Zerstörung in Kiew

Putin übt Vergeltung für „russisches Amazon“

Ausland
19.07.2026 11:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Russland hat mit enormer Feuerkraft auf die Vernichtung wichtiger Verteilzentren geantwortet. Nachdem riesige Lagerhallen des „russischen Amazon“ Wildberries in Flammen aufgegangen waren, befahl Moskau einen Großangriff auf Kiew. 

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit ballistischen Raketen angegriffen. Dutzende Explosionen, teils von Flugabwehrraketen, waren in der Nacht auf Sonntag im Zentrum der Dreimillionenstadt zu hören, wie ein Reporter vor Ort berichtete.

Der Zivilschutz in Kiew sprach am Morgen von einem Toten und 16 Verletzten. Mehrere Häuser und auch Autos seien zerstört worden, teilte die Behörde mit und veröffentlichte dazu auch Fotos von den massiven Schäden. Dem Vernehmen nach wurde auch eine Shopping-Mall getroffen.

Schwere Schäden in Kiew
Bürgermeister Vitali Klitschko informierte über Einschläge und Schäden in sechs Stadtteilen. Es sei zu Bränden gekommen. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte Russland bei dem Angriff in der Nacht 41 Raketen ein, wovon nur 18 abgefangen wurden. Nach Angaben aus Kiew handelt es sich damit um den größten Angriff dieser Art seit Kriegsbeginn.

Angesichts des massiven russischen Raketenschlags auf Kiew erneuerte die ukrainische Führung ihren dringenden Appell an westliche Partner: Die Flugabwehr würde aufgrund des akuten Mangels an Patriot-Lenkkörpern zunehmend Lücken aufweisen und ballistische Raketen nicht mehr lückenlos abfangen können, wie die Nacht eindrücklich gezeigt hat.

„Diese Lieferungen bedeuten derzeit buchstäblich gerettete Menschenleben bei jedem massiven russischen Angriff“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Insgesamt habe Russland in dieser Woche etwa 1450 Drohnen, mehr als 1640 Gleitbomben und 99 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt.

Vergeltung für „russisches Amazon“
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in Kiew seien ein großes Logistikzentrum der Post für die Lagerung von Bauteilen für Waffen sowie mehrere Betriebe für die Produktion von Raketenkomponenten Ziele der Angriffe gewesen. Im Kiewer Gebiet sei ein Zentrum zur Aufbewahrung und Verteilung von Elementen für die Produktion von weitreichenden Drohnen getroffen worden. Unabhängig überprüfbar waren diese Angaben nicht.

Auch die Hafeninfrastruktur im Süden der Ukraine am Schwarzen Meer sei erneut angegriffen worden. So seien im Raum Odessa Anlagen für die Lagerung militärischer Güter sowie von den Streitkräften genutzte Treibstoffdepots beschossen worden. Die Ukraine veröffentlicht – wie Russland – keine Informationen zu Schäden an militärisch genutzten Objekten.

Der massive Schlag gilt als Vergeltung für das Abfackeln wichtiger Verteilzentren in Russland. Die Lieferketten im ganzen Land sind Berichten zufolge stark beeinträchtigt, und Händler müssen versuchen, verbleibende Produkte auf andere, weit entfernte Lager umzuleiten.

In Elektrostal bei Moskau stand das zweitgrößte Verteilzentrum des Landes.
In Elektrostal bei Moskau stand das zweitgrößte Verteilzentrum des Landes.(Bild: OSINT)

Die ukrainische Führung begründete den Angriff auf die Lagerhallen am Samstag mit der Deponierung von Waffenteilen. Die Wildberries-Anlagen hätten als militärische Drehscheibe fungiert. Russland hingegen sprach von Angriffen auf rein zivile Ziele und Terrorismus.

Blogger fordern Generalmobilmachung
Während staatliche Medien versuchen, den Vorfall als reinen Sabotageakt auf „friedliche, zivile Lagerhäuser“ darzustellen, forderten russische Militärblogger Aufklärung darüber, warum etwa militärisch sensible Elektronikkomponenten überhaupt ungeschützt in privaten, zivilen Versandlagern deponiert wurden.

Sie warfen der Führung vor, die Luftabwehr im Landesinneren zu vernachlässigen, und forderten als Reaktion eine Generalmobilmachung. Zudem wiesen Analysten im „Telegraph“ darauf hin, dass Plattformen wie Wildberries massenhaft von russischen Bürgern und Freiwilligen genutzt wurden, um militärische Ausrüstung wie Schutzwesten und Drohnenteile direkt an die Front zu senden.

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