Anrainer in Sorge

Angst vor Burschen: „Trauen uns nicht mehr raus!“

Niederösterreich
27.05.2026 05:00

Anrainer einer Wohngruppe von SOS-Kinderdorf in Traiskirchen (Niederösterreich) sind verzweifelt: Die dort betreuten Burschen sollen bereits Schäden im fünfstelligen Bereich verursacht haben. Die Organisation wehrt sich gegen pauschale Verurteilungen.

Eingetretene Autotüren, an die Hausfassade geworfene Eier oder zerstörte Dachziegel: Für Angst und Schrecken soll eine Gruppe von Burschen in der Traiskirchner Katastralgemeinde Möllersdorf sorgen. Allein bei einer Familie hat die Schadenshöhe die Marke von 10.000 Euro überschritten. „Manche trauen sich gar nicht mehr aus dem Haus, weil sie auch massiv beschimpft werden. Die Nerven liegen blank“, beklagt ein Möllersdorfer.

Die Beschuldigten – so der Vorwurf – sollen allesamt aus derselben Einrichtung kommen: einer Wohngruppe von SOS-Kinderdorf. In der sogenannten WG Anninger werden seit elf Jahren Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren betreut. Aktuell leben neun Burschen dort, allesamt mit oft belastenden Biografien. „Viele von ihnen haben Gewalt, Vernachlässigung, Krisen oder massive Instabilität erlebt“, heißt es von SOS-Kinderdorf. Stabile Strukturen und eine professionelle pädagogische Begleitung seien das Um und Auf. Denn klares Ziel ist das selbstständige Leben der Betreuten. „Eine gute Nachbarschaft ist uns dabei ein tiefes Anliegen“, betont ein Sprecher.

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Viele von ihnen haben Gewalt, Vernachlässigung, Krisen oder massive Instabilität erlebt.

Ein Sprecher von SOS-Kinderdorf über die jungen Bewohner

Die Polizei nahm heuer bereits 21 Anzeigen in Bezug auf die „WG Anninger“ in Niederösterreich ...
Die Polizei nahm heuer bereits 21 Anzeigen in Bezug auf die „WG Anninger“ in Niederösterreich entgegen (Symbolbild).(Bild: APA/WOLFGANG JANNACH)

Heuer 21 Anzeigen
Doch die Wahrheit ist aus Sicht der Anrainer eine andere. Die Polizei bestätigt auf „Krone“-Anfrage, dass es alleine heuer bereits 21 Anzeigen in Bezug auf die „WG Anninger“ gegeben hat. Neben Sachbeschädigungen geht es dabei auch um Abgängigkeiten und eine Anstandsverletzung. Im Vorjahr konnten vier Täter ausgeforscht werden, die für zwei Tathandlungen verantwortlich waren.

Ein gemeinsames Grillfest
Ernst nimmt die Anzeigen aber nicht nur die Polizei, sondern auch die Stadt. „Wir haben versucht, zwischen den Beteiligten zu vermitteln und Brücken zu bauen“, heißt es aus dem Rathaus. So sei im September 2025 sogar ein gemeinsames Grillfest organisiert worden. „Wir verstehen die Sorgen und Ärgernisse der Anwohner und tun alles, was wir als Stadt tun können, um ein gutes Zusammenleben zu gewährleisten und auch zu verbessern“, heißt es weiters.

Dem SOS-Kinderdorf sind wiederum nur Vorwürfe vonseiten einer Familie bekannt, die gar nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, sondern neben einem Spielplatz. „Wir bedauern natürlich die Schäden. Eine pauschale Verantwortungszuschreibung gegenüber jenen Jugendlichen, die aktuell in der ,WG Anninger‘ leben, ist aber nicht gerechtfertigt“, so ein Sprecher. 

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