Heute ist es so weit: Am Ende des Tages wird feststehen, wen der ORF-Stiftungsrat zum neuen Generaldirektor oder zur neuen Generaldirektorin des Öffentlich-Rechtlichen bestellt hat. Die Wahl ist spannend und aufsehenerregend wie nie zuvor. Die „Krone“ berichtet live.
Noch nie war die Bestellung einer neuen Spitze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von so viel öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet. Schuld daran ist die Causa rund um Roland Weißmann, der im März als ORF-General zurückgetreten war, nachdem ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen war. Es folgten weitere Skandale. Zuletzt wurde Top-Manager und ORF-Gagenkaiser Pius Strobl von der interimistischen Chefin Ingrid Thurnher aus Compliance-Gründen freigestellt.
Regierung setzt Sparstift an
Der neue Generaldirektor, die neue Generaldirektorin, muss den ORF ab 2027 jedenfalls wieder in ruhige Fahrwasser bringen. Was auf keinen Fall leicht sein wird. Denn wie kolportiert macht die Regierung mit ihrem Sparbudget auch beim ORF ernst. Sie streicht dem Sender eine finanzielle Kompensation in Höhe von 93 Millionen Euro im Jahr.
Im Gegenzug darf der ORF laut Medienministerium aber mehr Mittel aus einem sogenannten „Sperrkonto“ beziehen. Er darf auf maximal 710 Millionen Euro aus Einnahmen aus der Haushaltsabgabe zugreifen. Der Rest fließt auf dieses „Sperrkonto“. Der Deckel wird nun auf 780 Millionen Euro angehoben. Ab 2027 darf der ORF zudem 35 Millionen Euro mehr pro Jahr verwenden - unter der Bedingung, dass die Spartenkanäle ORF Sport+ und ORF III weitergeführt sowie weiterhin Mittel für das ORF Radio-Symphonieorchester (RSO) aufgebracht werden.
Einschnitte spürbar
Ein Einschnitt bleibt trotzdem. Generaldirektorin Thurnher hatte bereits gewarnt, dass dies „an den Grundfesten“ des Medienhauses rüttle und das Publikum dies auch spüren werde. Thurnher erklärte vergangene Woche, dass die Kürzungen laut Juristen verfassungswidrig sein könnten, da der ORF zur Erfüllung seines öffentlich-rechtlichen Auftrags laut Gesetz nachhaltig finanziert sein muss. Man erwägt eine Klage.
Der ORF war auch ohne die neuen Einschnitte bereits mit erhöhtem Sparbedarf konfrontiert. Zudem ist der ORF-Beitrag in Form einer Haushaltsabgabe in Höhe von 15,30 Euro bis 2029 eingefroren. Man löse nun Reserven auf und stelle Überlegungen zum Programm an, so Thurnher. Kolportiert wurde, dass etwa bei Quizshows stark eingespart werden dürfte. Gleichzeitig will die ORF-Chefin Bereiche definieren, „an denen nicht gerüttelt werden darf, weil sie unsere Existenz bedeuten“.
Breites Kandidatenfeld
Die neue Person an der ORF-Spitze, die heute gewählt wird, wird also sparen müsse, die Bevölkerung wird ihr dabei genau auf die Finger schauen. Trotzdem gibt es eine Rekordzahl an Bewerberinnen und Bewerbern für den Top-Job. Neun von ihnen sind für das heutige Hearing im ORF-Stiftungsrat nominiert.
Aussichtsreichster Kandidat ist der frühere APA-Geschäftsführer Clemens Pig. Er gilt als Wunschkandidat der ÖVP. Vielfach wird befürchtet, dass seine Wahl im Vorfeld von den „Freundeskreisen“ im Stiftungsrat bereits im Vorfeld ausgemauschelt wurde. Um diesen Eindruck entgegenzuwirken, haben die Stiftungsratsvorsitzenden in einem Brief zur „freien Entscheidung“ aufgerufen. Pig selbst betont jedenfalls seine Unabhängigkeit.
Auch Johannes Larcher, einem international gefragten Medienmanager, räumen Beobachter gute Chancen ein. Außenseiterchancen haben ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, die von den Redakteuren favorisiert wird, sowie Markus Breitenecker, langjähriger ProSiebenSat.1Puls4-Chef. All diese Bewerber haben bekräftigt, gegen den Budgeteinschnitt klagen zu wollen. Wer tatsächlich ab 2027 für fünf Jahre auf dem ORF-Chefsessel sitzt, wird am späten Nachmittag feststehen.
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