„Krone“-Kommentar

Rendezvous mit der Wirklichkeit

Kolumnen
11.05.2026 05:02

Beim Fest der Floskeln, von den feinen Leuten auch „Europatag“ genannt, ist dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig so eine Art Erweckungserlebnis widerfahren. Jedenfalls war es ein Rendezvous mit der Wiener Wirklichkeit, das dem sonst eher gemütlichen Rathausmann die Zornesröte ins Gesicht trieb.

Und das kam so: Ludwig hatte auf dem Stephansplatz gerade dazu angesetzt, den Song Contest etwas gar süßlich als „Fest des Miteinander“ zu rühmen, als eine Gruppe palästinensischer Demonstranten den SPÖ-Politiker auspfiff und niederbrüllte.

Analysiert für die „Krone“: Innenpolitik-Experte Claus Pándi
Analysiert für die „Krone“: Innenpolitik-Experte Claus Pándi(Bild: Krone KREATIV)

Hinter Ludwig stand etwas betreten lächelnd die Außenministerin und sagte vorerst einmal gar nichts, während sich der Bürgermeister mehr und mehr in Rage redete, um dann in die Gruppe mit den Palästinenserflaggen zu rufen: „Wir lassen uns hier nicht wegterrorisieren!“

Oha.

Da hat jemand offenbar etwas erkannt. Da hat vielleicht einer gesehen, dass sich in der Bundeshauptstadt etwas verändert hat. Und dass die Leute, die jahrelang bei allen möglichen SPÖ-Aufmärschen und Parteifestln mit ihren Palästinenserschals willkommen waren und mitgelaufen sind, vielleicht ein ganz anderes Österreich schaffen wollen, als es die Juden und Christen und nicht religiösen Menschen in diesem Land geschaffen haben.

Der hässliche Zwischenfall auf dem Stephansplatz war für den Wiener Bürgermeister sicher nicht angenehm. Aber für die SPÖ hoffentlich heilsam.

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