Ging auf Beamte los

CSD-Terrorist bei Zugriff in Gartenlaube getötet

Einen Tag nach dem blutigen Angriff auf Feiernde des Christopher Street Days in Berlin ist der Attentäter aufgespürt und erschossen worden. Der schlussendlich tödliche Zugriff des Sondereinsatzkommandos erfolgte in einer Kleingartenparzelle in Berlin-Spandau. Dabei fielen Schüsse, der 21-jährige Abdul B., nach dem den ganzen Tag auf Hochtouren gefahndet worden war, wurde getötet.

Die schwer bewaffneten SEK-Einheiten umstellten die Parzelle und begannen mit der Festnahme. Dabei stürmte der Gesuchte laut Polizei mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zu. Es kam zu einem Schusswaffengebrauch. Ohrenzeugen berichteten gegenüber deutschen Medien von zwei Salven.

Die „Bild“ berichtete, dass der Verdächtige angeschossen worden und um 18.34 Uhr gestorben sei. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort“, erklärte die Polizei.

Gartenlaube soll Vater gehören
Die Gartenlaube, wo sich B. verschanzt hatte, soll seinem Vater gehören. Hinweise aus dem persönlichen Umfeld des Verdächtigen sollen ausschlaggebend gewesen sein. 

Berlins Innensenatorin Iris Spranger dankte im Gespräch mit der „Bild“ den Einsatzkräften: „Ich bin den Sicherheitsbehörden dankbar dafür, dass der Attentäter so schnell aufgefunden wurde. Das ist eine großartige Leistung.“ Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner zeigte sich am Abend erleichtert darüber, dass der Tatverdächtige gestellt worden war. „Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden. Und da bin ich sehr dankbar“, sagte der CDU-Politiker gegenüber dem Sender RBB.

Beifahrer Stunden zuvor festgenommen
Der mutmaßliche Beifahrer des Verdächtigen war Stunden zuvor festgenommen worden. Er habe sich im Fahrzeug befunden, als der 21-Jährige in die Menge der Feiernden im Rahmen des Christopher Street Day (CSD) gerast war, hieß es am Nachmittag.

Die Karte zeigt den Ort eines Vorfalls am Rande des Christopher Street Day in Berlin, bei dem ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Brandenburger Tors und des Tiergartens. Es gab einen Toten und zahlreiche Verletzte. Quelle: APA.

Wohl mit Machete auf Passanten losgegangen
Am Nachmittag hatte sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) an den Anschlagsort begeben und erstmals offiziell von einem Terroranschlag gesprochen. „Alles deutet auf ein islamistisches Motiv hin“, sagte Dobrindt. Nach der Amokfahrt war der Täter mit einer Stichwaffe, mutmaßlich einer Machete, auf weitere Passanten losgegangen und verletzte diese ebenfalls schwer. Vermutlich war er auch beim Zugriff des SEK mit dieser Waffe auf die Beamten zugestürmt.

Täter wohl kein „Einsamer Wolf“
Bei dem Terroristen dürfte es sich nicht um einen „Einsamen Wolf“ handeln. Der tatverdächtige Abdul B. sei in der Vergangenheit durch ein hohes Maß an Straftaten, durch Radikalisierung und durch die Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen, so Dobrindt weiter. 

Deutschlands Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Sonntagnachmittag nahe des Anschlagsorts
Deutschlands Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Sonntagnachmittag nahe des Anschlagsorts(Bild: EPA/FADI YOUSEF)

In Berlin sei er zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt worden, die Strafe sei zur Bewährung ausgesetzt worden. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Weswegen genau Abdul B. verurteilt wurde, sagte Dobrindt nicht.

Angesichts dessen, dass sich der Terrorist offenbar in der einschlägig bekannten Szene bewegt hatte, bestehe wohl auch trotz der Tötung des 21-Jährigen ein erhöhtes Risiko für weitere Angriffe.

Zur Parade hat er es nicht hin geschafft
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte, die Strecke der Parade zum Christopher Street Day sei nicht von dem Anschlag getroffen worden: „Dort ist der Täter nicht hinaufgekommen, weil die Polizei, die Sicherheitsbehörden, die Strecke abgesichert hatten. Aber rund 400 Meter daneben sind immer noch Besucherinnen und Besucher des Christopher Street Day gewesen.“

Wegner kündigte an, dass der Berliner Senat zu einer Sondersitzung zusammenkomme. Es solle auch Gespräche mit Sicherheitsbehörden geben, um Erkenntnisse zu gewinnen, wie in Zukunft solche Taten verhindert werden können.

„Wir lassen uns nicht unterkriegen“
Bereits Sonntagmittag hatten Hunderte Menschen am Brandenburger Tor der Opfer gedacht. Menschen legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und lagen sich in den Armen, andere hielten Regenbogenflaggen und Plakate und Banner hoch, darauf stand etwa „Hass ist tödlich“, „Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle“ oder „We will dance again“. „Gestern war ein Angriff auf uns alle, auf alle unsere Eventitäten, auf unsere Existenzen, auf unsere Gemeinschaft und unsere Demokratie. Und wir lassen uns davon nicht unterkriegen“, hieß es in einem der Redebeiträge auf einer Bühne.

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