Beamter vor Gericht

„Wollte ihr Bestes“: Polizist ohrfeigte 16-Jährige

Gericht
26.05.2026 15:00

Beamte werden in Wien-Liesing nachts zu einem Einsatz gerufen. Eine möglicherweise suizidgefährdete 16-Jährige sei gegenüber Sanitätern handgreiflich geworden und würde sich in einem Industriegelände verstecken. Die Amtshandlung eskalierte und brachte einen Beamten vor die Strafrichterin. Er soll die Jugendliche geohrfeigt haben.

2. August 2025, Wien-Siebenhirten, 3 Uhr früh: Zwei Sanitäter rufen die Polizei, nachdem eine betrunkene 16-Jährige ihnen gegenüber handgreiflich geworden war. Die Beamten rücken zu dem Industriegelände an, wo sich das Mädchen unter einer Laderampe versteckt hat. Es geht nicht freundlich zu. Das Mädchen schimpft.

„Ja, auch Polizisten sind Menschen. Sie haben Emotionen und machen Fehler. Aber auf solche Situationen sind sie speziell ausgebildet“, leitet der Staatsanwalt im Wiener Landl den Prozess um Amtsmissbrauch ein.  Der Vorwurf gegen den 25-jährigen Polizisten: Er soll dem Mädchen bei der Amtshandlung eine Ohrfeige versetzt haben.

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Ich wollte nur das Beste für sie.

Der angeklagte Inspektor im Prozess

Der Polizist leugnete. Und gestand dann doch. (rechts: Symbolbild)
Der Polizist leugnete. Und gestand dann doch. (rechts: Symbolbild)(Bild: Krone KREATIV/Anja Richter, Daniel Scharinger, Krone KREATIV)

Suizidgefahr stand im Raum
Der Mann leugnet und beschönigt sein Verhalten bei dem Einsatz. „Bitte komm raus“, will er gesagt haben. Danach auch „Bitte stell dich zur Wand“, und „Bitte zeig mir deinen Ausweis“. „So freundlich waren Sie?“, fragt Richterin Claudia Zöllner verwundert nach. Denn laut Akt ist der Polizist das Mädchen ziemlich hart angegangen. Obwohl offenbar sogar im Raum stand, dass die Jugendliche, die in einer betreuten Einrichtung wohnt, suizidgefährdet sein könnte.

„Ich wollte nur das Beste für sie“, behauptet der Polizist, dass er das Mädchen bei einer Abwehrbewegung unabsichtlich im Gesicht getroffen hätte. „Die junge Dame war völlig irre“, sagt er.

„Habe seine Mutter beleidigt“
„Dieser Polizist hat mir eine Backpfeife gegeben“, stellt das Opfer klar. Eine anonyme Anzeige hat den Fall ins Rollen und den Beamten vor Gericht gebracht. „Ich war vielleicht ein bisschen bockig. Er wollte unbedingt meinen Ausweis sehen. Da hab’ ich seine Mutter beleidigt. Ich war frech, aber das rechtfertigt ja noch keine Ohrfeige“, erinnert sich das Mädchen im Landl.

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Ich war frech, aber das rechtfertigt ja noch keine Ohrfeige.

Die 16-Jährige als Zeugin

Nachdem auch die weiteren Zeugen den Polizisten belasteten, änderte dieser doch noch seine Verantwortung und gab die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu. Er habe letzten Sommer Dutzende Überstunden gemacht und war mit dem Einsatz überfordert.

5000 Euro Geldbuße
Die (späte) Verantwortungsübernahme rechtfertigt eine Diversion. 5000 Euro Geldbuße, dann wird das Strafverfahren eingestellt. Der Polizist kommt somit für die Watsche „billiger“ davon, als manch Social-Media-Nutzer, der von Hass-im-Netz-Opfern zur Kasse gebeten wird, weil er einen beleidigenden Kommentar im Internet mit einem Like versehen hat. 

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