Machtkampf um Grönland

Inuit über Trumps Pläne: „Fühlen uns entwertet“

Außenpolitik
27.05.2026 05:00

Während in Washington über Militärbasen verhandelt wird und Donald Trump von einer Übernahme Grönlands fantasiert, kämpfen die Inuit auf der Insel darum, überhaupt gehört zu werden. Kathrine Bødker ist Mitglied des Inuit Circumpolar Council (ICC). Im Gespräch mit der „Krone“ erklärt sie, wie die Einheimischen die Bedrohung wahrnehmen.

„Wenn Menschen über uns sprechen, als wären wir etwas, das man kaufen kann, oder ein Stück Land, das ein anderes Land einfach besitzen oder verwalten kann, dann ist das etwas, wogegen wir seit vielen Jahren kämpfen“, sagt Katherine Bødker. „Deshalb fühlt es sich für mich in dieser geopolitischen Situation entwertend an.“ Die Grönländerin ist seit rund vier Jahren Teil des Inuit-Weltrats ICC.

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Die größte Sorge für mich […] ist, dass uns das Recht auf Selbstbestimmung genommen wird.

Katherine Bødker, Mitglied des Inuit Circumpolar Council

„Kalter Krieg“ um die Arktisinsel
US-Präsident Trump drohte vor wenigen Monaten erstmals damit, sich die rohstoffreiche Insel Grönland einverleiben zu wollen. Notfalls schrecke er dabei auch vor dem Einsatz von Gewalt nicht zurück, sagte er.

Zwischen den USA, Russland und China ist zuletzt ein regelrechter Wettlauf um die Ressourcen, Handelswege und militärische Dominanz in der Region entstanden – die Arktis wurde zum geopolitischen Brennpunkt. Experten sprechen sogar von einem „modernen Kalten Krieg“.

Lassi Heininen ist besorgt über die Situation in der Arktis.
Lassi Heininen ist besorgt über die Situation in der Arktis.(Bild: Yana Poeschl)

„Das ist die schlimmste Situation“
Politiloge Lassi Heininen bezeichnet die geopolitischen Zustände in der Arktis als „die schlimmste Situation, die ich je erlebt habe.“ Zur „Krone“ sagt er: „Wir sind zum ersten Mal in einer Situation, in der wir keine Rüstungskontrolle mehr haben“. Heininen unterrichtet arktische Politik an der Universität Lappland. Im Rahmen einer Veranstaltung des „Vienna Institute for Global Studies“ sprach er als Experte über die Situation in der Arktis.

„Wollen nicht, dass über uns hinweg entschieden wird“
Obwohl sich Grönland seit 1979 weitgehend selbst regiert, liegen Entscheidungen, die die Außenpolitik und Verteidigung der Insel betreffen, bei Dänemark. Katherine Bødker erklärt, Grönland wähle die Nähe zu dem Königreich und zur NATO selbst. „Wir haben nie gesagt, dass wir nicht Teil des Königreichs Dänemark sein wollen. Wir wollen nur nicht, dass das dänische Parlament die Entscheidungen für uns trifft.“ 

Inuit Circumpolar Council

Der Inuit Circumpolar Council (kurz ICC) vertritt die Interessen der rund 180.000 Inuit, die in Alaska, Kanada, Grönland und Russland leben – also all jener indigenen Völker, deren Heimat die Arktis ist. Der Rat wurde 1977 gegründet und setzt sich unter anderem für die Selbstbestimmung der Inuit ein. Außerdem will der ICC eine stärkere Verbindung zwischen den Inuit-Völkern über Staatsgrenzen hinweg.

„Inuit bilden die Mehrheit in Grönland“
Heute leben etwa 56.000 Menschen in Grönland. Rund 90 Prozent der Bevölkerung identifizieren sich als indigene Inuit, erklärt die Grönländerin. Man müsse sich daran erinnern, dass „wir zwar ein indigenes Volk sind, aber zugleich die Mehrheit unserer eigenen Gesellschaft darstellen.“

USA führen Gespräche über stärkere Militärpräsenz
Worum die Organisation seit Jahren kämpft, sei vielmehr eine stärkere Beziehung und Zusammenarbeit zwischen den Inuit in Grönland, Kanada, Alaska und der Tschukotka in Russland. Während die Einheimischen für Selbstbestimmung innerhalb bestehender Strukturen kämpfen, verhandeln die USA über Vetorechte und dauerhafte Truppenstationierung auf der Arktisinsel. So inspizierten Vertreter des US-Marinekorps zuletzt eine Stadt im Süden Grönlands, einen Flughafen aus dem Zweiten Weltkrieg, sowie einen Hafen und potenzielle Unterkünfte für Militärtruppen.

Klimawandel schmilzt die Insel
Die Inuit in Grönland kämpfen mit mehreren Krisen gleichzeitig. Neben den Besitzansprüchen verschiedener Weltmächte kämpfen die Einheimischen mit den Folgen des Klimawandels. Die Inuit seien eine Nation von Fischern und Jägern, erklärt Katherine Bødker. „Es war immer eine große Tradition – und ist es bis heute –, im Winter auf dem Eis zu leben. In den letzten Jahren ist das Eis jedoch immer unsicherer geworden.“ Orte, in denen normalerweise gejagt wurde, können in diesem Winter nicht mehr genutzt werden, sagt die Grönländerin. Auch die Jahreszeiten würden merklich von der Erderwärmung beeinflusst: „Diesen Winter hatten wir zum ersten Mal Temperaturen über null Grad im Jänner. Das passiert normalerweise nie.“

„Wir sind nicht nur ein Stück Eis“
Die Bedrohung einer Annexion durch die USA beschreibt Bødker als „eine ständige Angst, ein Gefühl“. Weiter sagt sie: „Die größte Sorge für mich als Mitglied des Inuit Circumpolar Council ist, dass uns das Recht auf Selbstbestimmung genommen wird.“ Grönland sei schließlich die Heimat vieler Menschen und „nicht nur ein Stück Eis“.

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