Tipps fürs Gehirn

Demenz: Geistiger Verfall beginnt in den Gefäßen

Die Angst vor geistigem Abbau und Demenz gehört zu den größten gesundheitlichen Sorgen unserer Zeit. Entsprechend groß ist der Markt an Versprechen: Superfoods, Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Gehirntrainingsapps – die Auswahl ist riesig. Doch welche Maßnahmen helfen laut Ärzten tatsächlich?

Wer sein Gehirn schützen will, muss laut Allgemeinmediziner und Vorsorgespezialist Dr. Christian Maté Folgendes wissen: „Es kommt nicht auf diverse Trends an, am besten belegt sind Maßnahmen, welche die Gefäßgesundheit schützen und bekannte Risikofaktoren behandeln.“ Kognitiver Abbau entsteht nicht nur im Kopf, er beginnt in den Gefäßen.

Regelmäßige körperliche Aktivität
Bewegung ist eines der wirksamsten Mittel, um das Gehirn langfristig gesund zu halten – hier ortet der Mediziner die verlässlichsten wissenschaftlichen Belege: „Körperliche Aktivität ist mit besserer geistiger Leistung und geringerem Risiko für kognitiven Abbau verbunden. Leitlinien empfehlen Bewegung ausdrücklich.“ Bereits moderates Ausdauertraining – schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen – zeigt messbare Effekte.
Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Kontinuität.

Blutdruckkontrolle ist wichtig
Hoher Blutdruck schädigt langfristig die Gefäße im Gehirn – und damit das Organ selbst. Regelmäßige Kontrollen und konsequente Therapie gehören daher zur zentralen Gehirnvorsorge. „Gute Blutdruckkontrolle stellt eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen dar, besonders im mittleren und höheren Lebensalter. Wissenschaftlich ist das nicht perfekt belegt, aber deutlich genug, dass Fachstellen es klar empfehlen“, erläutert Dr. Maté.

Rauchstopp für die „Grauen Zellen“
Rauchen erhöht das Risiko für Gefäßschäden, Schlaganfälle und damit auch für Demenz. „Rauchstopp ist ein wichtiger Teil der Prävention“, so Dr. Maté. Tabakkonsum ist niemals harmlos oder gar gesund! Der Verzicht auf den Glimmstängel schützt das Gehirn und die Gesamtgesundheit.

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Körperliche Aktivität ist mit besserer geistiger Leistung und geringerem Risiko für kognitiven Abbau verbunden. Leitlinien empfehlen Bewegung ausdrücklich.

Dr. Christian Maté, Allgemeinmediziner und Vorsorgespezialist, Wien 

Gehirngesundheit beginnt im Stoffwechsel
Diabetes, Übergewicht und erhöhte Blutfette (speziell erhöhtes LDL-Cholesterin) sollte man auf jeden Fall in den Griff bekommen, denn: „Stoffwechsel- und Gefäßrisiken hängen klar mit späterem kognitivem Abbau zusammen“, erläutert der Mediziner.

Verlust der Sinne entgegentreten
Ein oft unterschätztes Thema stellt der Verlust von Hör- und Sehvermögen dar. Dr. Christian Maté betont: „Hörverlust ist ein relevanter Risikofaktor. Es gibt inzwischen auch konkrete Hinweise darauf, dass Hörgeräte bei älteren Menschen mit erhöhtem Risiko den kognitiven Abbau verlangsamen können.“

Auch Sehverlust sollte früh versorgt werden, denn Einschränkungen in Sinnesleistungen ziehen oft soziale Isolation, geistige Unterforderung und erhöhte Belastung für das Gehirn nach sich.

Gesundes Essensverhalten
Plausibel und empfehlenswert ist etwa gesunde Ernährung. „Mediterrane bzw. herzgesunde Ernährung wird empfohlen, aber für eine einzelne Demenz-Diät sind die wissenschaftlichen Belege nicht so ausgeprägt wie für Bewegung oder Blutdruckkontrolle.“

Lebenslanges Lernen
Strukturierte kognitive Aktivität und Lernen bleiben laut Experten ermutigende, wenn auch wissenschaftlich nicht sehr stark belegte, Faktoren für ein leistungsstarkes Gehirn. Aber kommerzielle Brain-Training-Apps sind kein Garant für kognitive Gesundheit, diese profitieren oft stärker vom Marketing als von der Wissenschaft.

Sozial aktiv bleiben
Man weiß heute, dass Menschen, die unter sozialer Isolation leiden, ihrer Gehirngesundheit nachweislich schaden. „Empfehlenswert ist daher, gesellschaftliche Interaktionen zu fördern, und auch Depressionen zu behandeln. Denn psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko für den kognitiven Abbau“, erläutert der Allgemeinmediziner.

Für Nachtruhe sorgen!
Schlechter Schlaf ist klar mit höherem Demenzrisiko verbunden, daher sollten sich alle um eine gute Nachtruhe kümmern – auch ihren grauen Zellen zuliebe! Dass jedoch ausreichend Schlaf wirklich Demenz verhindern könnte, ist nicht erwiesen.

Mit der Angst der Menschen vor dem geistigen Abbau wird auch Geschäft gemacht: „Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel als allgemeine Demenzprävention haben keine wissenschaftliche Grundlage“, gibt daher Dr. Maté zu bedenken. Natürlich sollten nachgewiesene Mängel ausgeglichen werden, die mit verminderter Denkleistung in Zusammenhang stehen, z.B. B-Vitamine oder Eisen.

Überdies gibt es auch keine „Superfoods“, die Demenz verhindern könnten. Ebenso sollte man kommerziellen Gehirn-Trainings-Apps nicht alle ihre oft großen Versprechungen glauben.

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