Sich zusammenzukuscheln und gemeinsam einzuschlafen, gilt als Zeichen von Nähe und Romantik – nicht nur am Valentinstag. Doch nach Schnarchkonzerten, Deckenkriegen und bei unterschiedlichen Schlafrhythmen fragen sich viele Paare: Wäre nicht ein getrenntes Schlafzimmer die bessere Wahl? Das sagt der Schlafmediziner.
Gemeinsam einschlummern, gemeinsam aufwachen – klingt nach Bilderbuchbeziehung. In der Realität sieht das Schlafzimmer aber oft eher nach nächtlichem Boxkampf aus, wenn die Ellbogen „fliegen“ und die gemeinsame Decke von einer auf die andere Seite gezerrt wird.
Kein Wunder also, dass immer mehr Paare über getrennte Schlafzimmer nachdenken. Diese sogenannte „Sleep-Divorce“ („Schlafscheidung“) hat nichts mit Liebesentzug und schon gar nichts mit einer „echten“ Scheidung zu tun – sondern mit besserer Schlafqualität. Und die ist bekanntlich die Basis für gute Laune und ausgeruht sein am nächsten Tag. Eine solche „Schlafscheidung“ soll sogar auch schon etliche Ehen gerettet haben.
Schlafmediziner Dr. Michael Saletu nennt die wichtigsten Gründe, wann man sich für getrennte Betten entscheiden sollte: „Fühlt man sich durch Schnarchen oder Bewegungen des Bettpartners gestört, sind getrennte Schlafzimmer empfehlenswert.“ Unbedingt zu zwei Räumen rät er Schlafwandlern und „Kampfträumern“, die in der Nacht um sich schlagen. Klingt für manche unromantisch, verhindert aber blaue Flecken – und Beziehungskrisen.
Fühlt man sich durch Schnarchen oder Bewegungen des Bettpartners gestört, sind getrennte Schlafzimmer empfehlenswert.

Schlafmediziner Dr. Michael Saletu
Bild: Eva Manhart
Hinzu kommen unterschiedliche Chronotypen: Lerche trifft Eule, also Frühaufsteher auf Nachtschwärmer. Während die eine Person um 22 Uhr selig einschläft, wird die andere erst gegen Mitternacht produktiv. Hormonelle Veränderungen, etwa in Schwangerschaft, Stillzeit oder den Wechseljahren, beeinflussen Schlafbedarf und Temperaturempfinden – und machen das gemeinsame Bett nicht unbedingt zur Wohlfühlzone, sondern sorgen sogar für Konflikte.
Spannend ist zudem der Blick auf die Wissenschaft: Verhaltensbiologen der Universität Wien fanden heraus, dass Frauen deutlich sensibler auf einen schlafenden Bettpartner reagieren. Sie schlafen allein oft ruhiger und tiefer, während Männer genau vom Gegenteil profitieren. Oder wie Dr. Saletu es formuliert: „Untersuchungen zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede: Während Männer Frauen für eine Art atmosphärisches Wohlgefühl im Schlafzimmer benötigen, schlafen Frauen ohne Männer besser.“
Ein echter Beziehungskiller bleibt das Schnarchen. Rund 60 Prozent der Männer und etwa 40 Prozent der Frauen „sägen“ zumindest gelegentlich. Was nervt, kann aber auch gefährlich sein: Schlafapnoe, also nächtliche Atemaussetzer, erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier ist ärztliche Abklärung Pflicht – getrennte Betten ersetzen keine Diagnose.
Auch wenn es ihrer Beziehung und Schlafgesundheit guttun würde, zögern trotzdem viele Paare, getrennt zu schlafen. Die Angst: weniger Nähe, weniger Sex, weniger „Wir“. Dabei zeigt sich in Studien und Praxis etwas anderes, nämlich, dass bei getrennt schlafenden Paaren die Beziehung nicht leidet. Wer getrennt schlummert, ist oftmals ausgeruhter und weniger gereizt. Zudem können sich Paare ja trotzdem bewusst Zeit für Nähe und Sex nehmen …
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