Furcht vor der Stadt

So reagiert Politik auf Naschenwengs Angst-Sager

Wien
01.06.2026 05:00

„Angst im eigenen Land“ verspürt Schlagerstar Melissa Naschenweng vor allem in Städten – wie Wien. Aber was sagen die Politiker dazu?

„Ich habe einfach Angst. Ich fühle mich allein in der Nacht nicht sicher“, sagt Schlagerstar Melissa Naschenweng, angesprochen auf die Städte Wien, Linz und Graz, im „Krone“-Podcast „Message, Macht, Medien“.

Viele Wienerinnen und Wiener sehen das genauso – wir berichteten. Zeit, im Wiener Rathaus nachzufragen: Was sagen die Politiker dazu?

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) will ein Waffenverbot in der Stadt.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) will ein Waffenverbot in der Stadt.(Bild: Eva Manhart)

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ):
„Die Sicherheit der Wiener Bevölkerung ist mir sehr wichtig und das gelingt gemeinsam mit der Wiener Polizei. Wir unterstützen die Polizei bei ihrer Arbeit, indem wir als Stadt Aufgaben von ihnen übernommen haben – vom Fundwesen, dem Meldewesen, dem Passwesen bis zur Parkraumbewirtschaftung – damit sie zusätzliche Ressourcen für die Kriminalitätsbekämpfung mobilisieren können oder auch beim Anwerben neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wir erwarten uns aber auch, dass in der Bundeshauptstadt Wien mehr Polizistinnen und Polizisten unterwegs sind und das hat das Innenministerium sicherzustellen. Ich bin auch bereit, die Polizei in den Verantwortungsbereich der Stadt Wien zu übernehmen, wenn die Bundesregierung nicht sicherstellen kann, dass es hier mehr Polizistinnen und Polizisten gibt, um auch im öffentlichen Raum präsent zu sein.

Denn es gibt vieles umzusetzen. Und vieles haben wir in Wien bereits gemacht: von der Videoüberwachung am Reumannplatz über die Schutzzone in der Gumpendorfer Straße, das Alkoholverbot am Westbahnhof, am Praterstern bis hin zum Waffenverbot, das wir dort umgesetzt haben.

Und von daher fordere ich auch ein generelles Waffenverbot in der Stadt.“

Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) setzt auf Maßnahmen.
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) setzt auf Maßnahmen.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos):
„Die Gefühle und Wahrnehmungen von Frau Naschenweng zu kommentieren oder gar zu bewerten, steht mir nicht zu. Unabhängig davon gilt: Wien ist nach wie vor eine der sichersten Metropolen der Welt, und ich selbst fühle mich in dieser Stadt jeden Tag sicher. Doch das Sicherheitsempfinden der Wienerinnen und Wiener ist uns ein wichtiges Anliegen. Genau deshalb setzen wir dort an, wo Sicherheit im Alltag und Miteinander entsteht, mit der Arbeit der Wiener Jugendzentren, der Parkbetreuung und den Awareness-Teams und mit einem klaren Maßnahmenpaket gegen Jugendkriminalität, das früh ansetzt und bis zu klaren Konsequenzen reicht.“

Dominik Nepp (FPÖ): „In meiner Jugend war es sicherer.“
Dominik Nepp (FPÖ): „In meiner Jugend war es sicherer.“(Bild: Zwefo)

FPÖ-Chef Dominik Nepp:
„Wenn selbst heimische TV-Stars und Künstler öffentlich ansprechen, dass sie sich in Wien oder anderen Städten nicht mehr sicher fühlen, zeigt das sehr deutlich, wie ernst die Situation inzwischen ist. Das Unsicherheitsgefühl hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen und kann nicht einfach ignoriert werden, während die rot-pinke Stadtregierung weiterhin die Augen vor der Realität verschließt.

In meiner Jugend konnte man sich in Wien noch wesentlich unbeschwerter und sicherer in der ganzen Stadt bewegen. Heute erleben meine Töchter und auch ich ein anderes Wien. Es gibt aber immer mehr Orte, an denen viele Wienerinnen und Wiener kein gutes Gefühl mehr haben, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden. Das Erschreckende: Die Kriminalität beschränkt sich längst nicht mehr auf Problemzonen wie den Reumannplatz, Praterstern, Handelskai oder die U6. Die Brennpunkte breiten sich immer mehr auf ruhige Wohngegenden wie etwa Döbling aus.

Zuerst braucht es deutlich mehr Polizeipräsenz auf Wiens Straßen sowie eine Aufstockung der Polizeikräfte. Wir fordern mindestens 1500 zusätzliche Polizisten.“

Judith Pühringer (Grüne) fordert mehr Polizeipräsenz.
Judith Pühringer (Grüne) fordert mehr Polizeipräsenz.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

Judith Pühringer (Grüne):
„In Wien ist kein Platz für Gewalt und Hass, das zerstört unser Miteinander und das persönliche Sicherheitsgefühl. Alle Wienerinnen und Wiener sollen sich in ihrer Stadt sicher fühlen können – und zwar in jedem Bezirk, zu jeder Uhrzeit und in den eigenen vier Wänden. Wien ist statistisch eine der sichersten Großstädte der Welt, aber natürlich ist immer das persönliche Sicherheitsgefühl entscheidend. Wir setzen uns daher für ein Maßnahmenbündel ein, zum Beispiel mehr Polizeipräsenz, den Einsatz von speziell ausgebildeter Grätzelpolizei und mehr Straßensozialarbeit.

Das Thema Sicherheit betrifft zudem auch Fragen der Stadtplanung und wie man öffentliche Räume sicher gestaltet. Schlecht beleuchtete Gegenden werden in der Nacht insbesondere von Frauen gemieden, hier kann die Stadt mit entsprechender Planung und Beleuchtung gegensteuern. Wir befürworten außerdem ein generelles Waffenverbot für ganz Wien.“

Markus Figl (ÖVP) wittert in der Stadt ein „Integrationsversagen“.
Markus Figl (ÖVP) wittert in der Stadt ein „Integrationsversagen“.(Bild: Martin A. Jöchl)

Markus Figl (ÖVP):
„Gerade Frauen, Jugendliche und ältere Menschen berichten zunehmend, dass sie sich an bestimmten Hotspots, in Parks oder rund um öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr sicher fühlen. Ursache dafür ist insbesondere das jahrelange Integrationsversagen der SPÖ-Neos-Stadtregierung, durch das Parallelgesellschaften, mangelnde Deutschkenntnisse und Jugendkriminalität an Brennpunkten zunehmen.

Statt Probleme ehrlich anzusprechen, wurde von Rot-Pink viel zu lange beschwichtigt. Die Polizei leistet hervorragende Arbeit, kann die durch die verfehlte Integrationspolitik verursachten Probleme aber nicht alleine lösen, weshalb es klare Integrationsregeln, Alkoholverbotszonen oder eine Wiener Stadtwache zur Entlastung braucht.“

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