Schnarchen, tagsüber ein Gefühl ständiger Müdigkeit oder trotz viel Schlaf nicht erholt zu sein: Hinter solchen Beschwerden kann mehr stecken als nur Stress. Schlafmediziner Dr. Michael Saletu erklärt, wann eine Nacht im Schlaflabor sinnvoll ist und in welchen Fällen die Untersuchung zu Hause durchgeführt werden kann.
Schlafprobleme sind weit verbreitet – doch nicht hinter jeder unruhigen Nacht steckt ein medizinisches Problem. Entscheidend ist, ob der schlechte Schlaf im Alltag spürbare Folgen nach sich zieht. In manchen Fällen kann eine Abklärung im Schlaflabor nötig sein.
„Eine Abklärung ist dann sinnvoll, wenn Betroffene tagsüber müde, erschöpft oder unkonzentriert sind, ihre Leistungsfähigkeit deutlich nachgelassen hat oder sie sich trotz ausreichend langer Schlafdauer nicht erholt fühlen“, erklärt Schlafmediziner Dr. Michael Saletu.
Er plädiert darüber hinaus, spezielle Warnzeichen ernst zu nehmen und sich in ärztliche Hände zu begeben. Dazu zählen etwa Sekundenschlaf beim Autofahren, vom Bettpartner beobachtete Atempausen in der Nacht, starkes Schnarchen mit plötzlichem Wiederbeginn der Atmung oder auffällige Bewegungen im Schlaf, die den Schlummernden selbst oder den Partner gefährden. Auch häufiges nächtliches Erwachen ohne erkennbare Ursache kann auf eine behandlungsbedürftige Schlafstörung hinweisen und sollte weiter abgeklärt werden.
Warum Patienten ein Schlaflabor aufsuchen, ist sehr unterschiedlich. Ein häufiger Grund ist etwa Schlafapnoe, also wiederholte Atemaussetzer während der Nacht.

Schlafmediziner Dr. Michael Saletu
Bild: Eva Manhart
Ursachenabklärung im Schlaflabor
„Warum Patienten ein Schlaflabor aufsuchen, ist sehr unterschiedlich. Ein häufiger Grund ist etwa Schlafapnoe, also wiederholte Atemaussetzer während der Nacht“, so der Schlafmediziner. Aber auch neurologische Erkrankungen wie Narkolepsie, das Restless-Legs-Syndrom („ruhelose Beine“), Schlafwandeln oder andere sogenannte Parasomnien können den Schlaf erheblich beeinträchtigen – und sollten daher ins Schlaflabor führen.
Manchmal liegt die Ursache auch in Stress, Grübeln oder psychischen Belastungen. „Es gibt darüber hinaus auch Menschen, die subjektiv das Gefühl haben, kaum geschlafen zu haben, obwohl objektiv ausreichend Schlaf vorhanden ist“, erläutert Dr. Saletu. Ziel der Diagnostik ist immer, die genaue Ursache zu erkennen und gezielt behandeln zu können.
„Für die nächtliche Untersuchung stehen heute verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung“, berichtet der Facharzt. Grundsätzlich kann die schlafmedizinische Abklärung sowohl ambulant (zu Hause) als auch stationär im Schlaflabor erfolgen. Welche Form gewählt wird, hängt von den Beschwerden und der Fragestellung ab.
Wann das „kleine“ Schlaflabor daheim ausreicht
Bei Verdacht auf Schlafapnoe (Symptome: Schnarchen, Atempausen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit) reicht häufig bereits eine sogenannte Polygrafie aus, auch „kleines Schlaflabor“ genannt. Dafür erhält man in der Ordination des behandelnden Arztes ein kleines Gerät für zu Hause, dessen Sensoren eine Nacht lang die Atmung, den Sauerstoffgehalt im Blut, die Herzfrequenz und das Schnarchen erfassen bzw. messen.
Die ambulante Polysomnographie zu Hause
„Komplexere Fragestellungen können mit einer ambulanten Polysomnographie untersucht werden“, erläutert der Schlafmediziner. Besonders sinnvoll ist diese Methode u. a. bei Schlaflosigkeit, nicht erholsamem Schlaf, unklaren Beschwerden bzw. Ergebnissen aus einer Voruntersuchung sowie leichten nächtlichen Bewegungen.
Die ambulante Polysomnographie, auch „großes mobiles Schlaflabor“ genannt, wird ebenfalls zu Hause angewendet, erfasst aber zusätzlich Schlafphasen, Gehirnaktivität, Muskelaktivität und Bewegungen des Patienten. Das Gerät und die nötige Einschulung dafür erhält man ebenso beim Facharzt. Diese Methode ermöglicht eine sehr genaue Analyse des Schlafs in der gewohnten Umgebung.
„In vielen Fällen liefert diese Untersuchung diagnostische Ergebnisse, die mit jenen eines stationären Schlaflabors vergleichbar sind“, klärt Dr. Saletu auf. Ein weiterer Vorteil sind kurze Wartezeiten auf ein Gerät. Denn mittlerweile bekommen Betroffene erst nach mehreren Monaten bis einem Jahr einen Termin in einem stationären Schlaflabor.
Ab ins Schlaflabor!
„Manchmal ist jedoch ein Aufenthalt (eine Nacht) in einem stationären Schlaflabor – meist in einer Klinik – notwendig. Dort erfolgt eine vollständige Überwachung durch Fachpersonal, zusätzlich ist eine Videoaufzeichnung möglich. Das ist besonders bei nächtlichen Anfällen, Schlafwandeln oder anderen auffälligen Verhaltensweisen während des Schlafs wichtig“, so der Facharzt.
Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei und beeinträchtigt den Schlaf meist nur wenig. Am nächsten Tag werden die Daten ausgewertet: Schlafdauer, Schlafqualität, Atmung, Bewegungen und mögliche Auffälligkeiten.
Start der Therapie
Welche Behandlung folgt, hängt vom Befund ab. Bei Schlafapnoe kommt häufig nächtliche Überdruckbeatmung mittels CPAP-Gerät (Abkürzung für: „continuous positive airway pressure“, übersetzt bedeutet das „dauerhaft positiver Atemwegsdruck“) zum Einsatz.
Im Fall von Schlaflosigkeit reichen oft verhaltenstherapeutische Verfahren und Schlafcoaching. Für das Restless-Legs-Syndrom stehen Medikamente zur Verfügung, während bei stressbedingten Schlafstörungen Entspannungs- oder psychologische Verfahren helfen können.
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