Bursche eingewiesen

„Glaubte nicht, dass die Mutter die Tat überlebt“

Oberösterreich
13.06.2026 01:04
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Eine psychische Erkrankung machte aus einem „gescheiten Buben“ einen aggressiven und uneinschätzbaren Teenager. Am Ende ging der heute 17-Jährige mit einem Messer auf Mutter und Schwester los. „Es war klar, dass etwas ganz, ganz Schlimmes passiert ist“, erinnert sich eine Nachbarin. Der Teenager wird untergebracht.

Es ist kein schönes Jubiläum, sondern das krasse Gegenteil. Vor fast genau einem Jahr soll ein damals 16-Jähriger versucht haben, seine Mutter (43) und seine kleine Schwester (13) in Pasching (Oberösterreich) zu ermorden. Der Bursch leidet an Schizophrenie, hatte Stimmen gehört und dann die Schule abgebrochen. Am 15. Juni attackierte er laut Anklage seine Mutter mit einem Stanleymesser, fügte ihr zahlreiche Schnitte und Stiche am Kopf, im Nacken sowie an Schultern und Armen zu. Die kleine Schwester war der Mama zu Hilfe geeilt. Sie wurde an Kopf und Schultern verletzt.

Die Staatsanwältin hatte am ersten Verhandlungstag im Landesgericht Linz gesagt, dass es nur ein glücklicher Zufall war, dass die Mutter überlebt hatte. Die Frau hat mehr als 30 teils wulstige Narben im Gesicht und am Körper. Doch die Verteidigerin sah keinen Tötungsvorsatz, deswegen mussten in der zweiten Runde auch die Zeugen befragt werden.

Mutter blutüberströmt
Die unmittelbare Nachbarin in der zweiten Doppelhaushälfte, zu der die Mutter geflüchtet war, war Augenzeugin. Sie sah, wie die Mutter blutüberströmt am Boden kniete und ihr psychisch kranker Sohn mit dem Messer hinter ihr stand: „Ich hab‘ nicht geglaubt, dass sie überlebt.“ 

Bereits ein halbes Jahr vor der Messerattacke war es im Garten der betroffenen Familie zu einem Zwischenfall gekommen, so die Zeugin. Der Bub sei „außer sich gewesen“, wollte ein Messer holen. Dann sei er weggerannt, der Nachbar und der Vater verfolgten ihn und es wurde die Polizei geholt. Der Bursche sei ins Spital gekommen. Nach seiner Entlassung sei er „ein anderer Mensch“ gewesen. Wenn er im Garten war, habe er eigenartige Laute von sich gegeben, berichtete die Nachbarin.

Schwester hatte Angst vor Bruder
Die Schwester sagte aus, dass sie vor ihrem Bruder wegen dessen Erkrankung Angst gehabt habe. Sie bestätigte dem Richter, dass es „dauernd lauten Streit“ darüber gegeben habe, dass er seine Medikamente nicht schlucke. Die Mutter meinte unter Tränen, dass er vor der Krankheit ein „gescheiter Bub“ gewesen sei. 2023 starb seine Oma, das habe ihn stark belastet. Erst habe die Familie gedacht, „er vermisst sie so sehr“, erst später bemerkte sie, dass er krank sei und Halluzinationen haben dürfte.

„Nicht um Behandlung des Sohnes gekümmert“
Die Verteidigerin des Teenagers hingegen hielt den Eltern vor, sich nicht um die entsprechende Behandlung des Sohnes gekümmert zu haben. Dies habe letztendlich zu der Tat geführt, wenngleich die Anwältin lediglich von einer Körperverletzung sprach – was aber nur im Fall des Angriffs auf die Tochter zutrifft.

Laut der psychiatrischen Sachverständigen Adelheid Kastner berge die Schizophrenie des nicht zurechnungsfähigen Burschen eine Gefährlichkeit, die nur eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung zulasse. Dem folgte das Geschworenengericht. Die Einweisung ist rechtskräftig.

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