„30% mehr Leistung“

Dominic Thiem: Wo KI wirklich beim Training hilft

Web
27.05.2026 06:00

2024 hat sich Dominic Thiem – die ehemalige Nummer 3 der ATP-Weltrangliste – aus dem Profisport verabschiedet. Sich fit und gesund zu halten, steht für den Ex-Tennisprofi aber weiterhin weit oben auf der Liste. Dafür setzt der 32-Jährige sogar noch intensiver als zu seiner aktiven Zeit auf Technik, allen voran natürlich KI.

Schon lange vor dem Einzug der Künstlichen Intelligenz wurden im Profi-Tennis technische Mittel zur Leistungsanalyse und damit verbunden zur Leistungssteigerung eingesetzt – in Thiems Fall etwa der klassische GPS-Pulsgurt oder das sogenannte Catapult-System, mit dem Bewegungsabläufe wie Sprint-Distanzen sowie Schlaganzahl oder Ballgeschwindigkeiten präzise aufgezeichnet wurden. Analysiert wurden auch Schlaf- und Regenerationsphasen und wie sich Matches oder ein Jetlag darauf auswirken. Daten der Gegner und von einem selber wurden zur Matchvorbereitung oder -nachbesprechung herangezogen. 

Dass eines der KI-Systeme, die etwa in der NFL bereits sieben Tage im Voraus die Wahrscheinlichkeit von Weichteilverletzungen berechnen können, Thiems folgenschwere Handgelenksverletzung 2021 vorhersehen hätte können, kann der 32-Jährige heute zwar nicht mit Sicherheit sagen, doch war es diese Verletzung, die schlussendlich sein Karriereende besiegelt hat.

Als Nicht-mehr-Profi „viel schwieriger, fit zu bleiben“
Seitdem beschäftigt sich Thiem als Privatmensch mit dem Thema Künstliche Intelligenz und deren Einfluss auf Gesundheit und Longevity. „Ich bin fast noch mehr reingekippt in das ganze Thema KI und meinen Körper zu tracken, als das während meiner aktiven Karriere der Fall war“, verrät Thiem in der aktuellen Folge des Ö3-Podcasts „KI-Check“, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Ein Grund sei, dass es als Nicht-mehr-Leistungssportler viel schwieriger sei, fit zu bleiben. 

Von Host Shin Chang gefragt, was er Noch-nie-Leistungssportlern raten würde, die sich mithilfe der KI einen Trainingsplan zusammenstellen oder sich auch in Fitness- und Ernährungsfragen beraten lassen wollen, hat Thiem konkrete Tipps parat. So lasse sich KI optimal zum Tracking von Trainings-, Schlaf- und Regenerationsphasen einsetzen – er selbst kombiniere eine Smartwatch mit entsprechenden Fitness-Apps am Handy. Thiem sieht sogar eine mögliche Leistungssteigerung von 30 Prozent im Gegensatz zu unstrukturiertem Training, wie er in dem Podcast sagt.

Wann KI ausreicht und wann ein echter Trainer ran sollte
Doch sobald es komplexer werde – etwa beim Wunsch nach Supplements – oder die Gefahr von Verletzungen durch falsches oder zu ambitioniertes Training steigt, gehe nichts über einen Trainer aus Fleisch und Blut. „Die KI kann nicht erkennen, wie du dich an dem Tag fühlst. Der Coach kennt dich einfach ganzheitlich, das ist nicht ersetzbar“, so der Ex-Profi. Er rät zur Kombi: „Die KI ist ein Werkzeug, um Daten besser auszuwerten, die man dann mit einem echten Coach bespricht.“ 

Am allerwichtigsten für Thiem ist aber, sich überhaupt zu bewegen. Das rät er auch Kindern und Jugendlichen – wie etwa beim CAPE 10 Innovationsgipfel im vergangenen Jahr: „Es hat nur Vorteile – körperlich und psychisch. Man braucht nicht viel dafür: rausgehen, laufen, etwas unternehmen. Das hat einen extrem positiven Effekt.“ Überhaupt bringe Training auf lange Sicht viel mehr, wenn man langsam und entspannt beginne – und durch das Tracking der eigenen Bewegung motiviert bleibe.

Die KI darf nicht „zur Geißel werden“
Mitunter komme es vor, dass sich auch die Intelligenz irrt – und halluziniert. „Bei den Zahlen vertut sie sich schon gern“, sind sich Thiem und Chang einig. Das könne etwa bei Rezepten, aber auch schon Trainingsplänen fatal werden. Deshalb sei es wichtig, die Ki mit den richtigen Informationen zu füttern. Um das tun zu können, sei es wichtig, seinen eigenen Körper zu kennen. Die Devices seien als Hilfe zu verstehen, sie dürften nicht „zur Geißel werden. Am Ende des Tages oder Monats muss man sich besser fühlen als vorher. Und wenn das nicht der Fall ist, dann Schluss damit.“

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