Die österreichische Hotellerie blickt mit vorsichtigem Optimismus auf die kommenden Ferienmonate – doch hinter den Kulissen bleibt die Lage angespannt. Während die Nachfrage für Juli und August laut Österreichischer Hotelvereinigung (ÖHV) gut ist, kämpfen viele Betriebe mit höheren Kosten, zurückhaltenden Gästen und einem völlig veränderten Buchungsverhalten.
„Es ist nicht so, dass alle jammern“, sagte ÖHV-Sprecher Martin Stanits nun in einem Interview. Der Start in den Sommer sei allerdings nicht überall zufriedenstellend verlaufen. Gleichzeitig würden viele Urlauber immer kurzfristiger entscheiden. Selbst wer aktuell nur bei rund 85 Prozent des Vorjahresniveaus liege, könne am Ende noch eine volle Auslastung erreichen.
„Die entscheidenden Monate kommen jetzt“
Die Sommersaison sei wirtschaftlich „noch keine gemähte Wiese“, betonte Stanits. Nach einem leichten Nächtigungsplus von 1,5 Prozent im Mai und Juni gegenüber dem Vorjahr sei die Branche aber vorsichtig optimistisch. Laut Statistik Austria waren die ersten beiden Monate der Sommersaison die stärkste Sommervorsaison seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen im Jahr 1973/74.
Stanits verwies jedoch darauf, dass auch zusätzliche Betten auf den Markt gekommen seien. Entscheidend sei daher nicht nur die Zahl der Nächtigungen, sondern auch die tatsächliche Auslastung der Betriebe.
Gäste sparen trotz voller Hotels
Die größten Herausforderungen liegen laut ÖHV nicht unbedingt bei der Zahl der Urlauber, sondern bei den Einnahmen. „Die Sache ist eher das Einnahmenniveau, die Kostenerhöhungen“, erklärte Stanits. Viele Beherbergungsbetriebe hätten mit deutlich gestiegenen Kosten zu kämpfen.
Gleichzeitig würden Gäste stärker auf ihr Budget achten. Ein Teil der Urlauber weiche auf günstigere Angebote aus – etwa Ein- und Zwei-Sterne-Hotels oder gewerbliche Ferienwohnungen. „Man schaut aufs Geld“, sagte der Branchensprecher. Insgesamt seien die Hotels zwar „gut gebucht“, aber nicht flächendeckend ausgebucht.
Urlaub wird immer kurzfristiger geplant
Ein wesentlicher Trend sei die immer spätere Buchung. „Immer kurzfristiger heißt bei uns, jetzt bucht man zehn Tage vorher“, sagte Angelica Freyler vom Wellness- und Seminarhotel Schlosspark Mauerbach. Im Vorjahr hätten Gäste durchschnittlich noch rund 17 Tage vor der Anreise gebucht, vor der Corona-Pandemie seien es etwa sechs Wochen gewesen.
Der klassische „Last-minute“-Urlaub habe sich dadurch verändert: Spontane Buchungen seien mittlerweile zum Normalfall geworden. Wie kurzfristig Gäste entscheiden, hängt laut Stanits stark von Zielgruppe, Urlaubsort und Hotelangebot ab. Familien würden etwa weniger spontan buchen als Paare ohne Kinder. Auch Geschäftsreisende oder Gäste mit höherem Budget würden meist länger im Voraus planen.
Internationale Gäste fehlen teilweise
Die wichtigsten Herkunftsmärkte für Österreichs Hotels bleiben Deutschland und Österreich. Bei anderen internationalen Gästen gibt es laut ÖHV jedoch Veränderungen. Auswirkungen hätten unter anderem die Folgen des Kriegs in der Ukraine sowie internationale Konflikte. Russische und ukrainische Gäste würden bereits seit Jahren fehlen, nun seien teilweise auch Gäste aus arabischen Ländern, Israel und weiter entfernten Märkten weniger präsent.
Besonders die arabischen Märkte seien betroffen. Laut Statistik Austria gingen die Nächtigungen von Gästen aus diesen Regionen im Mai und Juni gegenüber dem Vorjahr um 43,8 Prozent auf 138.000 zurück. Zwar mache diese Gruppe nur einen kleinen Anteil an den gesamten mehr als 22 Millionen Nächtigungen in diesem Zeitraum aus, die Gäste würden aber häufig überdurchschnittlich viel Geld im Land ausgeben. „Das schmerzt natürlich“, sagte Stanits.
Wetter bleibt Unsicherheitsfaktor
Neben Buchungsverhalten und internationaler Lage bleibt auch das Wetter ein entscheidender Faktor – vor allem für Ferienhotels in Seenähe oder anderen stark wetterabhängigen Regionen.
„Wenn nicht viel dazu passiert, wird das ein guter Sommer“, zeigte sich Stanits vorsichtig zuversichtlich. Die Branche müsse aber weiter mit kurzfristigen Entscheidungen der Gäste und wechselnden Rahmenbedingungen umgehen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.