In den USA fahren Teslas schon länger über die Straßen, ohne dass der Fahrer die Hand am Lenkrad haben muss. Künftig gibt es das auch in Europa: Die Niederlande haben als erstes EU-Land „Full Self-Driving (Überwacht)“ zugelassen. Wenn was passiert, ist trotzdem der Fahrer dran.
In den kommenden Tagen soll das System per Software-Update in geeignete Autos kommen.
Der Name ist, wie so oft bei Tesla, ein bisschen größer als die Realität. „Full Self-Driving“ klingt nach autonomem Fahren. Tatsächlich handelt es sich um ein Assistenzsystem – wenn auch ein sehr weit entwickeltes. Das Fahrzeug kann im Alltag vieles selbst übernehmen: durch den Stadtverkehr navigieren, Kreuzungen bewältigen, Spurwechsel durchführen.
Aber: Der Fahrer muss jederzeit aufmerksam bleiben. Und ist rechtlich vollständig verantwortlich. Autonomes Fahren im eigentlichen Sinn ist das also nicht.
Lernen wie ein Mensch – sagt Tesla
Technisch setzt Tesla auf einen anderen Ansatz als viele klassische Hersteller. Statt fest programmierter Regeln arbeitet das System mit einem neuronalen Netzwerk, das aus realen Fahrdaten lernt.
FSD (Überwacht) nutzt hauptsächlich die externen Kameras des Fahrzeugs und künstliche Intelligenz, um durch den Verkehr zu navigieren. Die gesamte Echtzeitanalyse der Umgebung – einschließlich der Verarbeitung von Kamerabildern und Sensordaten – erfolgt direkt auf dem fahrzeugeigenen KI-Computer. Während lokale Verarbeitung Standard ist, nutzt Tesla das „Fleet Learning“ (Lernen der Fahrzeugflotte), um die Systemfähigkeiten im Laufe der Zeit durch Over-the-Air Software-Updates zu verbessern. Die Teilnahme an diesem Flottenlernen erfordert eine Zustimmung der Kunden, und es werden nur anonymisierte Daten zu diesem Zweck an Tesla weitergegeben, sagt der Hersteller.
Herzstück des Systems ist ein „End-to-End-neuronales Netzwerk“, das mit realen, anonymen Fahrdaten trainiert wurde, um seine Umgebung zu interpretieren und Fahrentscheidungen in Echtzeit zu treffen. Anstatt sich auf separate, handcodierte Regeln für jede Situation zu verlassen, lernt das System, die mit dem Fahren verbundenen Aufgaben zu verstehen – von Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsschildern und Ampeln bis hin zu Fußgängern und anderen Fahrzeugen – und gibt die Steuerbefehle direkt an das Fahrzeug aus. Laut Tesla kann sich das System durch diesen Ansatz mit zunehmendem Datenvolumen kontinuierlich verbessern, sich an komplexe, reale Fahrumgebungen anpassen und ein reibungsloses, natürliches Fahrerlebnis bieten.
Lernstoff gibt es reichlich:Die weltweite Flotte liefert täglich Daten im Ausmaß von rechnerisch über 500 Jahren Fahrzeit.
Tesla spricht davon, dass mit aktiviertem System Unfälle pro Kilometer bis zu siebenmal seltener auftreten sollen als beim rein menschlichen Fahren. Das Problem: Solche Angaben sind schwer vergleichbar, weil Rahmenbedingungen, Datengrundlage und Auswertung nicht einheitlich sind. Fest steht nur: Weltweit wurden laut Tesla bereits über 14 Milliarden Kilometer mit dem System zurückgelegt.
Europa bleibt vorsichtig
Dass ausgerechnet die Niederlande den Anfang machen, passt ins Bild. Das Land gilt als offen für neue Mobilitätskonzepte – gleichzeitig ist die Regulierung streng.
Tesla hat in Europa mehr als 1,6 Millionen Testkilometer mit aktivem System gesammelt und über Monate hinweg Behörden mit Daten, Studien und Demonstrationen versorgt. Trotzdem: Die Zulassung gilt vorerst nur dort. Andere Länder – auch Österreich – prüfen noch.
Und jetzt?
Für europäische Kunden bedeutet das vorerst vor allem eines: zuschauen. Während in den Niederlanden erste Fahrzeuge mit dem System unterwegs sein werden, bleibt der Rest Europas in der Warteschleife. Tesla arbeitet zwar an weiteren Genehmigungen – wann und wo das System tatsächlich ausgerollt wird, ist offen.
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