Ihr Partner schnarcht, dann tritt plötzlich Stille auf. Sekunden, die sich endlos anfühlen – bis ein lautes Luftholen die Nacht „zerreißt“. Was viele als nervige Gewohnheit abtun, ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Denn Schlafapnoe und damit einhergehende Atemaussetzer schaden Herz, Hirn – und sogar der Potenz.
Schnarchen gilt landläufig als lästige, aber harmlose „Nachtmusik“. „Doch wenn es immer wieder durch längere Atempausen unterbrochen wird und danach ein lautes ‚Befreiungsschnarchen‘ folgt, deutet das auf eine sogenannte Schlafapnoe hin“, erklärt Schlafmediziner Dr. Michael Saletu. Dann ist „Schluss mit lustig“. Diese Warnsignale sollte man ernst nehmen!
Zu diesen gefährlichen Atemaussetzern kommt es, wenn nachts die Muskeln im Rachen so stark erschlaffen, dass die Atemwege zeitweise zusammenfallen, also kollabieren. Die Luft bleibt weg, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt – und das Gehirn schlägt Alarm. Der Körper reißt sich dann selbst aus dem Schlaf, die Atemwege öffnen sich ruckartig, oft begleitet von einem kräftigen Schnarchgeräusch.
Meist bemerkt der Partner diese Atempausen, während die Betroffenen selbst nur selten das plötzliche Aufschrecken mit lautem Schnarchgeräusch wahrnehmen.
Etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind in medizinisch relevanter Form von einer Schlafapnoe betroffen.

Dr. Michael Saletu, Schlafmediziner und Neurologe
Bild: Eva Manhart
„Etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind in medizinisch relevanter Form betroffen“, berichtet der Schlafmediziner. „Schlafapnoe ist damit einer der häufigsten Gründe für eine Untersuchung im Schlaflabor – und die häufigste organische Schlafstörung überhaupt.“ Europäische Studien zeigen seit Jahren, dass die Erkrankung massiv unterschätzt wird.
Mit diesen Folgen müssen Betroffene rechnen
Dabei sind die Folgen alles andere als banal: Der wiederholte Sauerstoffmangel setzt Herz und Gefäßen zu. „Die obstruktive Schlafapnoe gilt als häufige Ursache für Bluthochdruck und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Grund dafür ist der wiederholte Sauerstoffmangel während der Atempausen“, klärt der Neurologe auf.
Durch den chronisch schlechten Schlaf steigt zudem das Risiko für Depressionen. Auch sogenannte metabolische Störungen treten häufiger auf. Damit sind Störungen des Stoffwechsels gemeint, etwa Probleme mit dem Zucker- und Fettstoffwechsel. In der Folge entwickeln sich vermehrt Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und ungünstige Cholesterinwerte.
Potenz in Gefahr
Und, Achtung Männer: Auch die Potenz kann leiden, denn Schlafapnoe schädigt langfristig die Gefäße und beeinträchtigt die nächtliche Sauerstoffversorgung – beides wichtige Faktoren für die Erektionsfähigkeit. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen unbehandelter Schlafapnoe und erektiler Dysfunktion.
Wer den Verdacht hat, an Schlafapnoe zu leiden, sollte aktiv werden. „Dann ist eine Screening-Untersuchung beim Lungenfacharzt oder Neurologen sinnvoll. Übrigens bieten auch moderne Smartwatches inzwischen eine erste Screening-Funktion an“, so Dr. Saletu.
Die Behandlung erfolgt meist mit einer Atemmaske (CPAP), die nachts mit leichtem Überdruck die Atemwege offen hält. „Je nach Typ der Schlafapnoe können auch Eingriffe durch HNO-Ärzte, zahnmedizinische Lösungen oder künftig sogar Medikamente infrage kommen“, erklärt der Schlafmediziner. Ergänzend helfen mitunter Gewichtsreduktion, Verzicht auf Alkohol am Abend und Schlafen in Seitenlage.
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