Haben Sie nach einer kurzen Nacht Heißhunger auf „Ham and Eggs“, Schokolade oder sogar Salamipizza? Das ist offenbar kein Zufall. Dieses Thema hat auch die Wissenschaft interessiert: Forscher untersuchten, durch welche Mechanismen Schlafmangel Übergewicht begünstigt. Ist guter Schlaf die beste Diät?
Wer oft schlecht schläft, wacht morgens nicht nur mit Augenringen auf – manchmal bringt auch der Blick auf die Waage schlechte Laune mit sich. Aber macht Schlafmangel wirklich dick? Die Forschung sagt: Da könnte tatsächlich etwas dran sein.
Bereits eine einzige durchwachte Nacht kann den Stoffwechsel ordentlich aus dem Takt bringen. Das zeigte eine kleine Schlaflabor-Studie mit 15 normalgewichtigen Erwachsenen an der Uppsala University in Schweden. In der ersten Nacht durften die Teilnehmer bis zu 8,5 Stunden schlafen, in der zweiten mussten sie wach bleiben. Am Morgen danach stellten die Forscher erhöhte Blutzucker- und Cortisolwerte („Stresshormon“) fest sowie Stoffwechselprozesse, die Fettreserven begünstigen. Kurz gesagt: Der Körper schaltet offenbar schnell auf „Energiespeichern“ um, wenn man nicht (genug) schläft.
Hormonwirrwarr als Grund
Besonders spannend ist der Aspekt, dass Schlafmangel offenbar unsere inneren „Essensmanager“ durcheinanderbringt. Gemeint sind die Hormone Leptin und Ghrelin. Leptin meldet normalerweise: „Ich bin satt“ und wirkt appetithemmend. Ghrelin („Heißhungerhormon“) dagegen ruft: „Her mit Pizza und Schokolade!“ Wer dauerhaft zu wenig schläft, produziert oft weniger Leptin und mehr Ghrelin und bekommt entsprechend mehr Hunger. Kein Wunder also, dass der Kühlschrank plötzlich magische Anziehungskräfte entwickelt und man mehr isst.
Dass dies nicht nur Theorie ist, zeigte auch eine große britische Untersuchung an der University of Leeds. Für die Studie wurden Schlafgewohnheiten, Ernährungstagebücher und Blutwerte von knapp 1700 Erwachsenen analysiert. Das Ergebnis: Kurzschläfer waren häufiger übergewichtig und hatten schlechtere Blutzuckerwerte sowie ein ungünstigeres Cholesterinprofil. Überraschend dabei war vor allem der Umstand, dass der Schlaf mehr Einfluss auf den Stoffwechsel hatte als die Ernährung selbst.
Erhöhter Snackkonsum bei Müdigkeit
Und damit nicht genug. Übermüdete Menschen greifen laut weiteren Studien häufiger zu fett- und zuckerreichen Snacks. Chips, Süßigkeiten oder Fast Food feiern dann Hochkonjunktur. Gleichzeitig sinkt die Lust auf Bewegung rapide. Eigentlich logisch, denn wer sich wie ein Akku bei zwei Prozent fühlt, plant eher auf der Couch herumzulungern als ein Sportprogramm. Und wieder zeigt der Zeiger der Waage bald mehr an.
Besonders problematisch sind dauerhaft gestörte Schlafrhythmen, etwa durch Schichtarbeit oder nächtliches Serien-Schauen bis nach Mitternacht. Experten sehen einen klaren Zusammenhang zwischen chronischem Schlafmangel und Stoffwechselproblemen. Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht werden immer wieder mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, erhöhten Cholesterinwerten und Bluthochdruck in Verbindung gebracht. Als ideal gelten für Erwachsene meist sieben bis acht Stunden Schlaf.
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