Chance auf gutes Leben

Moderne Therapien: Tumor ganz gezielt angreifen

Heutzutage stehen modernste Behandlungsmöglichkeiten bereit, welche die Chancen erhöhen, dass Krebspatienten lange ein gutes Leben führen können. Die Forschungen laufen auf Hochtouren, es gibt gewaltige Fortschritte. Ein Begriff, der dabei häufig genannt wird, ist das 5-Jahres-Überleben.

„Damit ist gemeint, wie viele Patienten fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben sind“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Werner Rabitsch, MSc, MBA, Medizin I, MedUni Wien. „Dieser Wert dient vor allem als statistische Orientierung (Statistik Austria). Ärztinnen und Ärzte nutzen ihn, um das Ansprechen und den Erfolg von Therapien zu beurteilen sowie verschiedene Behandlungsansätze miteinander zu vergleichen.“

Wichtig: Für den Patienten selbst stellt er jedoch keine genaue Vorhersage dar. Der Krankheitsverlauf hängt stark von individuellen Faktoren wie Tumorart, Stadium, Alter und Art der Therapie ab. Doch betont der Arzt: „Ein längeres Überleben erhöht oft die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung dauerhaft kontrolliert oder sogar geheilt werden kann!“

Remission oder Heilung
In der Hämatologie und Onkologie wird zwischen Heilung und langfristiger Remission unterschieden. „Von Heilung spricht man, wenn der Krebs vollständig verschwunden ist und nicht mehr zurückkehrt“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Nina Worel, Transfusionsmedizin und Zelltherapie, MedUni Wien. „Eine langfristige Remission bedeutet hingegen, dass keine Tumorzeichen mehr nachweisbar sind, theoretisch aber noch ein Restrisiko besteht. Für viele Betroffene fühlt sich eine lang anhaltende Remission dennoch wie eine Heilung an, besonders, wenn sie über Jahre stabil bleibt.“

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Für viele Betroffene fühlt sich eine lang anhaltende Remission wie eine Heilung an, besonders, wenn sie über Jahre stabil bleibt.

Univ.-Prof. Dr. Nina Worel, Abteilung für Transfusionsmedizin und Zelltherapie, MedUni Wien

Da es heute etliche neue Optionen gibt, fühlen sich viele Patienten verunsichert, welche Behandlung für sie die richtige ist. Natürlich muss der Therapieplan gemeinsam mit den behandelnden Experten genau besprochen werden. Eine zentrale Rolle in der Krebstherapie spielt weiterhin die Chemotherapie. Sie wirkt, indem sie schnell wachsende Zellen zerstört, was besonders auf Krebszellen zutrifft.

Körpereigenes Immunsystem nutzen
Allerdings werden dabei auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen, weshalb unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten können. Durch diese vermag es zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität zu kommen. „In den vergangenen Jahren wurden jedoch neue Therapiemöglichkeiten entwickelt, insbesondere die sogenannten Immuntherapien“, wie Prof. Rabitsch ausführt. „Diese nützen das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen gezielt zu erkennen und zu bekämpfen. Die Nebenwirkungsraten bei diesen zielgerichteten Immuntherapien sind im Vergleich zur Chemotherapie bzw. Strahlentherapie meist geringer.“

Eine besonders innovative Form der Immuntherapie stellt die CAR-T-Zelltherapie dar. Dabei werden dem Patienten eigene Immunzellen entnommen und im Labor genetisch so verändert, dass Krebszellen gezielt erkannt und angegriffen werden. Die so veränderten Zellen werden nach der Herstellung wieder in den Körper zurückgeführt.

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Es gibt immer mehr Berichte von Patienten, die nach erfolgter CAR-T-Zelltherapie mehr als fünf Jahre bei sehr guter Lebensqualität in kompletter Remission sind.

Univ.-Prof. Dr. Werner Rabitsch, MSc, MBA, Ärztlicher Leiter der Einrichtung für Stammzelltransplantation der Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien

Aufwendige Therapien erfordern Kontrolle
„Diese Therapie wird vor allem bei bestimmten Blutkrebserkrankungen (z. B. Lymphknotenkrebs, akute lymphatische Leukämie) eingesetzt und kann auch dann wirken, wenn andere Behandlungen nicht mehr helfen“, sagt dazu Prof. Worel. „Allerdings ist sie sehr aufwendig und manchmal mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, weshalb eine engmaschige medizinische Überwachung notwendig ist.“

Nur in speziellen Zentren angewendet
Aufgrund der Komplexität und der möglichen Risiken darf die CAR-T-Zelltherapie nur in spezialisierten und dafür bewilligten Zentren durchgeführt werden. Prof. Rabitsch: „Es handelt sich um keine Therapie, die in jedem Krankenhaus angeboten wird, sondern bleibt auf ausgewählte Einrichtungen beschränkt.“

Am AKH Wien/Medizinische Universität Wien wird die CART-Zelltherapie an der Universitätsklinik für Innere Medizin 1, Abteilung für Stammzelltransplantation, seit 2016 durchgeführt, wie die Experten berichten. Eine enge Kooperation der einzelnen Abteilungen (Stammzelltransplantation, Hämatologie und Onkologie, Transfusionsmedizin, Intensivmedizin, Rheumatologie, Neurologie) ist für den reibungslosen Ablauf und den Erfolg der Behandlung von großer Bedeutung.

Über die Anwendung in der Hämatologie und Onkologie hinaus gewinnt die CAR-T-Zelltherapie zunehmend an Bedeutung in der Behandlung rheumatologischer und neurologischer Autoimmunerkrankungen.

„Zudem verfügt die Universitätsklinik für Transfusionsmedizin und Zelltherapie eine Bewilligung zur Herstellung ,eigener’ CAR-T-Zellen, die in enger Kooperation mit den Zentren für Rheumatologie und Neurologie im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt werden. Weiters laufen derzeit weitere solcher Studien zu Autoimmunerkrankungen im Wiener AKH“, berichten die Ärzte. Das Potenzial der modernen Therapie wird so immer weiter erforscht.

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