Nasenpflaster sollen Schnarchen reduzieren und die Atmung verbessern. Doch halten die kleinen Streifen wirklich, was sie versprechen? So viel sei bereits verraten: Entscheidend ist, wo die Ursache liegt! HNO-Ärztin Dr. Birte Bender hat für die „Krone“ die Wirksamkeit von Nasenpflastern unter die Lupe genommen.
Nasenpflaster sehen unscheinbar aus: ein Streifen, schnell aufgeklebt, und schon soll die Nacht ruhiger werden. Viele greifen zu ihnen in der Hoffnung, das Schnarchen einfach „wegzukleben“. Doch so einfach ist es leider nicht.
„Nasenpflaster können bei leichtem Schnarchen helfen, aber nur in einigen bestimmten Fällen“, erklärt Dr. med. Birte Bender, Oberärztin der Univ.-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universität Innsbruck. Entscheidend ist nämlich nicht das Schnarchen selbst, sondern wo es entsteht.
„Diese Pflaster wirken, indem sie nach dem Aufkleben von außen die Nasenflügel leicht auseinanderziehen. Dadurch bekommt man besser Luft durch die Nase“, berichtet die Fachärztin. Besonders sinnvoll sei das, „wenn das Schnarchen durch eine verstopfte oder enge Nase entsteht, zum Beispiel bei einer Erkältung, Allergien oder wenn die Nasengänge von Natur aus eher eng sind.“
Nasenpflaster können bei leichtem Schnarchen helfen – aber nur in einigen bestimmten Fällen.

OÄ Dr. Birte Bender, Oberärztin der Univ.-Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, MedUni Innsbruck
Bild: Birte Bender
In solchen Situationen kann die bessere Nasenatmung dazu führen, dass man weniger durch den Mund atmet – und damit auch weniger schnarcht. Manchmal sind Nasenpflaster aber auch beim Sport nützlich. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Denn bei vielen Menschen ist das „Säge-Problem“ tiefer angesiedelt: „Die Ursache des Schnarchens liegt bei vielen Menschen nicht in der Nase, sondern weiter hinten im Rachen“, so OÄ Dr. Bender. Dort erschlafft im Schlaf die Muskulatur, das Gewebe beginnt zu vibrieren – das typische Schnarchgeräusch entsteht. „In solchen Fällen sind Nasenpflaster meist wirkungslos.“
Auch bestimmte Einflussfaktoren verändern daran wenig. „Bei Übergewicht, Rückenlage im Schlaf oder einer sogenannten Schlafapnoe helfen diese Pflaster ebenfalls meist nicht“, ergänzt die HNO-Ärztin. Gerade Schlafapnoe ist medizinisch relevant, da es hier zu nächtlichen Atemaussetzern kommen kann. Dann ist eine Abklärung beim Facharzt notwendig!
Weniger geeignet sind Nasenpflaster darüber hinaus bei stärkeren anatomischen Problemen wie einer ausgeprägten Nasenscheidewandverkrümmung oder chronischen Erkrankungen der Nase. „In Fällen wie diesen helfen Operationen oder Medikamente meist besser“, berichtet Dr. Bender.
Wissenschaftliche Daten
Die wissenschaftliche Datenlage bleibt insgesamt eher zurückhaltend. Zwar zeigen Studien, dass durch das Pflaster der Luftwiderstand in der Nase sinken kann und Patienten die Nasenatmung subjektiv als besser empfinden. Dr. Bender: „Manche Patienten berichten auch, dass sie dadurch subjektiv besser schlafen oder weniger schnarchen. Insgesamt sind die Effekte aber eher klein und nur bei wenigen nachweisbar.“ Vor allem die Schlafqualität verbessert sich in vielen Studien nicht eindeutig.
Beim Kauf gibt es Unterschiede, die entscheidend sein können. Die Fachärztin betont: „Wichtig ist, dass das Pflaster stabil genug ist, um die Nase wirklich etwas zu öffnen.“ Ebenso entscheidend sei, „dass es gut auf der Haut haftet, ohne Reizungen zu verursachen.“ Auch Größe und Form spielen eine Rolle, weil Nasen anatomisch sehr unterschiedlich sind. Manche Produkte sind eher für Sport gedacht, andere speziell für die Nacht.
Was ist bei Schnarchen wirksamer als Nasenpflaster?
Effektiver sind oft Verhaltens- und Lagerungsmaßnahmen. „Dazu gehört zum Beispiel, nicht auf dem Rücken zu schlafen, sondern seitlich mithilfe spezieller Polster oder Westen“, so OÄ Dr. Bender. Hier kommen sogenannte Rückenlageverhinderungswesten oder Rucksäcke mit Polstern ins Spiel, die verhindern, dass sich der Schlafende auf den Rücken dreht. Etwas moderner sind Gurte mit Vibrationssensoren, die vibrieren, sobald man auf dem Rücken zu liegen kommt und dadurch einen Wechsel der Schlafposition hervorrufen.
„Weniger Alkohol am Abend, Nikotinverzicht und Gewichtsabnahme können das Schnarchen ebenso deutlich reduzieren. Auch eine spezielle Zahnschiene, die den Unterkiefer nach vorne schiebt, ist oft deutlich effektiver als Nasenpflaster“, erklärt die HNO-Ärztin abschließend. Bei ernsthaften Problemen wie Schlafapnoe ist eine fachärztliche Behandlung notwendig.
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