche: Das brandneue Navitainment verfügt über einen virtuellen Button, mit dem man seine Wunschkonfiguration abrufen kann – inklusive Fahrmodus und Betriebszuständen für alle relevanten Assistenzsysteme. Und das mitten auf dem Display, also immer sofort zugänglich.

Das ganze Bediensystem ist überhaupt ein Hit für sich: Das gebogene Zentraldisplay schmiegt sich an das Armaturenbrett. Noch nie war ein so großer Touchscreen so harmonisch in ein Cockpit integriert. Das ist keine reine Show, sondern wirklich gut zu bedienen. Porsche hat damit eine virulente Schwäche in seiner Palette ausgemerzt, auch die Software ist jetzt vom Feinsten und das Rechen- sowie Grafiktempo ist auch nicht von schlechten Eltern. Laderoutenplanung mit über einen weiten Bereich verstellbaren Ankunftsladeständen inklusive.

(Bild: crossline media)

In der Ruhe liegt genug Kraft
Ohne Launch Control und ohne gedrückten Push-to-pass-Knopf am Lenkrad stellen 857 PS den Normalzustand dar. Bei Weitem mehr als genug. Wahrscheinlich reicht die Hälfte. Mit etwas mehr als der Hälfte war ich im Cayenne S unterwegs, 544 PS, oder mit Overboost 666 PS (oops, the number of the beast!). Das reicht, wirklich. Oder sind 3,8 Sekunden auf 100 madig? Oder 250 statt 260 km/h?

Einer für die Familie
In jedem Fall ist der Porsche Cayenne wie ein perfekt geschnittener Anzug - er passt überall. Denn bei aller Sportlichkeit ist er ein echter Familienfreund. Okay, die 500 bis 1313 Liter Kofferraumvolumen der Coupé-Version sind nicht überbordend, aber in der SUV-Version sind es weit mehr als 700/1500 Liter. Und die 90 Liter im Frunk darf man auch nicht vergessen. Und dann sind da noch (Voraussetzung: Offroad-Paket) bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast!

Kein Problem ist die Coupé-Form übrigens für groß gewachsene Rückbankpassagiere – das Platzangebot ist hervorragend.

Die Preise
Ja, der Porsche Cayenne Coupé Turbo Electric kostet nicht weniger als 171.000 Euro. So, wie wir ihn konfigurieren würden, kommt er auf mindestens 220.000 Euro. Da nimmt sich der elektrische Basis-Cayenne mit 442 PS um gut 111.000 Euro fast schon bescheiden aus. Der Cayenne S ist ab knapp 133.000 Euro zu haben. Die SUV-Versionen sind 2000 bis 3000 Euro billiger.

Fahrzit
Man liest immer wieder, dass die deutschen Autohersteller „den Chinesen“ hinterherhinken. Der Porsche Cayenne Electric ist ein Musterbeispiel dafür, dass das schlichtweg nicht stimmt. Die Qualität eines Autos lässt sich nicht an Datenblättern ablesen. Ja, der Cayenne lädt nicht mit einem Megawatt. So what? Seine Batterie ist supertemperiert, der Heckmotor ölgekühlt und in Sachen Fahreigenschaften ist er weit voraus. Beim Preis natürlich auch – und doch kann man ihn als preiswert bezeichnen.

Warum?
Unfassbar gut Fahreigenschaften für so ein Trumm Auto
Top Ladetempo
Großer Akku
Tolles Navitainment

Warum nicht?
Das alles muss einem auch viel Geld wert sein

Oder vielleicht …
… BMW iX, Lotus Eletre, Lucid Gravity

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