Neuer Generaldirektor

ORF-Chef Clemens Pig: Tiroler erklimmt Küniglberg

Medien
12.06.2026 12:13

Clemens Pig, vormaliger APA-Chef, wird ab 2027 ORF-Generaldirektor – eine Wahl, die auch Kritik an möglicher Regierungsnähe auslöste. Er führte die APA durch wirtschaftlich turbulente Zeiten und trieb deren digitale Weiterentwicklung voran. Wie der Tiroler zum baldigen ORF-Chef werden werden konnte ...

Der 51-jährige Innsbrucker Clemens Pig analysierte schon in seiner Jugend die Nachrichtensendungen des ORF, nun sitzt er bald dem größten Medienunternehmen des Landes als alleiniger Geschäftsführer vor.

In der Nacht auf Freitag ist der ehemalige Chef der Austria Presse Agentur (APA) von den ORF-Stiftungsräten mit 21 von 35 Stimmen zum nächsten Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders gewählt worden. Bereits unmittelbar nach seiner Wahl setzt Pig auf große Ankündigungen. Der ORF benötigt nach den jüngsten Vorfällen rund um seinen Vorgänger Roland Weißmann einen Imagewandel, weshalb er als Nachfolger das Vertrauen zurückgewinnen und das größte Medienhaus des Landes vom Rundfunk zur „Plattform der Gesellschaft“ machen wolle. Seine Kernthese: „Der ORF muss digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer werden.“

Clemens Pig mit seiner interimistischen Vorgängerin als ORF-Führung Ingrid Thurnher.
Clemens Pig mit seiner interimistischen Vorgängerin als ORF-Führung Ingrid Thurnher.(Bild: Christof Birbaumer)

Die Ausgangsposition als ehemaliger Vorsitzender der APA Geschäftsführung ist nicht ungünstig, immerhin ist diese eine Genossenschaft im Eigentum des ORF und vieler österreichischer Tageszeitungen, mit denen er im Austausch stand. Neben dem Erhalt des ORF als glaubwürdige Infoquelle und dem Ausbau zur führenden österreichischen digitalen Medienplattform, will Pig laut eigenen Aussagen diesen auch zum Partner des gesamten Medienstandorts machen.

Von der Medienbeobachtung zur APA
Der 1974 in Innsbruck geborene Pig gründete während seines Studiums der Politikwissenschaft das Institut für Medienanalysen „MediaWatch“. Er analysierte dort unter anderem die Präsenz von Politikern in Nachrichtensendungen des ORF. Die APA übernahm 2001 den Großteil der Anteile. 2008 wechselte er in die Geschäftsleitung der APA, wo er etwa Marketing und Verkauf und das Tochterunternehmen APA-DeFacto leitete. 2014 wurde er unter dem Vorsitz von Peter Kropsch zu einem der Geschäftsführenden der APA-Gruppe bestellt und übernahm 2016 den Vorsitz der Geschäftsführung von ihm.

Vorzeitige Vertragsbeendigung für Kandidatur
In den zehn Jahren unter seiner Führung landete die APA durchgehend in der Gewinnzone und steigerte ihren Umsatz. Zudem wurde die Digitalisierung des Unternehmens vorangetrieben und die internationale Zusammenarbeit ausgebaut. Die APA ist inzwischen größter Aktionär der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Pig wurde Ende 2024 für weitere 5 Jahre als Vorsitzender der APA-Geschäftsführung bestätigt, er beendete seinen Vertrag im Mai 2026 aber vorzeitig, um für das Amt des ORF-Generaldirektors zu kandidieren. Das erklärte er damit, sich nicht aus einem aufrechten Dienstverhältnis bewerben zu wollen, um nicht zuletzt auch die Integrität der APA zu wahren und sein Engagement für die Stelle zu belegen.

„ORF-Redaktion der demokratischen Mitte“
Sein inhaltliches Ziel für den ORF sei eine „Redaktion der demokratischen Mitte“, die ausgewogene Perspektiven abbildet und kontroverse Themen fair einordnet. Geplant sind ein Experten- und Quellenmonitoring, die Stärkung österreichischer Inhalte sowie eine bessere Auffindbarkeit regionaler Angebote. Der On-Demand-Service „ORF On“ soll stärker über Themenwelten und Empfehlungen strukturiert werden, auf der eigenen Webseite sollen Video und Audio besser integriert werden. Für junge Zielgruppen will er neue Formate und eine Social-Media-Strategie „ohne sich von den Plattformen steuern zu lassen“ entwickeln. Zudem stellt er eine stärkere Begründung von Unterhaltungsformaten im öffentlich-rechtlichen Auftrag in den Raum und prüft eine organisatorische Eingliederung von „ORF III“ ins Haupthaus bei Erhalt der Marke.

Berichte, wonach er auf die Unterstützung der Regierung oder regierungsnaher ORF-Stiftungsräte zählen könne, weist Pig entschieden zurück. Die Bezeichnung als „Systemkandidat“ bezeichnete er als „bodenlose Frechheit“ und betonte seine politische Unabhängigkeit. Diese wolle er durch eine moderne Direktionsstruktur und entsprechende Personalentscheidungen unter Beweis stellen.

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