Bis zu 400.000 Euro

Uni-Rektoren kassieren mehr als der Kanzler

Innenpolitik
25.05.2026 19:00

Österreichs Uni-Rektoren steigen wegen vermeintlicher Einsparungen in der Wissenschaft auf die Barrikaden – verdienen selbst aber im internationalen Vergleich bei überschaubar guten Ergebnissen überdurchschnittlich viel. Die „Krone“ enthüllt nun die Luxus-Gagen in der Höhe von bis zu 195 Euro pro Student.

Für Spitzenleistungen müssen Spitzengagen bezahlt werden. Das gilt auch für Universitäten und ihre Professoren. Ob das in Österreich der Fall ist, wird jetzt mit der Debatte um das Wissenschaftsbudget infrage gestellt.

Österreichs Uni-Rektoren riefen bekanntlich den Untergang aus. „Kahlschlag”, „Supergau”, „historischer Angriff” – die Drohkulisse vor der geplanten Großdemonstration am Mittwoch am Wiener Ring könnte kaum apokalyptischer sein. Und die Politik? Stimmt brav ein. Doch so hohe Wellen der Studenten-Sturm auch schlug: Die Gagen der Uni-Rektoren sind wohl noch höher.

195 Euro pro Student
Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Wissenschaftsministeriums an FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz verdienen viele der Uni-Chefs, die jetzt just den Kollaps beschwören, mehr als der Bundeskanzler – der bekanntlich auf 281.280 Euro im Jahr kommt.

Die Zahlen aus dem Dokument stammen aus dem Jahr 2024 und zeigen: An der Spitze steht der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien mit 396.117 Euro brutto im Jahr. Dahinter folgen die Chefs der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit 361.817 Euro sowie der Medizinischen Universität Graz mit 361.448 Euro. Besonders pikant: Die Präsidentin der Universitätenkonferenz, die den Alarmismus anführt, steht selbst an der Spitze der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz – einer Kunstuni mit gerade einmal 1595 Studierenden – aber offenbar ein Job um 311.807 Euro. Sie kassiert damit 195 Euro pro Student.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Zum Vergleich: An der Universität Wien, mit 79.149 Studierenden die größte des Landes, entfallen auf jeden Studierenden gerade einmal 4,47 Euro des Rektorengehalts.

Ausgerechnet diese Spitzenverdiener greifen mit Eva-Maria Holzleitner nun aber auch just jene Ministerin frontal an, die hinter den Kulissen bis ins Kanzleramt für mehr Mittel gekämpft hat – ohne öffentlich ein einziges kritisches Wort über die Unis zu verlieren. Die Opposition hat den Chor bereitwillig verstärkt. Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer wittert einen „historischen Angriff auf Universitäten” und einen „systematischen Abbau des Wissenschaftsstandorts” – und nutzt die Gelegenheit gleich, um der SPÖ eins auszuwischen: Schließlich stelle sie Vizekanzler, Finanzminister und Wissenschaftsministerin. Auch FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer stimmte ein – das Budget sei „reformlos, mutlos, zukunftslos.” Und selbst Wiens mächtiger SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig rückte zur Rüge seiner Genossin aus: „Wer heute bei Universitäten kürzt, spart bei den Ärzten und Lehrern von morgen”, ließ er auf X (vormals Twitter) ausrichten.

Budget sogar gestiegen
All das scheinen empirische Beobachtungen zu sein – valide Daten zeichnen aber ein anderes Bild. Das Uni-Budget ist in der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode sogar um 34 Prozent gestiegen – der höchste Stand aller Zeiten. Österreich gibt zudem laut OECD-Bericht „Education at a Glance 2025” 1,6 Prozent des BIP für den Tertiärbereich aus – EU-weit Platz zwei, nur hinter Norwegen. Pro Studierendem sind es rund 26.900 US-Dollar jährlich, weit über dem OECD-Schnitt. Von „Aushungern” kann man da wohl nicht sprechen. 

Top-Gagen, schlechte Platzierungen
Während Pensionisten sparen müssen und Familien unter der Teuerung ächzen, rollt an den Uni-Spitzen das große Geld. Wissenschaftsskepsis hat in der Politik noch nie gut geendet. Doch die Gehälter jener, die gerade den Weltuntergang ausrufen, darf die Politik diesmal offenbar skeptisch beäugen. Zumal trotz der Top-Gehälter für die Uni-Spitzen im internationalen Vergleich alles andere als Top-Ergebnisse herausschauen. Österreich ist im internationalen Vergleich bei den Ausgaben für Universitäten im Spitzenfeld – hatte mit der Universität Wien im Vorjahr aber nur eine einzige heimische Uni, die es unter die Top 100 des „THE World University Ranking“ geschafft hat. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung