BMW hat mit dem iX3 ganz schön was vorgelegt und die neue Generation gewissermaßen in die Champions League der Elektromobilität geholt. Auftritt Mercedes GLC: Der soll nicht nur mitspielen, sondern gleich „das Segment neu definieren“. Ob ihm das gelingt, erfahren Sie hier im Video-Fahrbericht!
Zum Marktstart wird es erst einmal nur eine Motorisierung geben (drei weitere folgen noch dieses Jahr): Der GLC 400 4matic kommt auf eine Systemleistung von 360 kW/490 PS bzw. ein -drehmoment von 800 Nm, wobei ein 300-kW-PSM-Motor über ein Zweigang-Automatikgetriebe die Hinterachse antreibt, ein weiterer mit 160 kW direkt die Vorderachse. Damit trifft er exakt auf den BMW iX3 50 xDrive (469 PS, 645 Nm).
Von den Zahlen her treffen sich die beiden mehr oder weniger auf Augenhöhe, ein Stück unter fünf Meter lang, knapp drei Meter Radstand, rund 100 Kilowattstunden Akkukapazität und richtig viel WLTP-Reichweite.
Im Detail betrachtet ist der GLC in allen Dimensionen eine Spur größer: 4,85 Meter lang, (plus 7 cm) 1,94 Meter (plus 4 cm) breit und gut 1,64 Meter hoch (plus ein paar Millimeter). Radstand: 2,97 Meter (plus 7 cm). Spoiler: Davon merkt man relativ wenig.
Bei Akku und Reichweite hat der Mercedes klar das Nachsehen, Motorleistung und Drehmoment sind etwas höher, was ihm beim Standardsprint eine halbe Sekunde bringt – obwohl er 175 Kilogramm schwerer ist und in Basisausstattung ein DIN-Leergewicht von 2460 kg auf die Waage bringt. In Zahlen: 4,3 Sekunden, 210 km/h.
Viel Glas, viel Licht, viel Klassisches
Wo sich BMW beim Außendesign experimentierfreudig zeigt, bemüht sich Mercedes mit Erfolg, die angestammte Klientel nicht zu verschrecken. Die Front feiert ikonische Daimler-Kühlergrills in einer Lichtskulptur mit Leuchtrahmen, Leuchtstern und 942 Leuchtpunkten. Die Seitenansicht wirkt sogar noch gewohnter, während das Heck unter einem breiten Plastikstreifen leidet, der insgesamt vier Rundleuchten mit Stern und weitere Leuchtelemente vereinigt. Dieser Streifen hat technische bzw. regulatorische Gründe, weniger den Hintergrund, dass alle Designer im Haus so riesige Fans der Optik sind. Fake Vents und zusätzliche Rückstrahler sowie eine Chromspange im Stoßfänger sorgen für weitere Unruhe.
Top am Heck: Man öffnet die Klappe, indem man das Logo hochklappt, hinter dem sich schmutzgeschützt auch die Rückfahrkamera befindet.
Sensationsdisplay im Innenraum
Der Innenraum wird in vielen Mercedes-Modellen schon länger von Glas dominiert, das sich über die gesamte Breite von Tür zu Tür zieht. Serie ist hier im GLC ein „Superscreen“, der bis zu drei einzelne Displays (ein Zehn-Zoll- und ein oder zwei 14-Zoll-) unter sich vereinigt. Gegen Aufpreis bekommt man erstmals den „Hyperscreen“, einen 99,3 Zentimeter (39,1 Zoll) breiten Bildschirm ohne jede Unterbrechung, der alles nahtlos darstellt. Dennoch bleibt noch Platz für klassisches Armaturenbrettdesign in Form von feinen Holzoberflächen und eleganten Luftausströmern. Dadurch fühlt man sich auch wohler als etwa im CLA, in dem das Cockpit deutlich beengter wirkt (wobei natürlich die geringere Fahrzeuggröße eine Rolle spielt).
Die vierte Generation des Bediensystems MBUX bündelt erstmals KI-Power von mehreren Agenten: ChatGPT 4o, Microsoft Bing und Google Gemini. Grafiken gestochen scharf, Rechenleistung absurd hoch, rund 40 Apps inklusive Streaming-Apps wie Disney+. Das Bedienkonzept ist intuitiv und durchdacht, sogar das Abschalten der lästigen Assistenzsysteme geht sehr leicht.
Ein Quantensprung retour: Am Multifunktionslenkrad muss man Tempo und Lautstärke endlich nicht mehr mit Touchelementen einstellen, dafür hat man jetzt zwar analoge Walzen. Warum der Rest die bereits seit Jahren bekannten und immer wieder kritisierten Touchflächen sind, bleibt ein Rätsel.
Top sind auch die Lenkradpaddles, mit denen man die Rekuperationsstufen einstellen kann. Da können sich wiederum andere bei Mercedes abschauen, wie es geht. Rekuperiert wird mit bis zu 300 kW, was einer Verzögerung von -3 m/s² entspricht – also einer starken Bremsung.
Gute, nicht opulente Platzverhältnisse
Auf den vorderen Plätzen sitzt man sehr gut (wenn man den Fahrerplatz nicht von der körpergrößenabhängigen Automatik einstellen lässt). Die massive, senkrechte Glasfläche trübt das Platzgefühl, schränkt das -angebot aber nicht faktisch ein.
Auch die Rückbank geht in Ordnung, weil man die Füße gut unter den Vordersitzen unterbringt. Auch Kopffreiheit und Kniewinkel passen. Im BMW iX3 geht es jedoch noch eine Spur luftiger zu.
Der Kofferraum fasst 570 bzw. 1740 Liter (iX3: 520/1750 Liter), dazu kommt ein 100 Liter großer Frunk (BMW 58 Liter). Die Rücksitzlehnen lassen sich per Fernentriegelung umlegen (im Gegensatz zum iX3). Ist das Luftfahrwerk an Bord, lässt sich das Heck zum Beladen auf Knopfdruck absenken. Ein weiterer Knopfdruck lässt die optionale Anhängerkupplung ausfahren. Die maximal zulässige Anhängelast beträgt 2400 kg (BMW: 2 Tonnen). Die maximale Zuladung 580 kg (BMW: 540 kg).
Antrieb, Akku, Reichweite
Der Akku des Mercedes GLC bietet eine nutzbare Kapazität von 94 Kilowattstunden, trägt damit also nicht zum Gewichtsnachteil bei – beim BMW sind es 109 kWh. Als WLTP-Reichweite gibt Mercedes bis zu 713 Kilometer an (BMW: 805 Kilometer).
Geladen wird mit bis zu 330 kW bei 800 Volt DC, von 10 auf 80 Prozent sollen 22 Minuten vergehen (BMW: 21 min.). Mercedes verspricht, dass der GLC in zehn Minuten 305 Kilometer Reichweite „tanken“ kann. Mit Wechselstrom lädt der Wagen serienmäßig mit 11 kW, optional 22 kW. Wer sicherstellen will, dass er an allen DC-Ladesäulen Strom bekommt, muss die Option mitbestellen, dass der GLC auch mit 400-Volt-Standorten kompatibel ist.
Den WLTP-Verbrauch gibt Mercedes mit 14,9 kWh/100 km an (BMW iX3: 15,1 kWh/100 km).
So fährt er sich
Als Testwagen stand nicht das Basismodell mit Stahlfahrwerk und passiven Dämpfern zur Verfügung, sondern einer mit adaptivem Luftfahrwerk und 4,5-Grad-Hinterachslenkung (zusammen knapp 3000 Euro, beides für den iX3 nicht erhältlich). Damit gleitet der GLC wie eine S-Klasse dahin, die Abstimmung ist sehr komfortorientiert ausgefallen. Das bedeutet u.a., dass die Karosserie auf der Autobahn die ganze Zeit nachschwingt. Auf kurvigen Straßen im Hinterland der portugiesischen Algarve-Küste war das Umschalten auf den Sport-Modus angesichts bereits reagierender Magennerven zwingend notwendig.
Auch mit gestrafften Dämpfern blieb das Fahrwerk sehr komfortabel. Kurven ließen sich aber nun mit mehr Verve und stabilerem Magen nehmen, wobei deutlich wurde, dass dynamisches Kurvenräubern nicht im Lastenheft der GLC-Entwicklung stand. Gleichwohl lässt er sich präzise ums Eck werfen, baut dabei erstaunliche Bodenhaftung auf. Die Lenkung ist eher indirekt abgestimmt, aber nicht gefühllos. Etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahn dürfte sie aber gerne geben.
Übers Display lassen sich künstliche Motorgeräusche zuschalten und in ihrer Intensität variieren. Ansonsten geht es ausgesprochen leise zu im Innenraum.
Die Fahrwerkshöhe regelt das Luftfahrwerk nicht nur über das Tempo, sondern auch GPS-gestützt. So bleibt es auf der Autobahn z.B. auch dann in der tieferen Position, wenn man etwa wegen eines Tunnels oder einer Baustelle langsamer fährt – das ist günstig für den Luftwiderstand.
Zudem verarbeitet es Cloud-Daten von 15 Millionen Mercedes-Fahrzeugen weltweit, um sich vor Temposchwellen & Co rechtzeitig vorzubereiten.
Der Preis
Als Basispreis ruft Mercedes für den GLC 400 4matic 72.450 Euro auf (BMW: 69.950 Euro). Zum Zeitpunkt, da dieser Bericht entsteht, zieht der Hersteller auf der Website für Privatkunden direkt zehn Prozent ab. Die Verbrenner-Version wird übrigens weitergebaut.
Fahrzit
So ähnlich die Daten sind – GLC und iX3 sind grundlegend verschiedene Autos. Wo BMW alte Mauern komplett einreißt, entwickelt Mercedes die hauseigenen Qualitäten inklusive Design konsequent weiter. Das GLC-Cockpit irritiert nicht, bietet aber auch nichts grundlegend Neues, abgesehen vom sensationellen Display das ähnlich Geschmackssache ist wie das revolutionäre Konzept im BMW iX3, aber dennoch deutlich klassischer ist.
Man kann durchaus behaupten, dass GLC und iX3 keine Konkurrenten sind – beide nehmen ihren Platz scharf umrissen ein. Während der BMW in Sachen Fahrdynamik große Stärken ausspielt, macht dem Mercedes beim Komfort niemand etwas vor. Für den BMW ist weder ein Luftfahrwerk noch Sitzlüftung noch Hinterachslenkung erhältlich. Bringen wir es auf den Punkt: Mut und Erfindergeist vs. Luxus und Wohlstand. Der GLC dürfte die Erwartungen der Klientel punktgenau erfüllen. Und beide sind Aushängeschilder der deutschen Automobilindustrie, die bestens parallel existieren können.
Warum?
Bedingungslos komfortabel
Sensationelles Riesendisplay
Ausreichend gute Reichweite, schnelles Laden
Warum nicht?
Ziemlich schwer
Relativ kleiner Akku
Oder vielleicht …
… BMW iX3, Audi Q6 e-tron, Volvo EX60
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