Volkswagen erfindet sich in Sachen Elektroautos gerade neu. Auf das erste Fahrzeug der neuen Zeitrechnung – den VW ID. Polo – müssen wir zwar noch etwas warten, aber auch der oft gescholtene VW ID.3 darf einen Sprung in die Zukunft machen und das neue Selbstverständnis als erster verkörpern.
Eines vorweg: Es wurde intern sogar diskutiert, ob man diese neue Version des ID.3 nicht ID. Golf nennen sollte. So weit kommt’s noch! Auch wenn das Heck jetzt golfig ist, aber diese seltsame A-Säule mit dem Knick in der Fensterlinie wäre echt unwürdig. Zum Glück hat sich die richtige Strömung durchgesetzt, und auch Konzernchef Thomas Schäfer sagt: Diesen Namen darf nur ein Auto tragen, das wirklich ein echter Golf ist. So behielt der ID.3 mit dem zweiten Facelift seinen Namen, bekam aber den Zusatz „Neo“.
Damit ist er von vornherein ein Held, jedenfalls für Menschen, die mit der Matrix-Trilogie vertraut sind. Unabhängig davon: Natürlich bekommt der ID3 Neo optional LED-Matrix-Fernlicht, genannt „Dynamic Light Assist“. Die neue Front mit dem breiten durchgängigen Leuchtstreifen in der Mitte ist aber Serie. Es ist das neue Markengesicht, das wir auch beim ID. Polo wiederfinden werden.
Das ist gut für den so wichtigen ersten Eindruck, der bisher eher na ja war. Beim Neo ist das anders. Die Front wirkt klarer, strukturierter, fast schon selbstbewusst. Dazu kommt ein Detail, das mehr verändert, als man denkt: Die schwarzen Designspielereien verschwinden. Dach, Heck, viele Elemente sind jetzt in Wagenfarbe gehalten. Das Ergebnis? Der ID.3 Neo steht plötzlich anders da. Erwachsener. Satter. Mehr „Das Auto“.
Der große Befreiungsschlag im Innenraum
Der eigentliche Neustart findet aber innen statt. Volkswagen hat nicht einfach nachgebessert – sie haben das Cockpit komplett neu entwickelt. Und das merkt man sofort. Wo früher Kritik an Materialanmutung und Bedienung laut wurde, herrscht jetzt Ordnung. Klare Linien, bessere Materialien, logisch aufgebaute Bedienelemente. Und ja: echte Tasten.
Ein Detail, das fast schon wie eine kleine Revolution wirkt. Vor allem, weil VW hier offensichtlich auf Kunden gehört hat. Das neue Infotainment wirkt wie ein quergelegtes Tablet mit 12,9 Zoll, dazu kommt ein überarbeitetes Digital Cockpit, das sogar eine Retro-Ansicht im Stil eines alten Golf I anzeigen kann. Klar, eine Spielerei, aber auch eine echte Charakteransage.
Endlich ist dieser unsägliche „Unterbiss“ unterm Display verschwunden, der die Touchslider getragen hat. Okay, mit Beleuchtung ist dieses Ding wenigstens nicht ganz so unsinnig, aber viel sinniger ist es, wenn es gar nicht da ist und durch Tasten ersetzt wird. Und durch einen Volume-Regler auf der Mittelkonsole (der nicht einmal als Multitool für Fahrmodi fungieren muss!). Oh wie müssen sie diesen Thomas Schäfer feiern! Und wie froh müssen sie sein, dass sie diesen Diess los sind!
Mehr Reichweite, weniger Verbrauch
Auch unter dem Blech wurde kräftig gearbeitet. Der ID.3 Neo nutzt die neue Plattform-Generation MEB+ und bekommt einen komplett neuen Antrieb. Klingt technisch, bedeutet aber vor allem eines: effizienter unterwegs sein. Je nach Version sind zwischen 417 und 630 Kilometer Reichweite drin – ein Wert, der den Kompaktstromer endgültig langstreckentauglich macht. Allerdings bleibt es – im Gegensatz zu den ganz neuen Modellen, die da kommen – beim Heckantrieb.
Geladen wird ebenfalls schneller. Die große Batterie zieht mit bis zu 183 kW Strom, womit der Sprung von 10 auf 80 Prozent in unter einer halben Stunde möglich sein soll. Das ist kein Quantensprung. Aber genau die Art Fortschritt, die im Alltag zählt.
Drei Leistungs- und Batteriestufen
Zum Start wird es den ID.3 Neo in drei Ausstattungslinien (Trend, Life und Style) und drei Leistungsstufen sowie mit ebenfalls drei verschiedenen Batteriegrößen geben. Die drei E-Maschinen entwickeln eine Leistung von 125 kW/170 PS, 140 kW/190 PS und 170 kW/231 PS. Die 170-PS-Version ist an eine Batterie mit einem Energiegehalt von 50 kWh (alles netto) gekoppelt. Mehr Leistung/Kapazität ist für die Basisausstattung ID.3 Neo Trend nicht zu bekommen.
Life und Style können optional mit einer 58-kWh-Batterie und 190 PS sowie einer 79-kWh-Batterie mit besagten 231 PS konfiguriert werden. Die kleineren Batterien ziehen an DC-Schnellladesäulen Strom mit bis zu 105 kW; die Version mit 79 kWh lässt sich mit bis zu 183 kW schnellladen.
Ein Auto für mehr als nur die Stadt
Trotz seiner kompakten Maße bleibt der ID.3 Neo ein vollwertiger Allrounder. 385 Liter Kofferraum, dazu Optionen wie Fahrradträger oder Komfortsitze mit Massagefunktion – das ist nicht nur Pendlerauto, das ist Familienbegleiter. Und genau das will Volkswagen auch zeigen: Elektro ist längst nicht mehr Verzicht, sondern Alltag.
Wenn das Auto mitdenkt
Spannend wird es bei den Assistenzsystemen. Der neue „Connected Travel Assist“ kann erstmals auch auf Ampeln reagieren. Erkennt das System Rot, bremst der ID.3 Neo selbstständig bis zum Stillstand. Das ist mehr als ein nettes Feature – das ist ein echter Schritt in Richtung automatisiertes Fahren im Alltag. Dazu kommt One-Pedal-Driving: Beschleunigen, rollen lassen, verzögern - alles über ein Pedal. Und wer will, kann den ID.3 Neo als Stromquelle nutzen. Laptop, E-Bike, Kaffeemaschine – das Auto liefert Energie gleich mit.
Der entscheidende Punkt
Der ID.3 Neo ist kein neues Auto im klassischen Sinn, auch wenn der Aufwand in der Entwicklung teilweise dem für ein völlig neues Auto glich. Aber er ist vielleicht das Auto, das der ID.3 von Anfang an hätte sein sollen. Weniger Kompromisse. Mehr Qualität. Mehr Volkswagen. Ob das reicht, um ganz vorne mitzuspielen? Das wird sich zeigen. Aber eines steht jetzt schon fest: Volkswagen hat verstanden, worauf es ankommt.
Die Markteinführung ist für Juli geplant, der Bestellstart für Österreich im Mai – dann werden auch die Preise bekannt gegeben. In Deutschland ist der ID.3 Neo bereits bestellbar – ab 33.995 Euro.
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