Rechenzentrum in OÖ

„Zu wenig Lohn“: Vorwürfe auf Google-Baustelle

Oberösterreich
12.05.2026 14:00

Der US-Konzern Google errichtet in Kronstorf in Oberösterreich derzeit ein Rechenzentrum. Vier Arbeiter der Baustelle erheben nun schwere Vorwürfe – sie bekämen zu wenig Lohn, trotz Hitze kein Wasser und müssten zwölf Stunden täglich arbeiten. Eine Bestätigung für die Vorwürfe gibt es allerdings (noch) nicht.

Vergangene Woche tauchten vier Arbeiter der Google-Baustelle in Kronstorf – dort errichtet der Internet-Riese derzeit, wie berichtet, ein Rechenzentrum – bei der Arbeiterkammer in Steyr auf. Im Gepäck: Schwere Vorwürfe zu den Zuständen auf der Baustelle (die „OÖN“ berichteten als Erstes darüber), die nicht von Google direkt, sondern von einer Subfirma betrieben wird.

„Sie trauen sich nichts zu sagen“
„Die Arbeiter behaupten, sie arbeiten von Montag bis Samstag jeden Tag zwölf Stunden durch“, sagt Harald Dietinger, Vizepräsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, zur „Krone“. „Sie behaupten weiter, sie bekommen 20 bis 30 Prozent weniger Lohn als ausgemacht“, so Dietinger. Zudem seien die Arbeitsbedingungen laut den Schilderungen der vier Bauarbeiter „ein Wahnsinn“ – bei den sommerlichen Temperaturen vergangene Woche sollen die Arbeiter auf der Baustelle nicht einmal Wasser bekommen haben. „Und sie trauen sich nichts zu sagen, weil sie Angst haben, sonst hinausgeworfen zu werden“, sagt der AK-Vizepräsident.

Ob an den schweren Anschuldigungen etwas dran ist, ist jedoch noch völlig unklar. „Wir konnten die Vorwürfe noch nicht prüfen“, sagt auch Dietinger. Google selbst lässt auf Anfrage wissen: „Wir können uns zwar nicht zu Einzelfällen äußern, untersuchen diese Vorfälle aber intern. Google verfolgt in diesem Bereich eine Null-Toleranz-Politik und hat ein eindeutiges Regelwerk, das dieses Verhalten verbietet.“

Finanzpolizei stellte Verstöße fest
Die Baustelle ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. Anfang Februar stattete die Finanzpolizei dem Mega-Projekt in Kronstorf einen Besuch ab. Die Behörde stellte damals unter anderem 26 Übertretungen nach sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften sowie vier Verstöße nach dem Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz fest. „Die Verstöße wurden von Subunternehmern, die außerhalb der direkten Kontrolle von Google handelten, begangen“, hielt der US-Konzern dazu fest. Man habe darauf reagiert, „eine gründliche interne Überprüfung der Baustelle durchgeführt und Konsequenzen gezogen.“

Laut AK OÖ – Vizechef Harald Dietinger ist mit dem Bau in Kronstorf nun eine britische Subfirma beauftragt. „Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Wir wollen, dass Firmen die Aufträge bekommen, die in Österreich Leute beschäftigen und hier Steuern zahlen.“

100 neue Arbeitsplätze
Google errichtet in der 3500-Einwohner-Gemeinde Kronstorf ein Rechenzentrum, in dem künftig Unmengen an Daten gespeichert werden können. Grund der Investition ist die wachsende Nachfrage nach digitalen Diensten und Künstlicher Intelligenz. Die Serverfarm soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen und 100 direkte Arbeitsplätze schaffen. Der offizielle Spatenstich erfolgte Mitte April.

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