Was chinesischen Käufern gefällt, entspricht nicht unbedingt den Vorstellungen von Europäern und Amerikaner haben nochmals andere Ideen. Wir fragten BYD-Designchef Wolfram Egger unter anderem, wie er damit umgeht.
Wolfgang Egger zählt zu den prägenden Automobildesignern der Gegenwart. Er arbeitete in führenden Positionen für Alfa Romeo, Audi, Lamborghini oder Seat, wo er ikonische Modelle wie den Audi R8, den Seat Ibiza oder den Alfa 8C mitgestaltet hat. Seit 2016 steht der Allgäuer als Chefdesigner beim chinesischen Autohersteller BYD vor der Aufgabe, einer jungen, global expandierenden Marke ein eigenständiges Profil zu verleihen. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Identität in einem zunehmend dynamischen Wettbewerbsumfeld.
„Krone“: Welche Rolle spielt internationales Design in der Automobilindustrie, speziell in Bezug auf BYD und den chinesischen Markt.
Wolfram Egger: Internationales Design ist heute entscheidend. Es geht nicht nur darum, ein Design global anzuwenden, sondern die unterschiedlichen Bedürfnisse der Märkte zu verstehen. Die Grundphilosophie bleibt oft gleich, aber die Umsetzung variiert stark.
Wie entwickeln Sie für BYD Ihre Designphilosophie?
Wir arbeiten sehr eng mit verschiedenen Abteilungen zusammen – insbesondere Marketing, Ingenieuren und natürlich den Kunden. Der kontinuierliche Austausch, auch international, ist dabei extrem wichtig.
Gibt es große Unterschiede zwischen den Märkten?
Ja, definitiv. Zum Beispiel ist ein Sportwagen weltweit eher fahrerorientiert. Aber bei anderen Fahrzeugtypen unterscheiden sich die Vorlieben deutlich – etwa zwischen Europa, China oder Südamerika.
Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung?
Der Wechsel von europäischen Unternehmen zu einem chinesischen Unternehmen - besonders im Bereich Elektromobilität. Es war eine spannende Herausforderung, eine neue Designkultur mit aufzubauen.
Wie baut man eine neue Designkultur auf?
Man arbeitet viel mit jungen Designern und entwickelt gemeinsam eine klare Designsprache. In unserem Fall mussten wir das sehr schnell umsetzen – über mehrere Marken und Designzentren hinweg.
Manche Designs chinesischer Marken sehen zum Verwechseln ähnlich aus. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Ich verstehe die Kritik. Aber wir verfolgen bewusst eine klare, reduzierte Designsprache. Wichtig ist, eine eigene Identität zu entwickeln, die gleichzeitig den Kunden gefällt.
Wie unterscheiden sich die Designvorlieben international?
Chinesische Kunden bevorzugen oft weichere, klare und reduzierte Formen. Andere Märkte mögen eher markante, dramatische Designs mit scharfen Linien. In Südamerika sind zum Beispiel Pickups besonders wichtig.
Und welche Rolle spielt China in der globalen Entwicklung?
China ist mittlerweile ein Treiber – vor allem im Bereich Elektromobilität. Viele Trends entstehen dort und beeinflussen den Rest der Welt.
Wie verändert Elektromobilität denn das Design?
Sie verändert nicht nur das äußere Design, sondern vor allem das Erlebnis im Innenraum. Displays, digitale Funktionen und Benutzeroberflächen werden immer wichtiger.
Arbeiten Sie mit einer einheitlichen globalen Designsprache?
Nein, wir passen uns bewusst an verschiedene Märkte an. Unterschiedliche Kunden haben unterschiedliche Erwartungen – und darauf reagieren wir gezielt.
Tomas Hirschberger/SP-X
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