Krebs ist bei Weitem kein Leiden der älteren Generationen mehr! Aktuelle Studien zeigen, dass die Zahl der Neuerkrankungen bei Personen unter 50 Jahren stark angestiegen ist. Welche Faktoren sind verantwortlich für diesen alarmierenden Anstieg? Und wie können junge Menschen vorsorgen?
Es ist ein besorgniserregender Trend: In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Krebserkrankungen bei jüngeren Menschen alarmierende Ausmaße angenommen. „Eine globale Analyse zeigt, dass die Neuerkrankungen bei den unter 50-Jährigen zwischen 1990 und 2019 um 79,1 Prozent gestiegen sind, während die Krebs-Todesfälle in dieser Altersgruppe im gleichen Zeitraum um 27,7 Prozent zugenommen haben“, berichtet der Wiener Allgemeinmediziner und Vorsorge-Experte Dr. Christian Maté. In der Gruppe der jüngeren Personen mit mittlerem bis hohem sozioökonomischem Status hat Krebs die Herz-Kreislauferkrankungen bereits als Todesursache Nummer eins abgelöst.
Dennoch betont der Mediziner, dass die Sterblichkeit insgesamt zurückgeht – trotz steigender Diagnosen. „Die Krebstodesraten bei den 15- bis 39-Jährigen in den USA zeigen einen Rückgang von 0,9 Prozent pro Jahr zwischen 2014 und 2023. Dies deutet auf eine Verbesserung der Therapien und der Versorgungsstrukturen hin, selbst wenn wir mehr Fälle diagnostizieren“, erläutert Dr. Maté. Langfristig sind die Gesamt-Krebssterblichkeitsraten in allen Altersgruppen rückläufig, auch in den jüngeren. Eine EU-weite Auswertung (WHO-Sterbedaten und Eurostat) zeigt: In allen Altersgruppen stiegen die Krebssterberaten bis in die späten 1980er sowie frühen 1990er und sanken danach ab.
Welche Krebsarten sind im Steigen?
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, welche Krebsarten bei jüngeren Erwachsenen unter 50 Jahren vermehrt auftreten. Dazu zählen kolorektale Tumoren (Darm), Brustkrebs, Gebärmutter- und Nierentumoren sowie Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Typischerweise“ häufig diagnostiziert werden bei unter 40-Jährigen u.a. Brust-, Schilddrüsen- und Gebärmutterhalskrebs.
Trend zu HPV-positiven Tumoren
Ein besorgniserregender Trend ist die Zunahme von HPV-bedingten Krebsarten, vor allem HPV-positiven Oropharynx-Tumoren (im mittleren Teil des Rachens, Mundrachen), die insbesondere in Großbritannien, Nordamerika und Nordeuropa verzeichnet wird. „Die Veränderungen im Sexualverhalten, wie vermehrte orale Sexpraktiken, werden als treibende Faktoren diskutiert. In der EU sind HPV-Infektionen ein bedeutendes Thema, mit jährlich etwa 33.000 Zervixkrebsfällen und 15.000 Todesfällen“, erläutert Dr. Maté.
Junge Frauen sind besonders betroffen. „Unter den jüngeren Patienten weisen Frauen im Alter zwischen 15 und 39 Jahren eine höhere Krankheitslast auf als gleichaltrige Männer“, fügt der Experte hinzu. „Sie werden häufiger krebskrank und sterben eher daran.“
Die Ursachen für die „Krebs-Epidemie“ der Jungen wird weltweit diskutiert. Am stärksten im Fokus als Grund für den alarmierenden Trend stehen Übergewicht, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel und metabolische Faktoren, die allesamt als zentrale Treiber gelten – aber nicht als alleinige Erklärung herhalten können.
Junge Menschen sollten anhaltende oder ungewöhnliche Symptome ernst nehmen und schnell medizinische Hilfe suchen, da es sonst zu Diagnoseverzögerungen kommt.

Allgemeinmediziner und Vorsorge-Experte Dr. Christian Maté, Wien
Bild: Eva Manhart
Weitere Diskussionen konzentrieren sich darauf, wie frühe Erfahrungen in der Kindheit und Jugend oder sogar während der Schwangerschaft das Krebsrisiko beeinflussen können. Diese Einflüsse können Schadstoffe in der Umwelt, ungesunde Ernährung oder bestimmte Krankheiten sein. Auch Faktoren wie Stress oder soziale Bedingungen spielen mitunter eine Rolle. „Das Mikrobiom oder die Auswirkungen von Antibiotika bei Darmkrebs werden noch erforscht“, betont Dr. Maté. Dass manche klassischen Risikofaktoren wie Rauchen in vielen Ländern eher abnehmen, stellt Wissenschafter vor neue Rätsel.
Senken Sie Ihr Krebsrisiko!
Was können junge Menschen konkret tun, um das Risiko für Krebs zu senken? Dr. Maté hebt die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils hervor: „Wir sollten ein gesundes Körpergewicht anstreben und regelmäßig körperlich aktiv sein. Schließlich dürften Adipositas bzw. metabolische Faktoren stark mit der Krebsgefahr einhergehen. Zudem ist eine weniger stark verarbeitete Ernährung (,whole foods´), die reich an Vollwertkost und Ballaststoffen ist, entscheidend. Weiterhin wäre es ratsam, auf Alkohol und Tabak zu verzichten, um klassische Krebsrisiken zu minimieren.“
Er rät zudem dazu, auf den eigenen Körper zu achten. „Junge Menschen sollten anhaltende oder ungewöhnliche Symptome ernst nehmen und schnell medizinische Hilfe suchen, da es sonst oft zu Diagnoseverzögerungen kommt. Das Wissen über das persönliche Risikoprofil, einschließlich familiärer Vorgeschichte und erblichen Risikos, ist ebenfalls von großer Bedeutung und kann Leben retten“, schließt Dr. Maté.
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