Kein Einzeltäter?

Berlin-Anschlag: Verdächtiger identifiziert

Deutschland
26.07.2026 09:33

Nach dem Angriff auf den Christopher Street Day in Berlin ist ein Verdächtiger identifiziert. Der 21-jährige Abdul B., der noch auf der Flucht ist, ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene zugerechnet. Er soll am Samstag mit einem weißen Transporter in die feiernde Menge gerast sein und könnte auch mit einer Waffe auf Passanten eingestochen haben. Eine Frau starb, 16 weitere Menschen wurden verletzt.

Hunderttausende Menschen waren am Samstag durch die Straßen Berlins marschiert, um beim Christopher Street Day ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt zu setzen und für die Rechte von LGBTQ-Personen zu demonstrieren. Der Marsch verlief friedlich, die Party am Abend musste aber kurz nach 22 Uhr abrupt beendet werden, nachdem ein weißer Transporter in die Menge gerast war. Der Fahrer stieg Zeugen zufolge aus dem Fahrzeug und flüchtete – dabei soll er auch mit einer Stichwaffe auf Feiernde losgegangen sein.

„Möglicherweise bewaffnet und gefährlich“
Die Polizei gab in den frühen Morgenstunden bekannt, dass es sich bei dem Gesuchten um den 21-jährigen Abdul B. handelt, und veröffentlichte ein Foto des derzeit Hauptverdächtigen. Wer wisse, wo sich der rund 1,90 Meter große und schlanke 21-Jährige aufhalte, solle ihn aber „in keinem Fall“ ansprechen. „Meiden Sie den direkten Kontakt“, heißt es in der Mitteilung. B. sei „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“. Laut „Bild“-Informationen habe die Polizei auch Hinweise auf einen möglichen Mittäter.

Abdul B. soll laut Zeugen bei dem Angriff auch eine Stichwaffe dabei gehabt haben. Wie die „B.Z.“ schrieb, soll es sich um eine Machete gehandelt haben, mit der er mehrere Passanten angegriffen habe. „Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Noch ist auch nicht geklärt, ob eine Person oder mehrere aus dem Transporter geflüchtet seien.

Abdul B. (kleines Bild) verübte mit einem weißen Transporter den Anschlag auf die Berliner ...
Abdul B. (kleines Bild) verübte mit einem weißen Transporter den Anschlag auf die Berliner Pride.(Bild: Krone KREATIV/AFP/RALF HIRSCHBERGER)

Erst im Mai aus Jugendarrest entlassen
Zu den Hintergründen und Motiven des Tatverdächtigen konnte die Polizei auch Sonntagfrüh nicht mehr sagen – Maßnahmen, den Mann zu finden, seien eingeleitet und liefen „mit Hochdruck“. Laut „Bild“ sei B. Anhänger des Islamischen Staates und erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden. Er sei deutscher Staatsbürger – 2005 in Berlin geboren – libanesischer Herkunft.

Der Zeitung zufolge wurde eine Wohnung in Berlin-Schöneberg durchsucht und die Fahndung noch in der Nacht auf alle deutschen Außengrenzen ausgeweitet. Polizeibehörden in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, Tschechien, Polen, Dänemark und Österreich seien alarmiert worden.

Frau starb noch am Tatort
Die Polizei sprach kurz nach dem Attentat mit dem Transporter von einem „Massenanfall von Verletzten“. In einem späteren Update hieß es, 16 Menschen müssten medizinisch versorgt werden. Drei Personen davon seien lebensgefährlich verletzt worden, acht weitere schwer. Eine weitere Person – Berichten zufolge eine Frau – starb noch am Tatort.

Der blutige Zwischenfall ereignete sich im Bereich des Tiergartens, der in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor liegt. Brisant: Besucher auf der Ostseite des Tors wurden zunächst nicht über die Lage informiert. Danach wurde das Areal abgesperrt.

Dieser X-Beitrag zeigt den Moment, in dem die Veranstaltung abgesagt wurde:

„Verlasst das Gelände!“
Innerhalb kürzester Zeit wurden die Teilnehmer der Feierlichkeiten über Social-Media-Kanäle und auf einem großen Bildschirm vor Ort aufgefordert, die Siegessäule und den Großen Tiergarten zu meiden. „Verlasst das Gelände Richtung Hauptbahnhof!“, lautete der Aufruf der Veranstalter, der von der Polizei mehrmals wiederholt wurde (siehe auch Video oben). 

Die Karte zeigt den Ort eines Vorfalls am Rande des Christopher Street Day in Berlin, bei dem ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Brandenburger Tors und des Tiergartens. Es gab einen Toten und zahlreiche Verletzte. Quelle: APA.

Wärmebilddrohnen im Einsatz
Auf der Suche nach dem Täter bzw. den Tätern wurden Polizeihubschrauber und die Spezialeinheit GSG 9 hinzugezogen. Die Polizei war auch mit Wärmebilddrohnen im Einsatz, die Ermittler gingen laut „Morgenpost“ aber schon in der Nacht nicht mehr davon aus, dass sich der Gesuchte noch in der Gegend befindet. 

Allein der Große Tiergarten hat eine Fläche von rund 2,1 Quadratkilometer, schilderte „Krone“-Journalist Christoph Engelmaier, der zum Christopher Street Day nach Berlin gefahren war. Er war unter den Feiernden in der Nähe der Siegessäule, die Amokfahrt selbst hat er zum Glück nicht direkt mitbekommen.

Die weitere Party sei dann abrupt abgesagt worden – auch der Auftritt von Sarah Connor am Brandenburger Tor musste abgebrochen werden. Bis dahin hatte die deutsche Sängerin mit einer Regenbogenflagge um die Schultern rund eine halbe Stunde lang ihre Songs gespielt. Nach dem Konzert meldete sie sich per Instagram bei ihren Fans: „Mir fehlen die Worte.“

Wie es möglich gewesen ist, dass der Transporter in die Menge fahren konnte, ist unklar. Denn bereits im Vorfeld der blutigen Attacke sei alles rund um die Pride mit Pollern und Straßensperren gesichert gewesen, schildert Engelmaier, der erst nach ein paar Stunden „das Ganze zu begreifen“ begonnen habe.

„Schrecklicher Angriff auf die Stadt der Freiheit“
Der regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. Berlin sei die Stadt der Freiheit – „und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden“. Den Opfern und deren Angehörigen drückte er sein Beileid aus, den Einsatzkräften seinen Dank.

Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilt den Vorfall als „abscheuliche Tat“, wie sein Sprecher laut „Bild“ sagte. 30 Personen wurden noch vor Ort psychologisch betreut.

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