Das nächste Crossover-SUV von Opel baut bereits auf dem B10 von Leapmotor auf, jetzt wirft das chinesische Joint-Venture von Konzernmutter Stellantis einen elektrischen Kompakten ins Rennen: Der Leopmotor B05 soll bis zu 487 km Reichweite schaffen. Steckt da schon der nächste Opel Astra darunter? Die „Krone“ ist das 4,43-m-Auto schon gefahren – und verrät, ob das funktionieren kann…
Mit den SUVs C10 und B10 sowie dem Kleinwagen T03 hat Leapmotor bereits auf dem Markt Fuß gefasst, im Mai erstmals über ein Prozent Marktanteil in Österreich erzielt. Im Juni kommt das nächste Volumensmodell – wieder mit einem wenig klingenden Modellnamen: B05. Der ist mit seinen 4,43 Metern Länge der Kompaktklasse fast schon entwachsen. Vielleicht spricht Leapmotor deshalb von Coupe-Form, an die aber bloß die rahmenlosen Seitenscheiben erinnern.
Radstandes-gemäß
Die Größe spiegelt sich auch beim Radstand von 2,73 Metern wider, damit geht es in der zweiten Reihe überaus großzügig zu. Der Kofferraum fällt dafür mit 345 Litern nicht ganz so üppig aus. Wer mehr mitnehmen will, kann noch einen Anhänger mit 750 kg an den B05 hängen.
Beim Design wagt der Kompakte keinen Ausreißer, er führt die Formensprache von B10 und C10 weiter. Schlicht, gefällig – und vor allem windschlüpfig: 0,26 cw sind ein ansehnlicher Luftwiderstandsbeiwert. Und man muss auch nicht die Eierspeis-Standardfarbe Lightning Yellow nehmen, es gibt noch Silber, Blau, Schwarz und Grau.
Löcher mit Sinn
Innen finden wir uns in einem typisch chinesischen Cockpit wieder: Keine Tasten weit und breit, selbst auf dem Lenkrad sind nur mehr eine Handvoll Knöpfe. Dafür sitzt ein 8,8-Zoll-Tachodisplay mit kleiner Schrift dahinter und daneben ein 14,6-Zoll-Touchscreen, über den einfach alles gesteuert wird – von der Klima bis hin zu den Fahrmodi. Die Materialwahl ist gefällig, für die auffälligen Löcher auf der Beifahrerseite gibt es zumindest in China Zubehör wie eine Halterung für Taschen oder Stofftiere, praktischer ist der Falttisch. Derlei soll auch in Europa kommen.
Zwei Größen an LFP-Akkus von Batteriegigant CATL stehen zur Wahl: 56,2 oder 67,1 kWh sollen für 401 bzw. 482 km reichen. Geladen wird mit maximal 156 bzw.174 kW, den Referenzwert von 10 auf 80 Prozent Kapazität schafft der B05 in schnellen 24 Minuten. An der Wallbox wird mit maximal 11 kW gesaugt.
Leichter, aber...
Beim Antrieb gibt es dafür nur eine Wahl: 160 kW/218 PS und 240 Nm an der Hinterachse. Damit beschleunigt der Leapmotor kurioserweise mit der kleineren Batterie langsamer, obwohl diese 92 kg weniger (insgesamt 1749 kg) auf die Waage bringt: 7,5 gegenüber 6,7 Sekunden dauert es von 0 auf 100 km/h. Abgeregelt wird bei Tempo 170.
Eine Launch Control gibt es auch, im Antritt wirkt der B05 allerdings nicht so explosiv wie andere E-Autos, sondern eher linear wie ein Verbrenner. Auch das Fahrwerk erinnert an gute, alte Zeiten: Komfortabel, aber nicht schwammig, die Lenkung gibt tatsächlich brauchbares Feedback. Dank Heckantrieb, tiefem Schwerpunkt und 50:50-Gewichtsverteilung kommt in kurvigem Geläuf tatsächlich Freude auf. Und das ist kein Zufall: Den Feinschliff erhielt der Chinese im italienischen Balocco, wo auch die Stellantis-Geschwister von Fiat, Lancia und Alfa ihre Abstimmungen erhalten.
Übereifrige Helfer
Auch die Bremse ist gut dosierbar, leider gibt es kein echtes Ein-Pedal-Fahren mit Verzögerung bis zum Stillstand. Wirklich nervig sind aber die „Helferlein“: Der Spurhalte-Assistent greift oft ruppig ein. Schaltet man das System aus, aktiviert es sich selbst wieder, sobald der Aufmerksamkeits-Warner Alarm schlägt. Und das macht er allzu schnell.
Aufmerksam werden einige auch beim Preis: Bei 26.490 Euro geht’s mit der 56,2-kWh-Version üppig eingerichtet los, die bessere Ausstattung beinhaltet neben Panorama-Glasdach auch gleich die größere 67,1-kWh-Batterie für 30.490 Euro. Eine Ultra-Version mit mehr Leistung, mehr Reichweite und noch besserer Aerodynamik wird in China bereits getestet. Und bei Stellantis wird wohl auch schon überlegt, ob der B05 als Basis für die nächsten Kompakten wie den Opel Astra dienen könnte…
Warum: Geräumiger Kompakter, gut abgestimmt, schnelle Ladezeiten, preislich attraktiv
Warum nicht: nervige Assistenten
Oder vielleicht: Cupra Born, VW ID.3 Neo, Kia EV4.
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