Schnarchen ist weit verbreitet – und wirkt sich auf die Betroffenen und ihre Partner aus. Nicht immer ist eine Schlafmaske oder gar eine Operation nötig, wie viele Patienten befürchten. Welche sanften Möglichkeiten es gibt und wann sie sinnvoll sind, zeigt ein Blick auf moderne Diagnostik und bewährte Behandlungsansätze.
Schnarchen nervt! Doch hinter dem nächtlichen „Sägen“ steckt nicht immer gleich eine ernsthafte Erkrankung. Beim sogenannten primären Schnarchen (Rhonchopathie, „einfaches“ Schnarchen) geht es vor allem um störende Atemgeräusche ohne Krankheitswert. Anders bei der Schlafapnoe: Hier kommt es nachts zu wiederholten Atemaussetzern, die den Körper belasten und als gesundheitsgefährdend eingestuft werden.
„Bevor man nach Lösungen bzw. Therapien sucht, muss in beiden Fällen eine umfassende Abklärung erfolgen“, erklärt OA Dr. Maximilian Hartl, stellvertretender Abteilungsleiter, Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Ordensklinikum Linz GmbH, Barmherzige Schwestern. Dazu gehören ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch unter Zuhilfenahme standardisierter Fragebögen und vor allem eine Schlafuntersuchung. Häufig erfolgt diese zu Hause (Polygraphie). Dabei werden unter anderem Atmung, Sauerstoffgehalt im Blut und Herzfrequenz während der Nacht gemessen.
Eine Frequenzanalyse des Schnarchgeräuschs gibt wichtige Hinweise auf den Ort der Entstehung.

OA Dr. Maximilian Hartl, Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Ordensklinikum Linz GmbH, Barmherzige Schwestern.
Bild: Werner Harrer
„Insbesondere in der Abklärung der primären Rhonchopathie kann eine Frequenzanalyse des Schnarchgeräuschs wichtige Hinweise auf den Ort der Entstehung geben“, berichtet der Facharzt. Moderne Wearables oder KI-basierte Systeme können zwar Hinweise zur Ursache liefern, „ersetzen derzeit jedoch noch nicht das vorhin Erklärte.“ In speziellen Fällen führt der Arzt im Schlaflabor eine sogenannte Polysomnographie durch, die zusätzlich auch die Hirnaktivität erfasst.
Bei der Schlafapnoe gilt die sogenannte CPAP-Maske als Goldstandard, das heißt als derzeit bestes Therapieverfahren. Dabei handelt es sich um eine Atemmaske, die nachts einen leichten Überdruck erzeugt und so die Atemwege offen hält. Die Vorstellung, mit einer solchen Maske schlafen zu müssen, löst bei vielen Betroffenen Ablehnung aus. Dann können Alternativen in Erwägung gezogen werden. Um herauszufinden, was infrage kommt, führt der Arzt eine Schlafvideoendoskopie in leichter Sedierung (Dämmerschlaf) durch. Mit einer kleinen Kamera wird dabei beobachtet, wo genau die Atemwege im Schlaf zusammenfallen. „Auf diese Weise kann vor allem der Ort des Entstehens der Rhonchopathie oder Obstruktion identifiziert werden“, so OA Dr. Hartl.
Schiene für das Unterkiefer hilft vielen
Zu den wichtigsten konservativen Optionen zählt die Unterkieferprotrusionsschiene. „Diese wird vor dem Schlafengehen eingesetzt und verlagert den Unterkiefer leicht nach vorne. Dadurch wird verhindert, dass die Zunge zurückfällt und die Atemwege blockiert. Wichtig ist aber eine kieferorthopädische Anpassung“, erklärt Dr. Hartl. Einfache, selbst anzupassende Modelle sind zwar kostengünstiger, aber nur für eine sehr kurze Nutzung geeignet.
Für Schnarcher ohne Atemaussetzer gibt es zudem spezielle Schnarchschienen oder -spangen, die zusätzlich den weichen Gaumen (den hinteren, beweglichen Teil des Gaumens) stabilisieren. Eine andere Möglichkeit sind Vibrationsgurte: „Diese erkennen, wenn der Schlafende am Rücken liegt, und geben dann sanfte Impulse, damit er sich unbewusst und ohne aufzuwachen auf die Seite dreht. Das hilft sogar bei lageabhängiger Schlafapnoe“, erläutert der Facharzt.
Seitenschläferkissen als günstige Lösung
Etwas einfacher, aber oft weniger komfortabel sind Seitenschläferkissen oder spezielle Shirts und Rucksäcke mit eingenähten Polstern. Sie verhindern ebenfalls das Drehen auf den Rücken – allerdings empfinden viele sie als störend. Früher nähten sich Schnarcher alternativ einen Tennisball auf den Rückenteil des Pyjamaoberteils – davon ist man aber mittlerweile wieder abgekommen.
Da das primäre Schnarchen in der Regel keine gesundheitlichen Schäden verursacht, sollte eine Behandlung möglichst schonend sein. „Gerade hierbei eignen sich zunächst konservative Therapieversuche. Chirurgische Alternativen sind nur als Mittel der zweiten Wahl anzusehen“, so Dr. Hartl abschließend.
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